Zwei Datensätze, ein Kongress: Auf dem ESMO-Kongress in Madrid hat Johnson & Johnson heute neue Ergebnisse zu Prostatakrebs vorgelegt. Im Mittelpunkt steht Erleada, dessen Wirkstoff Apalutamide vor und nach einer Operation die Rückfallrate deutlich senkte.
Erleada schlägt die Operation allein
Die PROTEUS-Substudie der Phase 3 verglich Apalutamide plus Hormonentzugstherapie direkt mit einer alleinigen Prostataentfernung. Untersucht wurden 408 Patienten mit hohem Risiko. Das Risiko für Rückfall oder Tod sank um 62 Prozent, das mediane ereignisfreie Überleben war mit Apalutamide noch nicht erreicht, bei alleiniger Operation lag es bei 19,1 Monaten.
Auch bei den Nebenzielen zeigten sich Vorteile. Das Risiko für Metastasen oder Tod lag um 51 Prozent niedriger. Nach drei Jahren blieben fast doppelt so viele Patienten ohne Folgetherapie wie in der Vergleichsgruppe.
Die Verträglichkeit entsprach der Hauptstudie. Schwere Nebenwirkungen der Grade 3 oder 4 traten bei 31 Prozent der Patienten mit Apalutamide auf, bei alleiniger Operation waren es 22 Prozent. Todesfälle durch Nebenwirkungen gab es in keinem Studienarm.
Wichtig für die Einordnung: Für diese Indikation liegt keine Zulassung vor. Erleada ist bislang bei fortgeschrittenem Prostatakrebs zugelassen. Daten zum Gesamtüberleben stehen noch aus, die Nachbeobachtung läuft. Zudem war die Studie offen angelegt, und die Gruppen waren mit 102 gegenüber 306 Patienten ungleich groß. Die Ergebnisse stützen die früheren PROTEUS-Daten vom ASCO-Plenum im Mai, ersetzen aber keine Zulassungsentscheidung.
Neuer Wirkmechanismus in der Pipeline
Parallel präsentierte der Konzern erste Daten zum Kandidaten JNJ-6143, einem oralen Wirkstoff mit neuartigem Ansatz. Er stammt aus der Übernahme von Halda Therapeutics, für die J&J 2025 rund 3,05 Milliarden Dollar zahlte.
In der frühen Studie mit stark vorbehandelten Patienten sank der PSA-Wert bei 77 Prozent der 31 auswertbaren Teilnehmer der 50-Milligramm-Gruppe um mindestens die Hälfte. Bei 48 Prozent betrug der Rückgang mindestens 90 Prozent. Von den Patienten mit bildgebend messbaren Tumoren sprachen 69 Prozent bestätigt an. Als Nebenwirkungen traten unter anderem Übelkeit und erhöhte Cholesterin- und Triglyzeridwerte auf, ein Patient brach die Behandlung ab.
Die Gruppe ist klein, über das Langzeitüberleben sagt die Studie nichts. Größere Untersuchungen müssen folgen.
Börse im Wartemodus
Die Aktie schloss am Freitag bei 263,81 Dollar, ein Minus von 1,4 Prozent. Der Handel ruht bis Montag. Dann zeigt sich, ob die Anleger die beiden Datensätze als Ergänzung der Onkologiesparte einpreisen. Die Substudie ist der konkretere Baustein: Bestätigt die Nachbeobachtung den Überlebensvorteil, könnte J&J Erleada in einem früheren Krankheitsstadium einsetzen.
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