Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat mit einer überraschenden Stippvisite in der chinesischen Grenzstadt Dandong die engen strategischen Bande zu Peking unterstrichen. Die eintägige Visite am Samstag zielte darauf ab, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem wichtigsten Handelspartner auszubauen. Der Schritt erfolgt kurz vor einer geplanten Reise von US-Präsident Donald Trump in die Region im kommenden Monat.
Begleitet von einer Delegation um seine Schwester Kim Yo Jong und Außenministerin Choe Son Hui traf Kim in Dandong auf Wang Huning, ein hochrangiges Mitglied des ständigen Ausschusses des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas. Gemeinsam besuchten sie ein Denkmal für die gefallenen chinesischen Soldaten des Koreakriegs von 1950 bis 1953. Auch Chinas Außenminister Wang Yi nahm an der Gedenkveranstaltung teil. Der Anlass fiel zeitlich dicht an den Jahrestag des Kriegseintritts chinesischer Truppen an der Seite Nordkoreas.
Wirtschaftliche Signale an der Grenze
Neben der historischen Symbolik standen konkrete wirtschaftliche Interessen im Mittelpunkt. Kim besichtigte in Dandong eine Fahrzeugfabrik. Seine Rückreise nach Nordkorea trat er über eine vor wenigen Wochen eröffnete Straßenbrücke über den Fluss Yalu an.
Die vierspurige Verbindung misst rund drei Kilometer und verbindet Dandong direkt mit der nordkoreanischen Stadt Sinuiju. Das Infrastrukturprojekt soll den Warenaustausch zwischen beiden Staaten spürbar erleichtern. Für Nordkorea, das wegen seines Atomprogramms internationalen Sanktionen unterliegt, bleibt China die entscheidende wirtschaftliche Lebensader.
Diplomatischer Spagat
Für Pjöngjang markiert der Austausch einen Balanceakt. Während Nordkorea in den vergangenen zwei Jahren seine militärische Kooperation mit Russland vertiefte, sucht die Führung zugleich den Schulterschluss mit der Führung in Peking.
Bereits im Juni hatte der chinesische Präsident Xi Jinping Nordkorea besucht. Kims Reise nach Dandong bekräftigt nun die Absicht beider Nachbarn, ihre Handelskanäle vor den anstehenden diplomatischen Gesprächen mit Washington weiter zu festigen. Trump wird im November zu Verhandlungen in der Region erwartet.
