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KI-Rallye bricht ein: Globale Schockwellen

Schwache Broadcom-Prognose und starke US-Arbeitsmarktdaten beenden die KI-Euphorie vorerst. Der KOSPI bricht ein.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • KOSPI stürzt um fast neun Prozent ab
  • Broadcom-Ausblick und US-Jobdaten als Auslöser
  • Fed-Zinserhöhung wird wieder wahrscheinlicher
  • Geopolitische Spannungen belasten zusätzlich

Die glänzendste Erfolgsstory der Finanzmärkte in diesem Jahr bekommt tiefe Risse. Der südkoreanische KOSPI — gemessen an der Jahresperformance der weltweit beste Aktienmarkt — brach am Montag um fast 9 % ein und löste erstmals seit drei Monaten die Notbremse aus: Circuit Breaker stoppten den Handel für 20 Minuten. Was wie eine lokale Korrektur wirkt, ist in Wirklichkeit das Symptom einer globalen Neubewertung der KI-Rallye.

Doppelschlag aus den USA

Zwei Ereignisse haben das Fundament der Tech-Euphorie erschüttert. Zunächst enttäuschte Chipriese Broadcom mit einem schwachen Ausblick — eine Warnung, dass die Erwartungen an KI-Gewinne möglicherweise zu hoch geschraubt worden sind. Dann kam der eigentliche Paukenschlag: Der US-Arbeitsmarktbericht für Mai zeigte 172.000 neue Stellen, weit über den Schätzungen. Gute Nachrichten für die Wirtschaft, schlechte für Wachstumswerte.

Die Reaktion war unmittelbar. Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Dezember kletterte laut CME FedWatch auf über 70 %, verglichen mit 45 % noch eine Woche zuvor. Höhere Zinsen bedeuten höhere Diskontierungsraten für zukünftige Gewinne — und genau darauf basieren die astronomischen Bewertungen vieler KI-Aktien.

„Der US-Lohnbericht zeichnet das Bild eines Arbeitsmarkts, der sich trotz des anhaltenden Energiepreisschocks weiter stärkt“, erklärte Jonas Goltermann von Capital Economics. Sein Haus erwartet nun zwei Zinserhöhungen um je 25 Basispunkte noch in diesem Jahr.

Der KOSPI als Epizentrum

Nirgendwo hat die Korrektur so brutal eingeschlagen wie in Seoul. Samsung Electronics und SK Hynix — gemeinsam inzwischen für mehr als die Hälfte des KOSPI-Gewichts verantwortlich und in diesem Jahr mit Marktkapitalisierungszuwächsen von über 150 % bzw. 200 % — verloren zeitweise mehr als 10 % ihres Wertes. Für SK Hynix, einen Schlüssellieferanten von Nvidia, milderten sich die Verluste auf 3,8 %, nachdem Nvidia-Chef Jensen Huang das Unternehmen auf seiner Korea-Reise als „größten Partner“ bezeichnete.

Marc Velan von Lucerne Asset Management bringt es auf den Punkt: „Der Rückgang sieht eher nach einem Positionierungs- und Momentum-Abbau aus als nach einer Neubewertung der langfristigen KI-Geschichte. Koreanische Tech-Werte gehörten zu den stärksten Performern weltweit und waren schwer übergewichtet.“

Das Problem ist strukturell: Die extreme Konzentration auf wenige Namen — Samsung, SK Hynix, und in Taiwan der Halbleitersektor — hat den Markt fragil gemacht. Wie Invesco-Stratege David Chao betont: „Wenn ein Unternehmen enttäuscht oder es zu Störungen bei Angebot oder Nachfrage kommt, sehen wir überproportionale Marktvolatilität.“

Trotz des Schocks bleibt die Bilanz beeindruckend. Der KOSPI liegt Jahr-zu-dato noch immer 83 % im Plus. Und Naver, die koreanische E-Commerce- und Internetplattform, stieg am Montag sogar um 14 % — dank eines eigenen Deals mit Nvidia. Ein Ausreißer, der zeigt: Die KI-Geschichte ist nicht tot, nur gerade unter Druck.

Dollar stärker, Yen wackelt, Won unter Beobachtung

Die Zinswende-Fantasie treibt auch die Devisenmärkte um. Der Dollar erreichte ein Zwei-Monats-Hoch. Der Euro fiel auf 1,1507 Dollar, das Pfund Sterling kämpfte bei 1,33165. Der australische und der neuseeländische Dollar rutschten ebenfalls auf Zwei-Monats-Tiefs.

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Besonders angespannt ist die Lage beim Japanischen Yen, der bei 160,33 je Dollar notiert und damit seine gesamten Gewinne aus der Tokioter Devisenintervention von 11,7 Billionen Yen vor gut einem Monat wieder abgegeben hat. Die Bank of Japan dürfte die Zinsen nach Reuters-Informationen noch in diesem Monat erhöhen — allerdings ist diese Erwartung bereits weitgehend eingepreist. Für eine weitere Yen-Stärkung müsste die BOJ ein aggressiveres Tempo telegraphieren.

Der Südkoreanische Won erholte sich von seinem schwächsten Stand seit März 2009 bei 1.615 je Dollar auf 1.549, nachdem Behörden eine Notfallsitzung einberiefen und Eingriffe gegen spekulative Verkäufe ankündigten.

Geopolitik als Verstärker

Die Lage wäre komplex genug — doch der Nahe Osten verschärft sie weiter. Israel hat nach Reuters-Berichten Militärziele im Iran angegriffen, obwohl US-Präsident Trump Premier Netanyahu angeblich zur Zurückhaltung aufgefordert hatte. Brent-Rohöl stieg daraufhin um rund 3,5 % auf 96,45 Dollar je Barrel.

Der Energiepreisschock hat eine globale Welle ausgelöst: Er treibt die Inflation an, erhöht den Druck auf Notenbanken zur Straffung und belastet gleichzeitig importabhängige Volkswirtschaften wie Indonesien, das mit historischen Kapitalabflüssen und einer Rekordtiefe der Rupiah kämpft.

Gesunde Pause oder Trendwende?

Die Experteneinschätzungen weisen in eine ähnliche Richtung: Panik ist verfrüht, Vorsicht geboten. „Während der langfristige Ausblick für die KI-getriebene Aktienrallye positiv bleibt, ist die scharfe Korrektur eine Erinnerung, dass Märkte nach außergewöhnlichen Gewinnen volatil werden können“, sagt Vasu Menon von OCBC.

Thomas Mathews von Capital Economics ergänzt: „Das breitere Bild ist, dass Halbleiterunternehmen noch immer sehr viel Geld verdienen und die Gesamtwirtschaft stark ist — das ist typischerweise kein Umfeld für einen anhaltenden Rückgang.“

Die Woche bringt weitere Weichenstellungen. Am Mittwoch werden US-Inflationsdaten veröffentlicht, am Donnerstag soll SpaceX an die Börse gehen — das größte IPO seit Jahren. Broker sind besorgt, dass die bevorstehenden Megabörseneinführungen von SpaceX, Anthropic und OpenAI Liquidität aus anderen Tech-Werten abziehen könnten. Hinzu kommen Notenbanksitzungen in Kanada und Europa.

Ob die aktuelle Korrektur eine gesunde Atempause oder der Beginn einer echten Neubewertung ist, bleibt vorerst offen. Klar ist: Die Ära, in der schlechte Nachrichten ignoriert und jede KI-Meldung als Kaufsignal galt, scheint vorerst vorbei.

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Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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