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Kaffee-Schock, Gold-Flaute: Rohstoffmärkte laufen auseinander

Gold und Silber leiden unter Zinssorgen, während Kaffee nach Rekordrally korrigiert. Kupfer zeigt sich robust.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Goldpreis fällt auf Wochensicht
  • Silber bleibt unter Druck
  • Ölpreis erholt sich geopolitisch
  • Kaffee korrigiert nach starkem Anstieg

Kaffee schoss binnen weniger Handelstage kräftig nach oben, um dann prompt einen Teil der Gewinne wieder abzugeben. Gold rutscht derweil in eine der schwächeren Phasen der vergangenen Monate, während Kupfer sich von drohenden US-Zöllen kaum beeindrucken lässt. Fünf Rohstoffe, fünf unterschiedliche Geschichten – ein gemeinsamer Nenner lässt sich kaum noch finden.

Gold: Zinssorgen drücken auf die Stimmung

Der Goldpreis schloss am Freitag bei 4.127,60 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,12 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 1,43 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat das Edelmetall 4,93 Prozent verloren. Zum 52-Wochen-Hoch bei 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar klafft mittlerweile eine Lücke von rund 26,6 Prozent.

Verantwortlich für die Schwäche sind vor allem hartnäckige Zinssorgen. Ein fester Dollar und hohe Anleiherenditen machen das zinslose Edelmetall weniger attraktiv, zumal die Federal Reserve keine Eile bei Zinssenkungen erkennen lässt. Der Relative-Stärke-Index von 44 signalisiert dabei weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Lage – der Markt sucht offenbar nach einer neuen Richtung.

Die strukturelle Nachfrage bleibt trotzdem intakt. Notenbanken kaufen weiterhin große Mengen physisches Gold und stützen damit den Boden unter dem Preis. HSBC senkte dennoch kürzlich seine Prognosen: Für 2026 rechnet die Bank nur noch mit durchschnittlich 4.560 statt zuvor 4.864 US-Dollar, für 2027 mit 4.925 statt 5.000 US-Dollar.

Silber Preis: Weiter Abstand zum Rekordhoch

Silber notierte am Freitag bei 60,26 US-Dollar je Feinunze, nahezu unverändert mit einem minimalen Minus von 0,21 Prozent. Die vergangenen sieben Handelstage brachten einen Rückgang von 3,93 Prozent, auf Monatssicht steht ein Minus von 5,11 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich der Preis um 16,62 Prozent verringert.

Damit bewegt sich das Metall weiterhin weit entfernt von seinem 52-Wochen-Hoch bei 121,78 US-Dollar aus dem Januar – ein Abstand von über 50 Prozent. Die Kursachterbahn der vergangenen Monate spiegelt sowohl das schwankende Sicherheitsbedürfnis der Anleger als auch die wachsende industrielle Nachfrage nach dem Metall wider. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von gut 51 Prozent zählt Silber zu den unruhigsten Rohstoffen im gesamten Sektor.

Fundamental bleibt der Markt angespannt, das strukturelle Angebotsdefizit hält an. Die Analystenmeinungen zur weiteren Richtung gehen entsprechend weit auseinander – der RSI von 40,6 deutet zumindest kurzfristig auf eine gewisse Verkaufsmüdigkeit hin.

Brent Crude: Erholung trotz brüchiger Waffenruhe

Der Ölpreis hat sich zuletzt spürbar gefangen. Brent Crude schloss am Freitag bei 76,02 US-Dollar je Barrel, nahezu unverändert zum Vortag, aber mit einem Wochenplus von 5,39 Prozent eine der stärksten Bewegungen im gesamten Sektor. Seit Jahresbeginn steht sogar ein Plus von 25,05 Prozent zu Buche, auch wenn der Preis von seinem 52-Wochen-Hoch bei 126,10 US-Dollar noch weit entfernt bleibt.

Getrieben wird die Erholung von der fortgesetzten Nervosität rund um die Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Die Schifffahrt durch die Straße von Hormuz, eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Öl- und Gashandel, bleibt erheblich gestört. Das stützt eine Risikoprämie im Preis, selbst wenn Berichte über fortgesetzte diplomatische Gespräche zwischenzeitlich für Entspannung sorgen.

Die Internationale Energieagentur warnt zugleich, dass die anhaltenden Spannungen den Wiederaufbau der globalen Ölvorräte verzögern könnten. Golf-Produzenten versuchen derweil, die Lücke zu füllen – die Vereinigten Arabischen Emirate fuhren ihre Rohölproduktion zuletzt auf ein Rekordniveau hoch. Mit einem RSI von 41,3 bewegt sich Brent charttechnisch eher im neutralen bis leicht überverkauften Bereich.

