Ein Rüstungskonzern mit vollen Auftragsbüchern, aber die Anleger zögern. Bei KNDS türmt sich ein Auftragsbestand von 33,1 Milliarden Euro, doch der Börsengang lässt weiter auf sich warten. Der Grund liegt nicht im Unternehmen selbst, sondern im Umfeld der gesamten Branche.
Rheinmetall drückt die Stimmung
Rheinmetall hat am Donnerstag seine Umsatzprognose für 2026 um rund 300 Millionen Euro gesenkt. Auslöser war die Stornierung eines bedeutenden Marineprojekts. Rheinmetall gilt als enger Industriepartner von KNDS. Die Nachricht zog daraufhin die Bewertungen der gesamten Rüstungsbranche nach unten.
Genau das trifft KNDS an einer empfindlichen Stelle. Für den Börsengang braucht der Konzern ein stabiles Marktumfeld. Ein erster Anlauf im Juli war bereits gescheitert. Institutionelle Investoren hatten damals nur eine Bewertung von rund 12 Milliarden Euro signalisiert. Die Eigentümer hatten ursprünglich 15 Milliarden Euro angepeilt. Das Management nennt September als frühesten neuen Termin, macht diesen Zeitpunkt aber ausdrücklich von einer Beruhigung der Branchenstimmung abhängig.
Die Geschäftszahlen stimmen
Operativ läuft es bei KNDS rund. Der Konzern erzielte 2025 einen Jahresumsatz von 4,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von fast 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Sparte Land Systems Germany trug 2,5 Milliarden Euro bei, Land Systems Frankreich weitere 1,3 Milliarden Euro. Besonders stark wuchs das Munitionsgeschäft: Die Erlöse kletterten um 24,7 Prozent auf 612 Millionen Euro. Der Auftragsbestand von 33,1 Milliarden Euro zum Jahresende sichert dem Konzern eine lange Umsatzsichtbarkeit, während die Produktion in ganz Europa hochgefahren wird.
Der Börsengang bleibt das erklärte Ziel
Zuletzt kursierten Berichte über Alternativen zum Börsengang. Eine davon: eine vollständige staatliche Kontrolle durch Frankreich und Deutschland. Konzernchef Tom Enders widersprach dem Kurswechsel. Die finanzielle Lage sei solide, die eigentliche operative Aufgabe bestehe darin, den bestehenden Auftragsberg zügig abzuarbeiten – nicht in einer Änderung der Eigentümerstruktur.
Der aktuelle Plan sieht den Verkauf eines 20-Prozent-Anteils vor. Der französische Staat und die deutsche Eigentümerfamilie Wegmann & Co. würden dabei jeweils 10 Prozent an den Markt bringen. Parallel dazu will die deutsche Regierung über die KfW einen 40-Prozent-Anteil erwerben, um mit dem französischen Staatsanteil gleichzuziehen.
Kapital ist vorhanden, Geduld gefragt
KNDS braucht das Geld aus einem Börsengang nicht dringend. Der freie Cashflow lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 980 Millionen Euro. Diese Liquidität erlaubt es dem Konzern, seine technologische Erneuerung auch ohne frisches Kapital vom Kapitalmarkt zu finanzieren.
Investoren richten den Blick nun auf die operative Marge. Sie soll bei 15 Prozent bleiben, während die Produktionskapazität gleichzeitig wächst. Projekte wie die Radhaubitze RCH-155 und die modernisierten Leopard-2-Varianten müssen liefern, um die von den Eigentümern angestrebte höhere Bewertung zu rechtfertigen.
Bis das Marktumfeld mitspielt, bleibt KNDS beim Abwarten. Ein neuer Anlauf für den Börsengang ist frühestens im September denkbar – vorausgesetzt, die Branchenstimmung erholt sich bis dahin.
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