Auf den ersten Blick lief bei Philips im zweiten Quartal fast alles besser als erwartet. Der Aktienkurs reagierte trotzdem mit einem der stärksten Tagesverluste des Jahres. Ein Blick unter die Oberfläche der Zahlen erklärt, warum Anleger skeptisch blieben.
Gewinnsprung mit Schönheitsfehler
Der Nettogewinn kletterte auf 386 Millionen Euro, nach 240 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITA stieg auf 717 Millionen Euro, die Marge sprang von 12,4 auf 16,4 Prozent. Der Umsatz erreichte 4,36 Milliarden Euro, was einem vergleichbaren Wachstum von 4 Prozent entspricht.
Der Haken: Ein Großteil der Verbesserung stammt aus einer US-Zollrückerstattung von 186 Millionen Euro, die allein rund 4,2 Prozentpunkte zur Marge beitrug. Rechnet man diesen Sondereffekt heraus, sank das bereinigte EBITA sogar leicht — Kosteninflation und höhere Zölle fraßen einen Teil der operativen Fortschritte wieder auf. Für den Markt zählte offenbar weniger der Gewinnsprung als die Frage, wie viel davon nachhaltig ist.
Hinzu kommt der Auftragseingang: Er sank vergleichbar um 1 Prozent, weil sich mehrere große Bestellungen im Bereich Connected Care von Nordamerika in Richtung drittes Quartal verschoben haben. Europa lieferte zwar zweistelliges Auftragswachstum, konnte den Rückgang aber nicht komplett ausgleichen. Gerade bei einem Health-Tech-Konzern, der auf große Klinikaufträge angewiesen ist, wertet der Markt einen schwächelnden Auftragseingang offenbar schwerer als ein durch Sondereffekte aufgehübschtes Quartalsergebnis.
Ausblick angehoben, aber mit Vorbehalt
Philips hob die Prognose für das bereinigte EBITA-Margenziel 2026 auf 13,5 bis 14,0 Prozent an, nach zuvor 12,5 bis 13,0 Prozent. Auch die Free-Cashflow-Spanne wuchs auf 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro. Beide Anhebungen gehen jedoch primär auf den Tarif-Rückerstattungseffekt zurück, nicht auf eine grundsätzlich bessere operative Entwicklung. Das Ziel für das vergleichbare Umsatzwachstum von 3 bis 4,5 Prozent blieb unverändert.
Nach Segmenten zeigte Personal Health mit 8 Prozent das stärkste Wachstum, während Diagnosis & Treatment und Connected Care jeweils 2 Prozent zulegten. Der Ausblick für 2026 berücksichtigt aktuell bekannte Zölle, klammert aber die laufenden Respironics-Verfahren in den USA weiterhin aus.
Für das dritte Quartal bleibt die entscheidende Frage, ob die verschobenen Großaufträge aus Nordamerika tatsächlich ankommen. Bestätigt sich das, dürfte sich der Auftragseingang wieder normalisieren — bleibt der Rückgang bestehen, wird die Diskussion um die Qualität des Wachstums weitergehen.
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