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Kapazitätsnot treibt Chip-Aktien: Intel und AMD liefern, Qualcomm hinkt hinterher

Intel meldet stärkstes Quartalswachstum seit 15 Jahren, während AMD mit Helios Nvidia angreift. Qualcomm und SK Hynix liefern gemischte Signale.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Intel mit 25 Prozent Umsatzplus
  • AMD startet Helios-Racksystem
  • ASML hebt Jahresprognose an
  • Qualcomm hinkt im Rechenzentrum

Innerhalb von 48 Stunden überschlugen sich die Nachrichten aus der Chipbranche. Intel meldete das stärkste Umsatzwachstum seit über 15 Jahren, ASML bestätigte einen Technologie-Meilenstein bei der Chipfertigung, und AMD stellte auf einer Bühne in San Francisco seine bislang direkteste Kampfansage an Nvidia vor. Verbindendes Element bleibt der ungebremste Appetit der Branche auf Rechenleistung für künstliche Intelligenz.

Sektorüberblick: Fünf Namen, ein Treiber

Die vergangenen Tage haben die Erzählung rund um mehrere Schwergewichte der Branche gleichzeitig verschoben. Intels Zahlen zum zweiten Quartal, veröffentlicht nach Handelsschluss am Donnerstag, übertrafen die Erwartungen der Wall Street deutlich und befeuerten die Turnaround-Hoffnungen unter CEO Lip-Bu Tan. Parallel dazu nutzte AMD sein „Advancing AI 2026“-Event, um das Helios-Racksystem und den Instinct MI455X-Beschleuniger offiziell zu launchen – flankiert von neuen Deals mit Microsoft, Anthropic, OpenAI und Meta.

ASMLs Zahlen vom 15. Juli wirken bis heute nach: Die Bestätigung, dass Intel Foundry inzwischen mit High-NA-EUV-Technologie in die Serienfertigung eingestiegen ist, gilt als Meilenstein für die gesamte Lithografie-Lieferkette. Qualcomm reitet unterdessen eine Welle neuer Gerätepartnerschaften mit Samsung, während die Rechenzentrums-Ambitionen unter der Marke Dragonfly noch auf ihren Praxisbeweis warten. SK Hynix rundet das Bild ab und hat kurz vor eigenen Quartalszahlen einen beschleunigten Kapazitätsausbau bei der HBM-Verpackung genehmigt.

Der rote Faden bleibt derselbe: KI-getriebene Nachfrage nach Rechenleistung bringt Lieferketten von Speicher über Advanced Packaging bis zur Lithografie an ihre Grenzen. Selbst etablierte Geschäftsfelder wie Intels PC-Sparte müssen inzwischen um Fertigungskapazität konkurrieren.

SK Hynix: Kapazitätsausbau vor den Zahlen

SK Hynix hält mit 56,4 Prozent Marktanteil die Führungsposition bei High-Bandwidth-Memory und geht mit dieser Stärke in die für kommenden Mittwoch angesetzten Quartalszahlen. Der Vorstand genehmigte eine Investition von umgerechnet rund 4,83 Milliarden Dollar zur Erweiterung der Verpackungskapazitäten am Standort Cheongju, konkret für die Anlage P&T7. Am Gesamtbudget ändert sich nichts – das Unternehmen zieht lediglich Ausgaben vor, um Reinraumkapazität früher verfügbar zu machen.

Die Zahlen des ersten Quartals 2026 unterstreichen das Tempo des Memory-Superzyklus: 52,6 Billionen Won Umsatz, umgerechnet rund 34,5 Milliarden Dollar, bei einer Bruttomarge von 79,3 Prozent. Ein Plus von 198 Prozent gegenüber dem Vorjahr. CEO Kwak Noh-jung brachte das Dilemma der Branche auf den Punkt: Die Kundennachfrage steige weiter, während die eigene Kapazität an Grenzen stoße. Nach einem kurzen Rücksetzer unter den IPO-Kurs im Zuge des breiteren Ausverkaufs bei KI-Chipwerten hat sich die Aktie inzwischen wieder gefangen.

