Japans Kerninflation hat im September die Zielmarke der Notenbank überschritten. Die Verbraucherpreise ohne frische Lebensmittel stiegen im Jahresvergleich um 2,1 Prozent. Damit kletterte die Teuerungsrate auf den höchsten Stand seit neun Monaten. Für die Bank of Japan verstärkt dieser Preisschub den Handlungsdruck, die Zinsen in den kommenden Monaten weiter anzuheben.
Getrieben wurde die Teuerung vor allem durch hohe Energiekosten und teurere Importe. Der schwache Yen verteuerte eingeführte Waren spürbar. Parallel dazu trieben geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Rohölpreise an. Staatliche Subventionen für Kraftstoffe konnten diesen Aufwärtsdruck nur abfedern, aber nicht stoppen.
Auch die breite Preisdynamik zieht an. Ein von der Notenbank aufmerksam beobachteter Index, der sowohl frische Lebensmittel als auch Energiekosten ausklammert, stieg im September auf eine Spanne von 2,4 bis 2,5 Prozent. Notenbankgouverneur Kazuo Ueda hatte zuletzt gewarnt, dass die zugrundeliegende Inflation das Ziel übertreffen könnte und ein weiteres Anziehen nicht toleriert werde.
Notenbank vor nächster Weichenstellung
Die japanische Zentralbank reagierte bereits in den vergangenen Monaten auf den Preisdruck. Sie hob ihren Leitzins in diesem Jahr um kumulativ 50 Basispunkte an. Der Schlüsselsatz stieg damit auf 1,25 Prozent, das höchste Niveau seit 31 Jahren.
Marktbeobachter erwarten für die geldpolitische Sitzung in der kommenden Woche zwar zunächst keine direkte Zinsänderung. Allerdings dürfte die Notenbank ihre internen Inflationsprognosen anheben und die Bereitschaft für weitere Zinsschritte signalisieren. Hält sich der Preisanstieg über dem Zielwert von zwei Prozent, rückt eine erneute Straffung der Geldpolitik für die kommenden Monate auf die Agenda.
