KNDS steht vor einer entscheidenden Woche. Der geplante Börsengang des deutsch-französischen Rüstungskonzerns rückt näher – das Zeitfenster für die Preisbildung wird enger. Dabei ist die operative Geschichte vielversprechend: Die RCH 155-Haubitze gewinnt Aufträge von London bis Ottawa.
June 7, 2026
Doch die Märkte belohnen Rüstungstitel nicht mehr automatisch. Rheinmetall-Aktien haben dieses Jahr bereits ein Fünftel ihres Werts verloren. Das macht den Zeitpunkt heikel.
Die Artillerie-Franchise wächst
Das britische Verteidigungsministerium bestellte 72 RCH 155-Haubitzen für rund eine Milliarde Pfund. Der Auftrag vergab OCCAR im Namen der britischen Armee an ARTEC GmbH – ein Joint Venture von KNDS und Rheinmetall.
Die Fahrzeuge wiegen 39 Tonnen, feuern bis zu acht Schuss pro Minute und treffen Ziele auf über 70 Kilometer. Erste Auslieferungen: 2028. Das Programm sichert rund 100 Jobs bei KNDS in Stockport, 100 neue Stellen bei Rheinmetall in Telford und weitere 300 in der britischen Lieferkette.
Parallel dazu positioniert sich KNDS in Nordamerika. Am 3. Juni gab American Rheinmetall bekannt: Die RCH 155 – angeboten mit KNDS als Partner – ist als Lösungsvorschlag für das Mobile Tactical Cannon Programm der US-Armee ausgewählt worden. Kein Auftrag, aber ein klares Signal.
Auf der CANSEC 2026 in Ottawa enthüllte General Dynamics Land Systems–Canada die Grizzly LAV 155mm: eine Selbstfahrhaubitze mit KNDS-RCH-155-Turm auf modifiziertem LAV-Chassis. Auch hier: noch kein Vertrag, aber eine solide Position für Kanadas Modernisierungsprogramm.
Produktionsengpass trifft auf Autokrise
Die starke Nachfrage schafft ein Problem: Zu wenig Kapazität. KNDS verhandelt mit Volkswagen und Mercedes-Benz über die Übernahme stillgelegter Autowerke in Osnabrück und Ludwigsfelde. CEO Jean-Paul Alary bestätigte die Gespräche im Mai.
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Eine Milliarde Euro sind für neue Kapazitäten in Deutschland eingeplant. Rund 2.000 Mitarbeiter sollen wechseln. Ein verbindlicher Deal steht noch aus. Die Richtung ist klar: Europas Rüstungsindustrie greift nach freien Autofabriken.
Der Auftragsbestand spricht für sich. KNDS schloss 2025 mit 33,1 Milliarden Euro an Bestellungen – ein Anstieg von 23,5 Milliarden im Vorjahr. Allein 2025 kamen 13,5 Milliarden Euro an neuen Aufträgen hinzu: über 300 Leopard 2A8-Panzer für Tschechien, die Niederlande und Kroatien sowie zusätzliche Caesar-Haubitzen.
Der schmale Grat des Börsengangs
Die IPO-Banken – Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale – haben die Bewertungsspanne auf 18 bis 20 Milliarden Euro eingegrenzt. Ursprünglich war von bis zu 25 Milliarden die Rede. Der Sommer bleibt das bevorzugte Zeitfenster, September die Reserve.
Die Bundesregierung will über die KfW 40 Prozent am IPO-Kurs übernehmen und innerhalb von zwei bis drei Jahren auf 30 Prozent reduzieren. Frankreich plant denselben Anteil. Ergebnis: Nur 20 Prozent der Aktien kommen in den Streubesitz. Analysten fordern bereits einen Bewertungsabschlag – Minderheitsaktionäre hätten kaum Einfluss.
Der Umsatz stieg 2025 auf 4,4 Milliarden Euro (plus 15,9 Prozent). Das operative Ergebnis legte auf 661 Millionen Euro zu, die EBIT-Marge erreichte 15,0 Prozent.
Bilanz auf Vordermann gebracht
KNDS bereitet sich vor. Im Mai verkaufte der Konzern rund 5,8 Millionen Aktien des Getriebeherstellers RENK – 5,8 Prozent des Kapitals – für 262 Millionen Euro. Ein Rest von rund zehn Prozent bleibt. Die Erlöse dienen der Kapitalstrukturoptimierung.
Was die Woche bringt
Der Fokus liegt auf dem Wertpapierprospekt. Er wird die Haltefristen und die genaue Aktionärsstruktur offenlegen. Zwei Entwicklungen könnten die IPO-Erzählung zusätzlich beeinflussen: Fortschritte bei den Verhandlungen mit Volkswagen und Mercedes sowie die Entscheidung der US-Armee im Mobile Tactical Cannon Programm.
Rheinmetall hat gezeigt, wie schnell die Stimmung kippen kann. Für KNDS geht es jetzt nicht um Ambition, sondern um einen Preis, den der Markt akzeptiert. Der Sommer wird zeigen, ob dieser Balanceakt gelingt.
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