Am 27. Juli endet eine Frist, die über die Zukunft von Kontron entscheiden könnte. Der Großaktionär Ennoconn aus Taiwan will die restlichen Aktien der österreichischen Technologiegruppe übernehmen. Vorstand und Aufsichtsrat raten den Aktionären jedoch klar davon ab, das Angebot anzunehmen.
Der Preis passt Kontron nicht
Ennoconn bietet 23,50 Euro je Aktie. Das Management hält diesen Preis für zu niedrig. Er liegt sogar unter dem Durchschnittskurs der vergangenen zwölf Monate – um 0,26 Euro.
Zudem verweist der Vorstand auf Analystenkursziele, die deutlich über der Offerte liegen. Die Botschaft an die Aktionäre ist eindeutig: nicht annehmen. Die Kontron-Aktie schloss zuletzt bei 23,00 Euro und bewegt sich damit fast auf Höhe des Angebotspreises.
Institutionelle Investoren bauen Positionen um
Während die Frist läuft, bewegt sich im Hintergrund einiges. Morgan Stanley meldete am 6. Juli, die Schwelle von 8,43 Prozent der Stimmrechte an Kontron erreicht zu haben. Die Bank hält die Position teils direkt, teils über Finanzinstrumente.
Solche Meldungen bekommen im Umfeld eines Pflichtangebots besonderes Gewicht. Marktbeobachter lesen aus ihnen Hinweise darauf, wie die Offerte am Ende ausgehen könnte. Auch weitere Directors‘-Dealings der vergangenen Wochen zeigen: Der Übernahmeprozess läuft weiter, unabhängig von der offiziellen Ablehnung des Managements.
Das operative Geschäft läuft weiter
Kontron lässt sich von der Übernahmesituation nicht bremsen. Die Sparte Kontron Transportation sicherte sich einen langfristigen Auftrag eines europäischen Bahnbetreibers. Das Volumen: knapp 100 Millionen Euro.
Der Vertrag deckt Wartungs- und Sicherheitsleistungen bis Ende 2035 ab, mit Verlängerungsoption bis 2040. Es geht um Kommunikationsinfrastruktur im Bahnsektor – ein Feld, das durch die Umstellung von GSM-R auf FRMCS ohnehin an Bedeutung gewinnt. Kritiker des Ennoconn-Angebots nutzen genau solche langfristigen Verträge als Argument: Wer über Jahre planbare Einnahmen sichert, ist mehr wert als 23,50 Euro je Aktie.
Was die Woche entscheidet
Bis zum 27. Juli richtet sich der Blick auf drei Dinge: die Kursentwicklung im engen Korridor um die 23-Euro-Marke, mögliche neue Stimmrechtsmeldungen und die Frage, wie viele Aktionäre dem Angebot trotz der Ablehnung des Managements folgen. Der Kurs notiert derzeit rund 1 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 22,77 Euro – ein Zeichen für eine grundsätzlich stabile mittelfristige Lage, auch wenn die Nachrichtendichte in den kommenden Tagen zunehmen dürfte.
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