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KI-Boom auf allen Ebenen — Broadcom, Palantir und ServiceNow im Aufwind

Software-Aktien erleben den besten Monat seit 2001. Broadcom, Palantir und ServiceNow profitieren von massiven KI-Investitionen der Unternehmen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Stärkster Monat für Software-Aktien seit 2001
  • Broadcom erreicht neues 52-Wochen-Hoch
  • Palantir mit 9% Tagesgewinn nach Erholung
  • ServiceNow durch Partnerschaften beflügelt

Software-Aktien steuern auf ihren besten Monat seit 2001 zu. Eine Serie starker Quartalszahlen aus dem KI-Infrastrukturbereich hat die Angst vor einer „SaaSpocalypse“ gründlich zerstreut. Snowflakes Q1-Ergebnisse schickten die Aktie am 28. Mai um 36 Prozent nach oben, Dell bestätigte einen KI-Server-Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar — ein Plus von 757 Prozent im Jahresvergleich. Die Botschaft ist eindeutig: Unternehmen skalieren ihre KI-Investitionen auf breiter Front und brauchen dafür jede Schicht des Technologie-Stacks.

Fünf Aktien stehen stellvertretend für unterschiedliche Knotenpunkte in dieser KI-Wertschöpfungskette: Palantir, ServiceNow, Broadcom, Applied Digital und Innodata. Ihre Kursbewegungen der vergangenen Tage zeigen, dass der Markt nicht blind alles kauft — sondern selektiv validiert, wer seinen KI-Aufschlag auch verdient.

Palantir: Kursrally trifft auf Bewertungsdebatte

Palantir legte am Freitag um über 9 Prozent zu und schloss bei 134,18 Euro — der stärkste Tagesgewinn seit einem Jahr. Auf Wochensicht summiert sich das Plus auf knapp 14 Prozent. Die Erholung folgt auf eine Phase erheblichen Drucks: Von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 179,86 Euro ist die Aktie noch immer gut 25 Prozent entfernt.

Die operative Dynamik gibt den Bullen Argumente. Der Q1-Umsatz schoss um 85 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar nach oben, der Jahresausblick wurde auf 7,66 Milliarden Dollar angehoben. Die „Rule of 40″ — die Summe aus Umsatzwachstum und operativer Marge — erreichte mit 145 Prozent erneut einen Rekord.

Die Gegenseite hat allerdings ebenfalls Munition. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 375 Milliarden Dollar liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 161. Morgan Stanley hält an seiner neutralen Einstufung fest und verweist darauf, dass Palantir selbst nach der Korrektur noch mit dem 64-Fachen des geschätzten Free Cashflows für 2027 bewertet wird. Rosenblatt sieht das anders und setzt ein Kursziel von 225 Dollar — der jüngste Rücksetzer sei eine Kaufgelegenheit. Ein RSI von knapp 90 signalisiert allerdings kurzfristig eine stark überkaufte Situation.

ServiceNow: Partnerschaften befeuern die Erholung

ServiceNow gehörte zu den auffälligsten Gewinnern der Woche. Die Aktie legte in einer Sitzung um über 14 Prozent zu und erholte sich damit von rund 81 Dollar im April auf etwa 129 Dollar Ende Mai. Die Rally speiste sich aus mehreren Quellen gleichzeitig.

Zwei neue Partnerschaften lieferten konkreten Nachrichtenfluss:

  • Experian-Kooperation: Eine mehrjährige globale Partnerschaft bettet Experians Ascend-Daten in die ServiceNow AI Platform ein — für Risikobewertung, Betrugserkennung und Onboarding-Prozesse mit agentischer KI.
  • Boomi-Erweiterung: Der Ausbau der bestehenden Zusammenarbeit vertieft den Echtzeit-Datenzugang für KI-Agenten innerhalb des ServiceNow Workflow Data Fabric.

Mindestens ebenso wichtig war der strukturelle Rückenwind durch Snowflakes Quartalszahlen. Beide Unternehmen sind über eine Zero-Copy-Integration miteinander verknüpft — Snowflakes Beschleunigung bei KI-Kunden ist deshalb kein reines Sentiment-Signal, sondern ein plausibler Wachstumsindikator für ServiceNows Plattform.

