Auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris präsentiert KNDS ab heute die Zukunft des europäischen Landkampfes. Ein neuer Kampfpanzer feiert Weltpremiere. Hinter den Kulissen kämpft der Konzern allerdings mit massiven Problemen. Ein erbitterter Streit zwischen Berlin und Paris drückt die Bewertung für den geplanten Börsengang um Milliarden.
Politischer Machtkampf verschreckt Investoren
Der geplante Doppel-Börsengang in Frankfurt und Paris verliert massiv an Glanz. Ursprünglich peilte das Management eine Marktkapitalisierung von bis zu 25 Milliarden Euro an. Inzwischen taxieren Experten den Wert auf 18 bis 20 Milliarden Euro.
Die Bundesregierung fordert weitreichende Vetorechte bei strategischen Entscheidungen. Berlin will vor dem IPO außerdem einen Anteil von rund 40 Prozent erwerben. Deutschland kopiert damit exakt die Verhandlungsposition Frankreichs. Die Folge: ein massiver Bewertungsabschlag. Investoren meiden die unklaren Machtverhältnisse bei Europas wichtigstem Rüstungsprojekt.
Volle Auftragsbücher und ein britischer Milliarden-Deal
Parallel dazu läuft das operative Geschäft auf Hochtouren. Auf der Eurosatory zeigt KNDS bis zum 19. Juni insgesamt sieben Systeme. Neben den neuesten Varianten des Leopard 2 und des Leclerc XLR steht ein völlig neues Kampfpanzer-Konzept im Rampenlicht.
Ein frischer Großauftrag aus Großbritannien liefert passend dazu Rückenwind. Die britische Armee bestellt 72 ferngesteuerte Haubitzen vom Typ RCH 155. Der Vertrag hat ein Volumen von fast einer Milliarde Pfund. KNDS wickelt den Deal über ein Joint Venture mit Rheinmetall ab. Die neuen Systeme ersetzen die veralteten AS-90-Geschütze.
Die Auftragsbücher platzen aus allen Nähten. Allein 2025 sammelte KNDS neue Orders für 13,5 Milliarden Euro ein. Der gesamte Auftragsbestand kletterte damit auf gut 33 Milliarden Euro. Der Konzern muss seine Produktionskapazitäten nun drastisch ausbauen.
Grüne Ampel der Prüfer
Eine wichtige Hürde für das Listing ist derweil genommen. Interne und externe Prüfer haben einen alten Katar-Vertrag aus dem Jahr 2013 untersucht. Sie fanden keinerlei Verstöße. Daraufhin testierte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC die Bilanzen für 2025. Das war eine zwingende Voraussetzung für den Börsengang.
Ein Joker liegt noch in den USA. American Rheinmetall hat die RCH 155 für ein Artillerieprogramm des Pentagons vorgeschlagen. KNDS ist bei diesem Angebot direkter Partner. Eine finale Entscheidung steht noch aus.
Nach dem Ende der Messe startet KNDS direkt in die Roadshow mit Fondsmanagern. Dann entscheidet sich das Schicksal des Sommer-Börsengangs. Fällt die Pentagon-Entscheidung exakt in die Zeichnungsfrist, dürfte die Nachfrage sprunghaft ansteigen. Ohne diesen Impuls muss KNDS die aktuelle Bewertung rein über das operative Geschäft rechtfertigen. Gelingt das nicht, gilt eine Verschiebung des IPOs in den September als wahrscheinlichstes Szenario.
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