Am Montag öffnet die Rüstungsmesse Eurosatory in Paris ihre Tore. Für den deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS steht eine entscheidende Woche an. Das Unternehmen plant einen doppelten Börsengang in Frankfurt und Paris. Ein politischer Streit überschattet jedoch die ehrgeizigen Pläne.
Berlin fordert Vetorecht
Der geplante Börsengang hat deutlich an Glanz verloren. Ursprünglich taxierten Experten den Wert des Konzerns auf bis zu 25 Milliarden Euro. Inzwischen liegt die erwartete Marktkapitalisierung nur noch bei 18 bis 20 Milliarden Euro.
Hinter dem Abschlag steckt ein handfester Machtkampf. Die Bundesregierung fordert weitreichende Vetorechte bei strategischen Entscheidungen. Im Gegenzug will Berlin einen Anteil von 40 Prozent übernehmen. Paris verhandelt über ein identisches Paket.
Auch nach dem Börsengang bleibt die Kontrolle eng. Deutschland und Frankreich werden zusammen rund 80 Prozent der Anteile halten. Beide Staaten wollen ihre Beteiligungen in den nächsten drei Jahren auf jeweils 30 Prozent reduzieren. Der Streubesitz läge damit bei ungewöhnlich knappen 20 Prozent.
Weg frei für den Prospekt
Immerhin hat das Management eine große Hürde aus dem Weg geräumt. Eine interne Untersuchung zu einem alten Katar-Vertrag aus dem Jahr 2013 ist abgeschlossen. Damals ging es um Panzerhaubitzen und Leopard-2-Panzer.
Externe Anwälte fanden keine Beweise für strafbares Verhalten von Mitarbeitern. Damit kann KNDS die geprüften Bilanzen für 2025 abschließen. Auch der offizielle Börsenprospekt lässt sich nun veröffentlichen. Das Ziel: Der Konzern will beim Börsengang rund fünf Milliarden Euro einsammeln. Das entspricht einem Viertel des Eigenkapitals.
US-Armee als Joker
Operativ steht KNDS stark da. Das Unternehmen peilt für das laufende Jahr einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro an. Die Auftragsbücher sind mit 33 Milliarden Euro prall gefüllt.
Rückenwind liefert ein frischer Großauftrag aus Großbritannien. Die britische Armee bestellt 72 ferngesteuerte Haubitzen im Wert von fast einer Milliarde Pfund. KNDS wickelt diesen Deal über ein Joint Venture mit Rheinmetall ab.
Ein noch größerer Katalysator wartet in den USA. Die US-Armee vergibt voraussichtlich im Juli einen Prototypen-Vertrag. Bis 2028 könnte daraus eine Produktion von bis zu 500 Systemen entstehen. KNDS bietet hier gemeinsam mit dem US-Partner Leonardo DRS an. Die Konkurrenz ist mit Rheinmetall, Hanwha und Elbit allerdings prominent.
Das Zeitfenster für das IPO schließt sich langsam. Die gesunkene Bewertung lässt dem Management kaum noch Spielraum für Fehler. Fällt die Entscheidung der US-Armee in die Zeichnungsfrist, dürfte die Nachfrage nach den Aktien sprunghaft ansteigen. Ohne diesen amerikanischen Joker muss KNDS Investoren rein mit operativen Zahlen überzeugen.
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