Der Umsatz liegt bei rund 13,3 Milliarden Dollar, die Bruttomarge bei 76,6 Prozent. Beim Investorentag setzte das Management einen neuen Zielwert: mindestens 30 Milliarden Dollar Abo-Umsatz bis 2030. Bank of America nahm die Abdeckung mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 130 Dollar wieder auf — die Workflow-Plattform profitiere unmittelbar vom Aufstieg agentischer KI.

Broadcom: Rekordhoch vor dem großen Quartalsbericht

Broadcom markierte am Freitag mit 383,75 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von gut 29 Prozent, auf Zwölfmonatssicht hat sich der Kurs nahezu verdoppelt. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf den Mittwoch: Am 3. Juni veröffentlicht Broadcom seine Q2-Zahlen für das Geschäftsjahr 2026.

Die Erwartungen sind hoch angesetzt. Wall Street rechnet mit einem Gewinn je Aktie von 2,39 Dollar, was einem Wachstum von 51 Prozent entspräche. Der Umsatz soll um 47 Prozent auf 22,05 Milliarden Dollar klettern. Im Vorquartal hatte Broadcom bereits eine aggressive Messlatte gelegt: Der KI-Umsatz erreichte 8,4 Milliarden Dollar — ein Plus von 106 Prozent — und das Management stellte für Q2 einen KI-Halbleiterumsatz von 10,7 Milliarden Dollar in Aussicht.

Susquehanna erhöhte das Kursziel kurz vor den Zahlen von 450 auf 490 Dollar und verwies auf steigende Nachfrage nach Custom-ASICs und KI-Netzwerkprodukten. Eine Feinheit verdient Beachtung: Die Prognose für das dritte Fiskalquartal könnte moderater ausfallen, da ein bedeutender TPU-Auftrag von Anthropic zu Umsatzverschiebungen führt. Susquehanna revidierte die KI-Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf rund 55 Milliarden Dollar — zuvor standen 62,5 Milliarden im Raum.

Mit 26 Kaufempfehlungen bei nur vier Halte-Ratings bleibt der Analystenkonsens klar positiv. Das durchschnittliche Kursziel von 480 Dollar impliziert noch gut 12 Prozent Aufwärtspotenzial.

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Applied Digital: Der Weg zum Gigawatt-Anbieter

Applied Digital lieferte in dieser Woche den wohl eindrucksvollsten Einzeltag: Die Aktie sprang um fast 24 Prozent nach oben. Auslöser war die Ankündigung eines 15-jährigen Take-or-Pay-Leasingvertrags für den Polaris Forge 3 AI Campus. Ein US-Hyperscaler mit Investment-Grade-Rating sicherte sich 300 Megawatt kritische IT-Last.

Die Tragweite dieser Vereinbarung wird im Gesamtbild deutlich. Applied Digital erreicht damit über ein Gigawatt vertraglich gebundener KI-Kapazität. Das kumulierte Leasingvolumen über alle vier AI-Factory-Standorte beläuft sich auf 31 Milliarden Dollar. Mehr als die Hälfte der vertraglich gesicherten Einnahmen stammt inzwischen von Kunden mit Investment-Grade-Rating.

Die Q3-Zahlen des Geschäftsjahres 2026 hatten bereits im April positiv überrascht: 126,6 Millionen Dollar Umsatz übertrafen die Markterwartungen um rund 48 Millionen — ein Wachstum von 139 Prozent. Needham hob das Kursziel nach der Polaris-Forge-3-Meldung von 51 auf 66 Dollar an, Lake Street setzt sogar 70 Dollar an.

Die Kehrseite: Applied Digital verbrennt noch Geld, da die Baukosten den Einnahmen vorauslaufen. Die Marktkapitalisierung von rund 14 Milliarden Dollar preist eine aggressive Wachstumsstory ein, die bis 2029 jährlich über 100 Prozent Umsatzwachstum erfordert. Der Übergang vom spekulativen Infrastruktur-Bauer zum vertraglich abgesicherten Rechenzentrums-Versorger ist eingeleitet — aber noch lange nicht abgeschlossen.

Innodata: Quartalszahlen als Initialzündung

Innodatas Kursexplosion reicht bis zum 8. Mai zurück. An jenem Tag schnellte die Aktie um über 92 Prozent nach oben — ausgelöst durch Q1-Ergebnisse, die sämtliche Prognosen pulverisierten.