ASML: Meilenstein bei High-NA EUV, Prognose angehoben

ASML meldete für das zweite Quartal 9,3 Milliarden Euro Nettoumsatz und hob die Umsatzprognose für 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr an – von zuvor 36 bis 40 Milliarden auf jetzt 43 bis 45 Milliarden Euro. Begleitet wurde das von einer Branchenpremiere: dem ersten kommerziellen Logic-Produkt, das mit High-NA-EUV-Lithografie gefertigt wurde. Intel Foundry fertigt damit bereits ausgewählte Core-Ultra-Series-3-Prozessoren der „Panther Lake“-Generation auf dem 18A-Prozess.

Nettogewinn und Gewinn je Aktie lagen bei 2,9 Milliarden Euro beziehungsweise 7,59 Euro, die Bruttomarge bei 54,0 Prozent – jeweils über der eigenen Zielvorgabe und dem Analystenkonsens. Um der Nachfrage nach KI-Chips zu begegnen, will ASML die Kapazität bei EUV- und Immersion-DUV-Systemen 2027 und 2028 jährlich um 30 Prozent steigern. Großkunden wie TSMC, Samsung und SK Hynix bauen ihre eigenen Kapazitäten parallel aggressiv aus, Südkorea und Taiwan zählen inzwischen zu ASMLs wichtigsten Absatzmärkten. Am Markt zeigt sich das aktuell gemischt: Die Aktie notiert bei 1.553,40 Euro und damit 1,87 Prozent leichter als am Vortag, bewegt sich aber weiterhin rund 31 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt.

AMD: Helios startet die Attacke auf Nvidia

AMD hat sein Helios-Racksystem offiziell in die Serienproduktion überführt, Lieferungen sollen bis Ende des dritten Quartals anlaufen. Microsoft kündigte bereits an, das neue System in eigenen Rechenzentren einzusetzen. Am Mittwoch folgte der nächste große Deal: eine Partnerschaft mit Anthropic zum Einsatz von bis zu zwei Gigawatt an Instinct-MI450-GPUs in Helios-Racksystemen.

Nvidia kontrolliert nach Schätzungen der Futurum Group weiterhin mehr als 95 Prozent des Markts für Rechenzentrums-GPUs, AMD kommt auf etwa 4,5 Prozent – die Ausgangslage bleibt also ungleich verteilt. Trotzdem bewerten 51 von Analysten befragte Experten die Aktie im Konsens mit „Strong Buy“. Benchmark bekräftigte am Donnerstag seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 685 Dollar und rechnet mit deutlichem Kurspotenzial auf Sicht von zwölf Monaten. An der Börse zeigt sich die Aktie zuletzt volatil: Nach einem 52-Wochen-Hoch kühlte der Kurs in den vergangenen Tagen spürbar ab und notiert aktuell bei 460,80 Euro, ein Minus von 2,33 Prozent gegenüber dem Vortag.

Qualcomm: Samsung-Bindung wächst, Rechenzentrums-Wette bleibt offen

Bei Samsungs Unpacked-Event sicherte sich Qualcomm einen prominenten Platz: Die Snapdragon-8-Elite-Gen-5-Plattform, die Snapdragon-Wear-Elite-Plattform und der Snapdragon AR1 Gen 1 treiben künftig Samsungs neue Geräteflotte an, von den Galaxy-Z-Fold8-Modellen bis zur neuen Intelligent Eyewear. CEO Cristiano Amon positionierte die eigenen Chips als „Ankerpunkt für KI-Agenten“ und kündigte eine noch breitere Präsenz in Samsung-Produkten an.

Die eigentliche Bewährungsprobe steht aber erst noch bevor: Die Zahlen zum dritten Fiskalquartal werden kommenden Mittwoch erwartet, und Anleger wollen dort endlich Fortschritte beim Rechenzentrums-Vorstoß unter der Marke Dragonfly sehen. Von 37 Analysten, die die Aktie covern, vergeben 22 lediglich ein „Hold“-Rating – trotz eines mittleren Kursziels, das spürbar über dem aktuellen Niveau liegt. Der Umsatz des März-Quartals war mit 10,6 Milliarden Dollar leicht rückläufig, und der Konsens erwartet vor einer Erholung Mitte 2027 zunächst eine weitere Abschwächung, getrieben von einem Lagerüberhang bei chinesischen Android-Herstellern. Die Aktie selbst zeigt die Nervosität deutlich: Nach einem Kursrutsch von 14,80 Prozent binnen 30 Tagen notiert sie aktuell bei 147,88 Euro, der RSI von 37,4 signalisiert eine bereits überverkaufte Situation.

