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KI-Aktien: Führungswechsel bei Apple, Milliarden-Deal bei Nvidia

Apple wechselt den CEO, Nvidia prüft einen Milliarden-Zukauf und KI treibt Amazon an. ServiceNow behebt Schwachstellen, AMD erhält neue Kursziele.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Ternus folgt Cook an Apple-Spitze
  • Nvidia erwägt Hugging-Face-Übernahme
  • ServiceNow schließt kritische KI-Lücken
  • AMD erhält höheres Raymond-James-Kursziel

Ein neuer Chef bei Apple, eine geplante Milliarden-Übernahme bei Nvidia und kritische Sicherheitslücken bei ServiceNow— der KI-Sektor bietet diese Woche gleich mehrere Schlagzeilen auf einmal. Während AMD von Analysten mit immer höheren Kurszielen überschüttet wird, sorgt bei Amazon ausgerechnet Alexa für neue Fantasie. Fünf Aktien, fünf völlig unterschiedliche Geschichten.

Apple: Ternus übernimmt in kritischer Phase

Am 1. September wird es offiziell: John Ternus löst Tim Cook als Apple-CEO ab, Cook selbst wechselt in die Rolle des Executive Chairman. Es ist der erste Führungswechsel an der Spitze des Konzerns seit 2011, als Cook das Ruder von Steve Jobs übernahm. Ternus wird damit achter CEO in der Firmengeschichte— gleichzeitig übernimmt Johny Srouji als Chief Hardware Officer dessen bisherige Aufgaben.

Der Zeitpunkt könnte kaum anspruchsvoller sein. Ternus tritt sein Amt an, während Apple im Wettlauf um generative KI gegenüber Google, OpenAI und Anthropic ins Hintertreffen zu geraten droht. Gleichzeitig braut sich in Washington und Brüssel ein Kartellrechtsstreit zusammen, und der Konzern bereitet sein erstes faltbares iPhone vor.

Nur wenige Tage nach dem Führungswechsel steht bereits der nächste Termin an: Am 9. September lädt Apple zum Produktevent— die erste große Bühne unter der neuen Führung. Erwartet werden die neue iPhone-Generation und möglicherweise das erste Falt-Modell.

Operativ zeigt sich der Konzern robust. Die iPhone-Erlöse legten kräftig zu, das Mac-Geschäft wuchs zweistellig, und der Dienste-Bereich erreichte einen Rekordwert. Für das laufende Quartal rechnet Apple allerdings mit einer Wachstumsverlangsamung— Lieferengpässe und Währungseffekte belasten die Prognose, während steigende Speicherkosten Druck auf die Marge ausüben. Die Apple-Aktie notiert aktuell bei 276,00 Euro, nach einem Wochenplus von 4,2 Prozent, liegt aber noch 6,4 Prozent unter dem Niveau vor 30 Tagen.

ServiceNow: Sicherheitslücken überschatten starkes Wachstum

ServiceNow musste diese Woche gleich drei Schwachstellen mit maximalem Schweregrad in seiner KI-Plattform schließen. Die Lücken— unter anderem anfällig für Code-Injection und Rechteausweitung— erreichten in zwei Fällen den höchsten CVSS-Wert von 10,0. Besonders brisant: Eine Ausnutzung wäre teils ohne vorherige Authentifizierung möglich gewesen, ein Angreifer hätte also keine gestohlenen Zugangsdaten benötigt.

Das Risiko wiegt schwer, weil die Plattform tief in Unternehmensprozesse eingebettet ist— mehr als 100.000 KI-Anwendungen bei 85 Prozent der Fortune-500-Konzerne laufen darüber. ServiceNow selbst erklärte, keine Hinweise auf eine tatsächliche Ausnutzung der Lücken zu haben.

Operativ bleibt das Unternehmen auf Kurs. Die Abo-Erlöse wuchsen im zweiten Quartal um rund ein Viertel, das jährliche Auftragsvolumen aus KI-Produkten überschritt erstmals die Milliardengrenze. Trotzdem hat die Aktie seit Jahresbeginn deutlich verloren, während der Gesamtmarkt zulegte. Diese Woche kam die Kehrtwende: Der Kurs sprang am Freitag um 5,5 Prozent nach oben, auf Sicht von sieben Tagen steht ein Plus von 14 Prozent zu Buche. Der RSI von 72,6 signalisiert inzwischen eine überkaufte Lage— nach der jüngsten Rally durchaus nachvollziehbar.

Nvidia: Rekordquartal trifft auf Milliarden-Deal

Die Zahlen sprachen für sich: Nvidia übertraf die Erwartungen deutlich und stellte für das Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von 70 Prozent in Aussicht— weit über den von Analysten veranschlagten 44 Prozent. CEO Jensen Huang wurde noch deutlicher und sprach von einer Nachfrage, die die Prognose noch übersteige. Limitierender Faktor bleibt allein die Fertigungskapazität.

Parallel dazu kursierten Berichte über eine geplante Übernahme der Open-Source-Plattform Hugging Face für rund 12,9 Milliarden Dollar. Sollte der Deal zustande kommen, würde Nvidia damit tief in das Ökosystem für offene KI-Modelle vordringen— eine strategische Erweiterung über das reine Hardware-Geschäft hinaus.

