Während Kontron-Aktionäre über das Übernahmeangebot von Ennoconn entscheiden müssen, bewegt sich im Hintergrund etwas anderes. Drei internationale Finanzhäuser haben ihre Beteiligungen am österreichischen Technologiekonzern innerhalb weniger Tage spürbar verändert. Der Aktienkurs selbst bleibt davon fast unberührt: Am Freitag schloss Kontron bei 23,00 Euro, ein Plus von 0,09 Prozent zum Vortag.
Morgan Stanley reduziert, Goldman und BlackRock stocken auf
Morgan Stanley meldete am 8. Juli eine Gesamtposition von 6,96 Prozent der Stimmrechte. Das ist deutlich weniger als bei der vorherigen Meldung mit 8,18 Prozent. Der Großteil der Position läuft über Finanzinstrumente, nur ein winziger Bruchteil über direkte Aktien.
Goldman Sachs bewegt sich in die Gegenrichtung. Das Institut überschritt am 13. Juli die Meldeschwelle und kommt nun auf 5,13 Prozent, nach zuvor 4,39 Prozent. BlackRock zog einen Tag später nach und meldete ein Engagement von 4,07 Prozent, nachdem die Vier-Prozent-Marke überschritten wurde.
Auffällig: Bei allen drei Häusern dominieren Finanzinstrumente wie Swaps oder Wertpapierleihe gegenüber echten Aktienbeständen. Diese Konstruktion ist bei institutionellen Investoren während laufender Übernahmeverfahren nicht unüblich. Sie zeigt aber, wie genau große Marktteilnehmer die Kursentwicklung gerade beobachten.
Führungskräfte verkaufen Optionsaktien
Parallel dazu treffen mehrere Directors‘-Dealings-Meldungen ein. Personen aus dem Führungsumfeld von Kontron haben Aktien aus Optionsprogrammen verkauft, und zwar durch Annahme von Ennoconns Pflichtangebot. Betroffen sind unter anderem Vorstandschef Hannes Niederhauser, Philipp Schulz, Michael Riegert und Dr. Clemens Billek.
Wichtig für die Einordnung: Diese Verkäufe betreffen ausschließlich Optionsprogramme. Niederhausers zuvor angekündigte Kernbeteiligung ist davon nicht berührt, an ihr will er festhalten.
Ennoconn selbst meldete am 13. Juli einen weiteren Erwerb von 300.000 Aktien zum Angebotspreis von 23,50 Euro je Aktie. Diese Aktien kamen über die Einlieferung ins Pflichtangebot zustande, das der Bieter am 29. Juni veröffentlicht hatte.
Verfahren läuft trotz Ablehnungsempfehlung weiter
Vorstand und Aufsichtsrat von Kontron hatten den Aktionären zuvor empfohlen, das Angebot nicht anzunehmen. Aus ihrer Sicht ist der gebotene Preis von 23,50 Euro finanziell nicht angemessen. Die aktuellen Meldungen zu Stimmrechten und Optionsausübungen zeigen dennoch: Der formale Übernahmeprozess läuft unabhängig von dieser Empfehlung weiter.
Charttechnisch notiert die Aktie mit 23,00 Euro knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt von 22,77 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 28,66 Euro fehlen weiterhin fast 20 Prozent.
Die Annahmefrist für das Pflichtangebot läuft noch bis zum 27. Juli. Bis dahin dürfte sich zeigen, wie viele Aktionäre trotz der Ablehnungsempfehlung des Managements zugreifen und ob sich das Bild bei den Stimmrechtsmeldungen weiter verschiebt.
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