Der Rüstungskonzern KNDS hat seinen Börsengang verschoben. Extreme Marktvolatilität sei der Grund, teilte das Unternehmen vergangene Woche mit. Investmentbanker widersprechen dem nicht — sehen die Fundamentaldaten des deutsch-französischen Panzerbauers aber weiterhin als eine der attraktivsten im europäischen Rüstungssektor.
Banker setzen auf den Herbst
Institute wie die UBS gehen davon aus, dass die aktuelle Abkühlung bei Rüstungsbewertungen nur vorübergehend ist. Nach Markteinschätzungen vom 6. Juli beobachtet die Branche genau die Quartalszahlen des zweiten Geschäftsjahres. Sie sollen zeigen, wann ein Großlisting wieder möglich wird.
Manuel Esteve, globaler Co-Leiter des Aktienkapitalmarktgeschäfts bei der UBS, benennt zwei Bremsen: geopolitische Unsicherheit und einen breiteren Ausverkauf bei Softwarewerten. Beide hätten die kurzfristigen Erwartungen gedämpft. Banker wetten dennoch auf eine „Capex-Welle“ in der Rüstungsindustrie. Sie soll bis Ende des dritten Quartals für ein stabileres Umfeld sorgen.
Sektor unter Druck
Der Auslöser für die Pause: eine deutliche Korrektur bei europäischen Rüstungsaktien. KNDS wollte eigentlich mit einer Doppel-Notierung in Paris und Frankfurt an den Markt gehen, ISIN NL00000KNDS0.
Wichtige Vergleichsunternehmen gerieten zuvor stark unter Druck. Rheinmetall und die Czechoslovak Group (CSG) mussten scharfe Kursrückgänge hinnehmen — das färbte direkt auf die Bewertung von KNDS ab. Die CSG-Aktie, erst im Januar an die Börse gebracht, liegt inzwischen deutlich unter ihrem Ausgabepreis. Neue Börsenkandidaten blicken entsprechend vorsichtig auf den Markt.
Hinzu kommt ein politischer Rückschlag: Ende Juni platzte ein Fregatten-Auftrag zwischen der Bundesregierung und Rheinmetall. Das verstärkte die Unsicherheit im gesamten Sektor zusätzlich. KNDS betont trotzdem, alle wesentlichen Vorbereitungen für den Börsengang abgeschlossen zu haben. Der Konzern will den Prozess fortsetzen, sobald sich die Bedingungen verbessern.
Berlin hält an seinem Plan fest
Die Bundesregierung sieht den KNDS-Börsengang weiter als zentralen Baustein ihrer Rüstungsstrategie. Über die KfW will Berlin einen Anteil von 40 Prozent am Unternehmen übernehmen — Teil einer umfassenden Neuordnung der Eigentümerstruktur.
Ein Regierungssprecher bestätigte am Freitag: Der Bund respektiere die Entscheidung zur Pause, gehe aber weiterhin vom Börsengang aus. Mit dem KfW-Einstieg würde der deutsche Staat neben Frankreich zu einem zentralen Anteilseigner von KNDS.
Starke Zahlen als Fundament
Trotz der Verzögerung beim Timing steht KNDS finanziell solide da. Ein Rekord-Auftragsbestand stützt das Bild. Für das Geschäftsjahr 2025 meldet der Konzern folgende Eckdaten:
- Umsatz: 4,4 Milliarden Euro, ein Plus von 15,9 Prozent im Jahresvergleich
- EBIT: 661 Millionen Euro bei einer Marge von 15 Prozent
- Freier Cashflow: 980 Millionen Euro
- Auftragsbestand: Rekordwert von 33,1 Milliarden Euro Ende 2025
Im Frühjahr optimierte KNDS zudem seine Kapitalstruktur. Der Konzern verkaufte ein Aktienpaket von 5,8 Millionen RENK-Group-Aktien und erlöste dabei rund 262 Millionen Euro.
Ausblick auf das zweite Halbjahr
Der Börsengang liegt auf Eis, KNDS treibt die Vorbereitungen aber weiter voran. Ein Signal dafür: Christian Schulz, früherer CFO der RENK Group, zieht neu in den KNDS-Vorstand ein.
Marktbeobachter nennen September als frühestmögliches Zeitfenster für einen neuen Anlauf. Stabilisiert sich der Sektor nach der Berichtssaison im Sommer, dürfte KNDS seinen Auftragsbestand und die hohe Umsatztransparenz als Argumente nutzen. Die Zielbewertung liegt weiterhin zwischen 12,5 und 15 Milliarden Euro.
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