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Symbolbild, KI-generiert

Kapital hat wieder einen Preis, und Oracle zahlt bis zu 8,65 Prozent

Hohe Oracle-Anleihezinsen und schwacher Rheinmetall-Cashflow rücken Finanzierungskosten und Zahlungsströme in den Mittelpunkt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Oracle-Anleihen mit bis zu 8,65 Prozent
  • UniCredit sicherte sich Zugriff auf knapp die Hälfte
  • Rheinmetall-Auftrag für Februar 2027 gemeldet
  • Evonik verbuchte 313 Millionen Euro Restrukturierungskosten

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Härtetest dieser Woche kommt am Donnerstag. Dann legen Commerzbank und Rheinmetall ihre Quartalszahlen vor. Die Mehrheit schaut noch auf Rechenzentren und KI-Fantasien. Die Musik spielt derzeit aber in den Bilanzen.

Nicht mehr Wachstumsversprechen entscheiden über Bewertungen, sondern Cashflow, Kapitalkosten und Kontrolle. Was Geld inzwischen kostet, zeigt Oracle: Der Konzern zahlt auf neue Anleihen Kupons, also feste Zinssätze, von bis zu 8,65 Prozent.

Commerzbank: Die Eigenständigkeit ist Geschichte

Die Commerzbank wird zur Tochter, auch wenn es formal noch dauert. UniCredit hat sich über das Tauschangebot und Derivate Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile gesichert. Derivate sind Finanzverträge, deren Wert sich aus der Aktie ableitet. Die EZB hat die Überschreitung der 30-Prozent-Schwelle bereits genehmigt, die EU-Kommission entscheidet bis zum 16. November.

Was heißt das für Aktionäre? Drei prominente Anteilseigner sagten dem Handelsblatt, die Anlagegeschichte einer eigenständigen Bank sei „kaputt“. Barclays, RBC und Deutsche Bank haben die Aktie von Kaufen auf Halten gesenkt. Die Commerzbank notiert am Dienstagvormittag bei rund 37,30 Euro und damit ein gutes Stück unter dem Septemberhoch von 43,34 Euro.

Wer die Commerzbank noch hält, wettet faktisch auf das Integrationsgeschick von UniCredit-Chef Andrea Orcel. Mit einer deutschen Zinsgeschichte hat das nichts mehr zu tun. Wer eine solche sucht, dem empfiehlt Deutsche-Bank-Analyst Goy ING als Alternative.

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Rheinmetall: Der große Auftrag muss warten

Bei Rheinmetall rutscht der größte Auftrag des Jahres ins nächste. Laut einem Bericht des Branchenportals Hartpunkt kommt die Bundeswehr-Bestellung für Boxer-Radfahrzeuge nicht Anfang Dezember, sondern erst im Februar 2027. Die Aktie fiel daraufhin am Montag erstmals seit Mitte Oktober unter die 1.000-Euro-Marke.

Am Dienstagvormittag stand Rheinmetall bei rund 995 Euro, seit Jahresbeginn ein Minus von 36 Prozent. Am Samstag kam ein öffentlicher Streit mit Verteidigungsminister Pistorius über Lieferverzögerungen hinzu. Rheinmetall schiebt die Verantwortung dafür dem Kunden zu.

Wer hat recht, der Kurs oder die Analysten? Das mittlere Kursziel von rund 1.552 Euro erzählt von einem anderen Unternehmen. Die Lücke erklärt der Cashflow: Im ersten Halbjahr lag der operative Free Cashflow bei minus 1,6 Milliarden Euro, es floss also mehr Geld hinaus, als das Geschäft einbrachte. Am Donnerstag zählt deshalb weniger das Umsatzplus als die Frage, ob Rheinmetall den Auftragsbestand in Geld verwandelt.

