Wenige Tage vor dem geplanten Doppellisting zeigt KNDS, was es kann. Auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2026 präsentierte der europäische Panzerbauer seinen neuen Kampfpanzer CAPINT — und gleichzeitig offenbarte die Woche, wie viel politisches Risiko noch im Raum hängt.
Leopard-Chassis, französische Kanone
CAPINT kombiniert einen bewährten Leopard-2-Rumpf aus KNDS Deutschland mit einem unbemannten Ascalon-Turm aus KNDS Frankreich. Das Konzept ist als Übergangslösung gedacht. Es soll die Lücke schließen, die zwischen dem geplanten Auslaufen des Leclerc XLR und dem verzögerten Nachfolger MGCS entsteht.
Die Besatzung sitzt vollständig im Rumpf — maximaler Schutz, kein Mensch im Turm. Der Ascalon-Turm trägt einen 22-Schuss-Autoloader und eine 120-Millimeter-Glattrohrkanone, aufrüstbar auf 140 Millimeter. Für die Drohnenabwehr ist eine ARX30-Waffenstation mit 225 Schuss pro Minute verbaut.
CAPINT ist kein reiner Panzer. Das Fahrzeug fungiert als Knoten in einem vernetzten Gefechtsverbund — verknüpft mit Drohnen, unbemannten Bodenfahrzeugen und einer digitalen Führungsplattform. Bereits im Januar 2026 gelang KNDS in Portugal ein weltweit erster erfolgreicher Schusswaffenversuch aus einem Panzerdemonstrator mit ferngesteuertem Turm.
5G direkt ins Gefecht
Parallel zur CAPINT-Präsentation gab KNDS eine Kooperation mit Nokia Defense bekannt. Ziel ist es, 5G-Konnektivität in das Schützenpanzerfahrzeug VBCI zu integrieren. Soldaten und Robotersysteme sollen so auch nach dem Aussteigen aus dem Fahrzeug nahtlos vernetzt bleiben — in Echtzeit, auch in umkämpften Umgebungen.
Das MGCS-Risiko bleibt
Hinter dem Technologieauftritt liegt ein handfestes politisches Problem. Rheinmetall-Chef Armin Papperger warnte öffentlich, Frankreich erwäge, das MGCS-Budget auf weniger als die Hälfte zu kürzen. Seit 2017 flossen nur 25 Millionen Euro an die Partnerunternehmen. Papperger erklärte, er könne nicht sagen, ob das Programm überhaupt weiterexistiert.
KNDS-CEO Jean-Paul Alary nannte ein Scheitern des MGCS „sehr schlechte Nachrichten für Europa“. Als Absicherung treiben KNDS Deutschland und Rheinmetall den Leopard 3 voran — Indienststellung Anfang der 2030er Jahre, unabhängig vom MGCS-Ausgang.
Starke Bücher, kritischer Mittwoch
Die Finanzzahlen sprechen für sich. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn erreichte 661 Millionen Euro. Der Auftragsbestand beläuft sich auf 33,1 Milliarden Euro — das 7,5-Fache des Jahresumsatzes. Allein 2025 kamen Neuaufträge im Wert von 13,5 Milliarden Euro herein.
Die Eigentümerstruktur für den IPO steht. Frankreich und Deutschland halten je 40 Prozent. Beide Regierungen wollen ihre Anteile nach dem Börsengang innerhalb von zwei bis drei Jahren auf rund 30 Prozent reduzieren. Das Doppellisting in Frankfurt und Paris ist für Juli geplant.
Der entscheidende Schritt folgt am Mittwoch. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags muss Berlins Einstieg formell genehmigen. Ohne dieses Votum bleibt der Zeitplan für eines der größten europäischen Rüstungs-IPOs der jüngeren Geschichte in der Schwebe.
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