Der geplante Börsengang von KNDS kann voranschreiten. Der Rüstungskonzern hat eine kritische Prüfungshürde genommen. Jetzt richten sich die Blicke auf die Regierungen in Berlin und Paris.
In der kommenden Woche stehen heikle Gespräche an. Es geht um die Eigentümerstruktur nach dem Börsengang. Und um die Bewertung des Panzerbauers.
Qatar-Probe beseitigt letztes Hindernis
Ende Mai meldete KNDS Fortschritte in der Compliance-Affäre. Eine unabhängige Untersuchung zu einem Waffengeschäft mit Katar aus dem Jahr 2013 kam zu einem vorläufigen Ergebnis. Die Prüfer fanden keine Anzeichen für strafbares Handeln aktueller oder früherer Mitarbeiter.
Die Wirtschaftsprüfer von PwC hatten die Jahresabschlüsse 2025 nicht testieren wollen. Ohne geprüfte Bilanz wäre kein Börsengang möglich gewesen. Nun ist das Haupthindernis beseitigt.
Die Sache ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Aber das Risiko für den IPO-Fahrplan ist deutlich gesunken.
Volkswagen und Mercedes werden zu Panzerwerken
KNDS treibt parallel eine ungewöhnliche Expansionsstrategie voran. Der Konzern verhandelt mit Volkswagen und Mercedes-Benz über die Übernahme von Werken in Osnabrück und Ludwigsfelde. Das bestätigte CEO Jean-Paul Alary am 26. Mai.
Allein in Ludwigsfelde könnten rund 2.000 Beschäftigte den Arbeitgeber wechseln. KNDS will die Hallen zunächst teilen – Militärfahrzeuge neben Sprintern. Später ist eine vollständige Übernahme geplant.
Die Investitionen für neue Produktionskapazitäten liegen bei rund einer Milliarde Euro. Der Hintergrund: Die Nachfrage aus Nato-Staaten steigt massiv. Allein die Bundeswehr könnte bis zu 3.000 Boxer-Fahrzeuge ordern.
In Osnabrück läuft die Produktion 2027 aus. Dort hat KNDS allerdings Konkurrenz: Der israelische Rüstungskonzern Rafael hat bereits eine Absichtserklärung für das Werk unterzeichnet.
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Zwei Staaten als Eigentümer – und nur knapp 20 Prozent Streubesitz
KNDS gehört heute zur Hälfte dem französischen Staat. Die andere Hälfte halten die deutschen Familien hinter dem ehemaligen Krauss-Maffei Wegmann. Nach dem Börsengang soll sich das ändern – aber wie?
Berlin will die Anteile der Familien zum IPO-Preis kaufen. Geplant ist ein staatlicher Einstieg mit 40 Prozent. Über zwei bis drei Jahre soll der Anteil auf 30 Prozent sinken. Frankreich würde parallel von 50 auf 40 Prozent reduzieren.
Der Streubesitz läge damit anfangs bei rund 20 Prozent. Das ist für einen Industriekonzern dieser Größe ungewöhnlich niedrig. Kritiker warnen vor langsamen Entscheidungen, wenn Paris und Berlin verschiedene Interessen verfolgen. Befürworter verweisen auf die Stabilität, die staatliche Eigentümer in der Rüstungsindustrie bieten.
Bewertung gesenkt, Termin offen
Die Konsortialbanken – Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale – arbeiten an zwei Szenarien. Ein IPO im Juni oder Juli ist möglich. Fällt der Termin für die geprüfte Bilanz, verschiebt sich alles in den Herbst.
Die Bewertung haben die Berater zuletzt von 25 auf 18 bis 20 Milliarden Euro gesenkt. KNDS will rund fünf Milliarden Euro einsammeln, etwa ein Viertel der Anteile.
Die kommende Woche entscheidet über den Fahrplan
Mehrere Entwicklungen könnten den Kurs bestimmen. Die Gespräche zwischen Berlin und Paris müssen die Aktionärsvereinbarung klären. Erst wenn Streubesitz und Stimmrechte feststehen, kommt die offizielle Terminbestätigung.
Die Geschäfte laufen indes gut. Der Kampfpanzer Leopard 2 A8 hat 2025 Aufträge über 300 Einheiten erhalten – aus Tschechien, den Niederlanden und Kroatien. Alle drei Berichtssegmente legten zweistellig zu, die Munitionssparte um fast 25 Prozent.
KNDS hat die Prüfungshürde genommen und Rekordzahlen vorgelegt. Jetzt muss der Konzern die Anleger überzeugen, dass ein Panzerbauer mit zwei Staatsaktionären genauso viel verspricht wie ein normales Börsenunternehmen. Die Antwort darauf gibt es in den nächsten Wochen.
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