An der Börse fiel die Reaktion zuletzt gemischt aus: Nach einem kräftigen Sprung am Freitag der Vorwoche gab die Aktie zum Wochenschluss um 4,1 Prozent nach und schloss bei 187,78 Euro. Auf Monatssicht bleibt dennoch ein Plus von 13 Prozent, der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt liegt bei komfortablen 3,6 Prozent. Das milliardenschwere Zukaufvorhaben dürfte die Debatte um Nvidias Marktmacht in den kommenden Wochen neu entfachen.

AMD: Analysten überbieten sich mit Kurszielen

Raymond-James-Analyst Simon Leopold hob sein Rating für AMD auf „Strong Buy“ an und erhöhte das Kursziel auf 641 Dollar— ein Aufschlag von rund 40 Prozent gegenüber dem damaligen Schlusskurs. Seine Begründung: AMDs Wachstumstempo dürfte reichen, um Intel bereits 2027 zu überholen.

Die Zahlen stützen diese These. Das Rechenzentrumsgeschäft wuchs im zweiten Quartal auf 6,7 Milliarden Dollar— mehr als eine Verdopplung im Jahresvergleich— und macht damit über die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Beim Servermarktanteil zog AMD deutlich an Intel vorbei: Der eigene Anteil kletterte um 7,3 Prozentpunkte, während Intels Anteil auf der Gegenseite zurückfiel.

Trotz der positiven Analystenstimmung— im Schnitt gilt weiterhin „Strong Buy“— zeigt sich die Aktie zuletzt angeschlagen. Am Freitag ging es um 1,7 Prozent auf 402,00 Euro nach unten, der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt fast 9 Prozent. Auf Jahressicht bleibt der Kurs mit einem Plus von 118 Prozent aber einer der stärksten Werte im gesamten Sektor. Bei einem KGV von rund 41 ist die Erwartungshaltung entsprechend hoch.

Amazon: Alexa wird zum unerwarteten Wachstumstreiber

Eine Umfrage von Evercore ISI sorgte für Aufsehen: Analyst Mark Mahaney hob das Kursziel für Amazon auf 355 Dollar an, nachdem sich erstmals belastbare Belege dafür fanden, dass KI-Funktionen das Einkaufsverhalten direkt beeinflussen. 57 Prozent der befragten Alexa-Nutzer gaben an, über die KI-Funktion ein Produkt entdeckt zu haben, das sie zuvor nicht kannten. 36 Prozent berichteten von insgesamt höheren Ausgaben durch die KI-Integration in Alexa.

Die Reaktion an der Börse fiel prompt aus: Die Aktie sprang am Freitag um 4,6 Prozent auf 230,00 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 3,9 Prozent, auf Monatssicht sogar 16 Prozent. Der RSI von 55,6 zeigt: Trotz der Rally ist noch Luft nach oben, von einer überkauften Situation kann keine Rede sein.

Neben dem Einzelhandel bleibt die Cloud-Sparte ein tragender Wachstumspfeiler. Sie legte mit dem höchsten Tempo seit 18 Quartalen zu, während auch das Werbegeschäft zweistellig wuchs. Sowohl das KI-Geschäft als auch die eigenen Chip-Entwicklungen überschritten jeweils die Marke von 25 Milliarden Dollar im annualisierten Umsatz.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Werte zeigen, wie unterschiedlich sich KI-Exposure derzeit auszahlt:

  • Infrastruktur-Layer: Nvidia und AMD profitieren beide vom Rechenzentrums-Boom, wobei Nvidias Größenvorteil und Lieferengpässe es in eine eigene Liga heben
  • Anwendungs-Layer: Amazon und ServiceNow monetarisieren KI direkt— im Konsumentengeschäft beziehungsweise in Unternehmensprozessen
  • Governance-Ebene: Apple durchläuft einen historischen Führungswechsel, während die eigene KI-Strategie weiter unter Beobachtung steht
  • Bewertungsspreizung: ServiceNows hohes KGV steht einer bislang schwachen Kursentwicklung gegenüber, während AMD und Nvidia trotz bereits hoher Jahresgewinne weiter als Kaufkandidaten gelten

Auffällig ist zudem, wie schnell eine einzelne Analystenstudie die Stimmung drehen kann— Amazons Kurssprung nach der Evercore-Umfrage ist dafür das beste Beispiel der Woche.

Was Anleger in den kommenden Wochen im Blick behalten sollten

Bei Apple wird der 9. September zur ersten echten Bewährungsprobe für die neue Führung. Bei ServiceNow dürfte die Geschwindigkeit, mit der Kunden die Sicherheitspatches einspielen, zum entscheidenden Faktor werden. Sollte sich die Übernahme von Hugging Face bei Nvidia bestätigen, würde das dem Konzern eine völlig neue Dimension im Software-Ökosystem eröffnen. AMD-Investoren richten den Blick auf den Hochlauf der MI350- und Helios-Produktlinien, während sich Amazons Alexa-Wette spätestens im anstehenden Weihnachtsgeschäft beweisen muss.

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Diskussion zu Nvidia

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.