Euroraum: Zwei Geschwindigkeiten bei der Teuerung

Die Oktober-Daten vom Freitag zeigen einen gespaltenen Währungsraum. Italiens harmonisierte Inflation sprang auf 5,6 Prozent, ein Drei-Jahres-Hoch weit über den Erwartungen, getrieben von regulierten Energietarifen. Deutschland fiel auf 2,8 Prozent. Das gelang allerdings nur dank der Kraftstoffsteuersenkung, die zum Jahresende ausläuft.

Die EZB-Ratsmitglieder Kazimir, Panetta und Moulin signalisierten seit Freitag weitere Zinsschritte. Die Dezember-Erhöhung gilt als nahezu sicher. Kazimir warnte zudem, eine Konjunkturabkühlung dämpfe die Inflation wegen stützender Staatsausgaben nicht automatisch.

Wen sieht Goldman Sachs als Gewinner? Die Bank nahm am Montag die Deutsche Bank neu in ihre europäische Conviction List auf, die Liste ihrer stärksten Empfehlungen, als Profiteur der längeren Hochzinsphase. Französische Aktien fehlen dort komplett. Die Deutsche-Bank-Aktie liegt seit Jahresbeginn fast 9 Prozent im Minus.

Oracle: Die Zinsen erreichen die Tech-Bilanzen

Oracle hat am Montag seinen Finanzierungsrahmen vollständig ausgeschöpft. Die neuen Aktien gingen 11,2 Prozent unter dem Freitagsschluss weg. Der Kurs verlor am Ende 8,76 Prozent.

Teurer noch sind die Anleihen über 10 Milliarden Dollar. Für die längste Laufzeit bis 2046 zahlt Oracle 8,65 Prozent. Wer KI-Infrastruktur auf Kredit baut, rechnet jetzt mit solchen Sätzen.

Die Kursreaktionen der letzten Tage folgen derselben Logik. Intel stürzte am Freitag nach enttäuschendem Ausblick um 28,6 Prozent ab. Apple meldete am Montagabend einen Rekordumsatz für ein September-Quartal, enttäuschte aber mit der Prognose. Palantir steigerte den Umsatz dagegen kräftig und legte nachbörslich zu. Belohnt wird, wer Wachstum aus eigener Kraft finanziert.

Evonik: Der Sondergewinn verfliegt

Evonik zeigt, wie schnell Sondergewinne wieder verschwinden. Der operative Gewinn vor Abschreibungen und ohne Sondereffekte stieg im dritten Quartal um 40 Prozent, weil der Nahost-Krieg die Preise trieb. Evonik warnte jedoch, dass dieser Effekt nachlässt. Restrukturierungskosten von 313 Millionen Euro ergaben unter dem Strich einen Nettoverlust.

Und der Winter? Europa geht mit den niedrigsten Gasvorräten seit 14 Jahren hinein, der Gaspreis stand über 100 Euro je Megawattstunde. Für die deutsche Chemie heißt das: Die Marge des dritten Quartals ist kein Maßstab für das vierte.

Das große Bild

Der rote Faden dieser Tage ist unbequem einfach. Kapital kostet wieder etwas, und die Börse fragt bei jedem Unternehmen zuerst, wer die Rechnung bezahlt. Oracle zahlt sie über Anleihen, Rheinmetall wartet auf Geld aus seinen Aufträgen, und bei der Commerzbank entscheidet bald jemand anderes. Die Versprechen von gestern zählen weniger als die Kasse von heute.

Heute wählen die USA, die erste Börsenreaktion folgt am Mittwoch. Für europäische Depots wichtiger ist der Rest der Woche: Am Mittwoch zeigt die Euroraum-Inflation, ob Italiens Ausreißer den Dezember-Schritt der EZB zur Formsache macht. Am Donnerstag berichten Commerzbank und Rheinmetall, und die Bank of England dürfte die Zinsen erhöhen. Am Freitag folgt der US-Arbeitsmarktbericht mit erwarteten 60.000 bis 75.000 neuen Stellen.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.