Der europäische Rüstungskonzern KNDS steuert auf zwei Meilensteine gleichzeitig zu. Das Unternehmen hat sein Doppellisting an der Frankfurter und Pariser Börse für Frühsommer 2026 bestätigt — und zeitgleich einen britischen Großauftrag über rund eine Milliarde Pfund bekanntgegeben.
Börsengang mit 20-Milliarden-Bewertung
KNDS peilt beim IPO eine Marktkapitalisierung von rund 20 Milliarden Euro an. Die interne Vorbereitung habe ein zufriedenstellendes Niveau erreicht, heißt es aus dem Unternehmen. Der Erlös soll in Forschung, Entwicklung und den Ausbau der Produktionskapazitäten fließen.
Ein zentrales strukturelles Thema ist die Rolle der deutschen Bundesregierung. Berlin verhandelt über den Erwerb eines 40-Prozent-Anteils an KNDS. Das würde der deutschen Beteiligung die gleiche Größe wie die des französischen Staates geben. Hintergrund: Private deutsche Eigentümer wollen aussteigen. Mittelfristig könnten beide Länder ihre Anteile auf je 30 Prozent reduzieren und dennoch entscheidenden Einfluss behalten.
Großbritannien bestellt 72 Haubitzen
Das Vereinigte Königreich hat 72 Selbstfahrhaubitzen vom Typ RCH 155 geordert. Der Auftrag hat ein Volumen von rund einer Milliarde Pfund. Die RCH 155 basiert auf dem Radpanzer Boxer in der 8×8-Konfiguration. Ein Teil der Produktion soll in Großbritannien stattfinden, um lokale Industriearbeitsplätze zu sichern. Lieferungen beginnen 2028.
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Der Auftrag passt zur Strategie von KNDS, Waffenplattformen mit integrierten Munitions- und Sensorsystemen zu kombinieren. Das Unternehmen nennt diesen Ansatz „System-of-Systems“.
Rekordauftragsbestand und Produktionsausbau
KNDS sitzt auf einem Auftragsbestand von 33,1 Milliarden Euro. Um diesen abzuarbeiten, sucht der Konzern aktiv nach zusätzlichen Fertigungskapazitäten. CEO Jean-Paul Alary führt Gespräche mit der Automobilindustrie über die Nutzung brachliegender Werke — konkret stehen Standorte in Ludwigsfelde und Osnabrück im Blick.
Parallel hat KNDS sein Engagement beim Getriebeehersteller Renk Group reduziert. Ein beschleunigtes Bookbuilding über 5,8 Millionen Renk-Aktien brachte rund 262 Millionen Euro ein. Die verbleibende Beteiligung liegt bei etwa 10 Prozent. Das Kapital soll in das Kerngeschäft fließen: Plattformen wie den Leopard 2A8 und das künftige Kampfpanzersystem MGCS.
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