Die Eckdaten: Der Gewinn je Aktie von 0,42 Dollar übertraf die Schätzungen um knapp 83 Prozent. Der Umsatz erreichte 90,09 Millionen Dollar gegenüber erwarteten 72,1 Millionen — ein Plus von 54 Prozent im Jahresvergleich. Das Management hob die Umsatzwachstumsprognose für 2026 auf über 40 Prozent an, die bereinigte EBITDA-Marge kletterte auf 28 Prozent.

Strategisch untermauerte ein neuer 51-Millionen-Dollar-Vertrag mit einem führenden Big-Tech-Kunden die Wachstumsstory. Dieser Kunde soll 2026 zum zweitgrößten Auftraggeber aufsteigen. Hinzu kommt eine neue Evaluierungs- und Monitoring-Plattform für agentische KI-Systeme sowie ein wachsendes Engagement im US-Verteidigungssektor — darunter eine Schlüsselposition im SHIELD-Programm.

Wedbush erhöhte das Kursziel im Mai von 80 auf 100 Dollar. Der Analystenkonsens steht geschlossen auf Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 105 Dollar. Ein Risiko bleibt prominent: 58 Prozent des Umsatzes entfallen auf einen einzigen Kunden. Gelingt die Diversifizierung nicht schnell genug, bleibt die Neubewertung fragil.

Drei Schichten der KI-Wertschöpfung — und ihre Bewertungslogik

Die fünf Aktien illustrieren drei klar unterscheidbare Ebenen des KI-Booms:

  • Infrastruktur (Applied Digital): Physische Rechenzentren, langfristige Leasingverträge, wachsende Kundenbasis. Die Bewertung folgt der Logik eines Infrastruktur-Versorgers — vertraglich gesicherte Cashflows gegen hohe Vorlaufkosten.
  • Chips und Netzwerk (Broadcom): Custom-KI-Beschleuniger für Google, Anthropic und OpenAI bilden den Kern. Die Bewertung hängt an der Frage, ob das aktuelle KI-Umsatzwachstum von über 100 Prozent aufrechterhalten werden kann.
  • Software und Daten (Palantir, ServiceNow, Innodata): Drei unterschiedliche Nischen im selben Budget-Topf. ServiceNow positioniert sich als „KI-Kontrollturm“ für Unternehmensworkflows. Palantir liefert die Analyse- und Entscheidungsinfrastruktur für Regierung und Wirtschaft. Innodata stellt die Trainingsdaten und Evaluierungsplattformen bereit, die KI-Modelle überhaupt funktionsfähig machen.

Broadcom-Zahlen als nächster Stimmungstest

Der nächste große Katalysator für die gesamte Gruppe steht am 3. Juni an. Ein starkes Broadcom-Ergebnis — insbesondere beim KI-Umsatz — würde vermutlich erneut den gesamten Sektor mitziehen, da die Capex-Absichten der Hyperscaler als Frühindikator für die ganze KI-Lieferkette gelesen werden.

Für Palantir stellt sich die Frage, ob die jüngste Erholung von rund 17 Prozent Substanz hat oder lediglich eine technische Gegenbewegung darstellt. Die operative Dynamik stimmt, die Bewertung bleibt die größte Hürde.

ServiceNow muss beweisen, dass die neuen Partnerschaften tatsächlich in beschleunigtes Umsatzwachstum münden. Der Kursrückgang von über 40 Prozent gegenüber dem 52-Wochen-Hoch bedeutet: Die kommenden Quartale stehen unter verschärfter Beobachtung.

Applied Digital und Innodata verkörpern das höhere Beta in dieser Gruppe. Beide haben fundamental überrascht — durch Vertragsvolumen beziehungsweise Gewinnwachstum. Beide tragen Konzentrationsrisiken, die bei einer Abkühlung des KI-Hypes schnell in den Vordergrund rücken könnten. Der Mai hat gezeigt, dass der Markt bereit ist, KI-Profiteure zu belohnen. Die entscheidende Frage für Juni lautet, ob sich diese selektive Validierung fortsetzt — oder ob die Euphorie in eine breitere Korrektur mündet.

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Diskussion zu Palantir

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.