Intel: Stärkstes Wachstum seit 15 Jahren

Intel lieferte die positivste Überraschung der Woche. Der Umsatz im zweiten Quartal stieg um 25 Prozent auf 16,1 Milliarden Dollar – das stärkste Quartalswachstum seit mehr als 15 Jahren. Die Wall Street hatte mit deutlich weniger gerechnet, sowohl beim Umsatz als auch beim bereinigten Gewinn je Aktie, den Intel mit 42 Cent praktisch verdoppelte. Getragen wurde das Wachstum vom Data-Center- und KI-Geschäft, das um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar zulegte, während auch das Client-Computing-Geschäft mit einem Plus von 13 Prozent überzeugte.

CEO Lip-Bu Tan sprach von einer „beispiellosen Nachfrage nach Rechenleistung durch KI“ und sah Intel gut positioniert über CPU-Franchise, ASICs, Advanced Packaging und das eigene Foundry-Netzwerk hinweg. Unter dem Strich stand dennoch ein GAAP-Nettoverlust von 11 Milliarden Dollar, verursacht durch eine buchhalterische Neubewertung von Aktien im Zusammenhang mit dem CHIPS-Act-Abkommen mit der US-Regierung. Die Investitionsplanung für 2026 wurde auf über 20 Milliarden Dollar angehoben, mit weiterem deutlichen Anstieg für 2027. An der Börse zeigt sich nach der Rallye der vergangenen Tage eine Verschnaufpause: Die Aktie gibt heute um 3,50 Prozent auf 85,08 Euro nach, bleibt aber rund 48 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt.

Sektordynamik im Vergleich

Die fünf Namen besetzen unterschiedliche Positionen entlang der KI-Wertschöpfungskette, teilen aber dieselbe Realität knapper Kapazitäten:

  • SK Hynix und ASML stehen weit oben in der Lieferkette – ohne ihre Speicher- und Lithografietechnologie entsteht kein einziger KI-Chip. Beide bauen aktuell aggressiv Kapazität aus.
  • AMD und Intel kämpfen auf der Rechenebene um Marktanteile in einem von Nvidia dominierten Markt. Helios-Launch und Intels Data-Center-Wachstum deuten beide auf Fortschritte hin, auch wenn Intels Foundry-Ambitionen eine Wette über mehrere Jahre bleiben.
  • Qualcomm nimmt eine Zwischenposition ein – noch stark abhängig vom Smartphone-Geschäft, während die Dragonfly-Plattform für Rechenzentren praktisch noch keinen Umsatz beisteuert.
  • SK Hynix taucht dabei gleich mehrfach in fremden Lieferketten auf: als Speicherlieferant für Nvidia, als Schlüsselkunde von ASML und als Partner im Qualcomm-Ökosystem für Rechenzentren – ein Beleg dafür, wie eng die Branche mittlerweile verflochten ist.

Auch bei der Analystenstimmung zeigen sich klare Unterschiede: AMD trägt ein „Strong Buy“-Konsensrating, Intel erhält nach der Überraschung frischen Rückenwind, ASMLs Prognoseanhebungen kommen an der Börse gut an – während Qualcomm trotz einzelner bullischer Stimmen im vorsichtigen „Hold“-Lager verharrt.

Chip-Branche vor dem nächsten Praxistest

Die kommende Woche liefert bereits neue Antworten. SK Hynix und Qualcomm legen beide am 29. Juli Zahlen vor und dürften zeigen, ob sich HBM-Preise und die Nachfrage nach China-Smartphones tatsächlich stabilisieren. Bei AMD rückt die Ausführung in den Fokus: Ob Helios in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich in großem Volumen ausgeliefert wird, hängt auch von der HBM4-Versorgung und dem Zeitpunkt ab, zu dem Nvidias konkurrierende Vera-Rubin-Plattform an den Start geht.

Intel muss beweisen, dass sich das Momentum im Data-Center-Geschäft trotz anhaltender Engpässe bei Wafern, Speicher und Substraten fortsetzen lässt. ASML wiederum liefert mit seinem Kapazitätsausbau und dem Tempo der High-NA-EUV-Adoption über Intel hinaus wichtige Hinweise darauf, wie tragfähig der aktuelle Lithografie-Zyklus tatsächlich ist.

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Diskussion zu SK Hynix

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.