Kupfermarkt: Stabil trotz drohender US-Zölle

Kupfer bleibt der robusteste unter den fünf Rohstoffen. Der Preis schloss am Freitag bei 6,29 US-Dollar je Pfund, ein Plus von 0,60 Prozent auf Tagesbasis und von 0,98 Prozent auf Wochensicht. Seit Jahresbeginn hat das Industriemetall 10,31 Prozent zugelegt und weist damit als einziger der fünf Rohstoffe eine durchgehend positive Jahresperformance vor.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht eine anstehende Zollentscheidung: Der US-Handelsminister soll einen Bericht zum heimischen Kupfermarkt vorlegen, auf dessen Basis ab 2027 ein gestaffelter Einfuhrzoll von 15 Prozent auf raffiniertes Kupfer möglich wäre. UBS bleibt trotz dieses Risikos bullish und sieht Schwächephasen eher als Kaufgelegenheit, da geringere US-Importe die mittelfristigen globalen Defizite kaum lösen dürften.

Unterstützung kommt zusätzlich von der Angebotsseite. Die BHP Group erhielt kürzlich die Umweltgenehmigung für ein Expansionsprojekt in ihren chilenischen Kupferbetrieben, mit dem Ziel, die Produktion bis Mitte der 2030er Jahre nahezu zu verdoppeln – ein langfristig bedeutsames Signal, das am engen Markt kurzfristig aber wenig ändert. Mit einem RSI von 51,8 notiert Kupfer nahezu neutral, knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 6,31 US-Dollar.

Kaffeepreis: Nach historischem Sprung folgt der Rückschlag

Kein anderer Rohstoff sorgte zuletzt für so viel Aufsehen wie Kaffee. Nach einem der stärksten Anstiege seit der Jahrtausendwende kam es am Freitag zu einer scharfen Gegenbewegung: Der Preis fiel um 5,38 Prozent auf 337,75 US-Dollar. Trotz des Rücksetzers steht auf Wochensicht noch immer ein Plus von 7,00 Prozent zu Buche, und die 30-Tage-Bilanz zeigt mit 35,97 Prozent den mit Abstand stärksten Monatsgewinn im gesamten Sektor.

Ausgelöst wurde die Rally durch Ernteängste in Brasilien. Starke Regenfälle im Juni hatten die Ernte verzögert, anschließende Trockenheit weckte Zweifel an der Bohnenqualität, und neue Regenprognosen für die zweite Julihälfte schürten erneut Sorgen vor weiteren Störungen. Der Erntefortschritt selbst untermauert diese Zurückhaltung: Zum 1. Juli waren erst 52 Prozent der bepflanzten Fläche geerntet, weniger als im Vorjahr mit 60 Prozent und unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 55 Prozent.

Seit Jahresbeginn liegt Kaffee dennoch mit 5,47 Prozent im Minus, was die Wucht des jüngsten Ausschlags relativiert. Mit einem RSI von 61,5 und einer annualisierten Volatilität von über 71 Prozent bleibt der Rohstoff der launischste im gesamten Vergleich.

Vergleichende Sektordynamik: Divergenz statt Gleichlauf

Die fünf Rohstoffe folgen aktuell klar unterschiedlichen Mustern:

  • Gold und Silber: beide belastet durch starken Dollar und hohe Anleiherenditen, gestützt aber durch Notenbank- beziehungsweise Industrienachfrage
  • Brent Crude: geopolitisch getrieben, Wochenplus trotz brüchiger Waffenruhe im Nahen Osten
  • Kupfer: einzige durchgehend positive Jahresperformance, Zoll-Unsicherheit als latenter Belastungsfaktor
  • Kaffee: höchste Volatilität im Sektor, wetterabhängige Kursausschläge in beide Richtungen

Gold und Silber leiden unter derselben Zinslogik, doch die industrielle Komponente lässt Silber deutlich stärker schwanken. Brent bewegt sich im Rhythmus der Nahost-Diplomatie – jede Verschärfung treibt kurzfristig den Risikoaufschlag, jede Entspannung drückt ihn ebenso schnell wieder. Kupfer nimmt eine Sonderrolle ein, da es gleichzeitig als Konjunkturbarometer und als Zielscheibe der US-Handelspolitik fungiert. Kaffee schließlich zeigt, wie sensibel Agrarrohstoffe auf einzelne Wetterberichte reagieren.

Rohstoffmärkte zwischen Wetterrisiko und Zinswende

Für die kommenden Wochen rücken mehrere Termine in den Fokus. Bei Gold und Silber dürften anstehende US-Inflationsdaten über die kurzfristige Richtung entscheiden – ein überraschend schwacher Wert könnte beiden Edelmetallen Auftrieb geben. Am Ölmarkt bleibt die Lage rund um die Straße von Hormuz der entscheidende Faktor, wobei sowohl Deeskalation als auch neue Zwischenfälle den Kurs binnen Tagen um mehrere Prozentpunkte bewegen können.

Beim Kupfer wird die endgültige Zollentscheidung mit Spannung erwartet, zumal die einseitige spekulative Positionierung am Terminmarkt scharfe Ausschläge in beide Richtungen begünstigt. Beim Kaffeepreis bleibt der Erntefortschritt in Brasilien maßgeblich – insbesondere ob sich die für die zweite Julihälfte erwarteten Regenfälle tatsächlich materialisieren. Wetterberichte, Zentralbankprotokolle und geopolitische Nachrichten dürften den Sektor damit auch in den kommenden Wochen im engen Takt bewegen.

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