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ITM Power kassiert Fördermillionen, Sektor-Kurse rutschen ab

ITM Power erhält 46,5 Mio. Pfund Förderung, während Ballard Power nach Übernahmeankündigung und Nel ASA nach schwachen Zahlen Kursverluste erleiden.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • ITM Power erhält Millionen-Förderung
  • Ballard Power kündigt GeoPura-Übernahme an
  • Nel ASA: Umsatzrückgang und Chef-Suche
  • FuelCell Energy profitiert von KI-Nachfrage

Während in Sheffield britische Steuergelder in eine neue Elektrolyseur-Fabrik fließen, wird in Vancouver eine Übernahme verdaut, die den ganzen Sektor aufhorchen lässt. Die vergangene Handelswoche zeigt die Wasserstoff-Branche einmal mehr in zwei Geschwindigkeiten: Auf der einen Seite frisches Fördergeld und milliardenschwere Wachstumspipelines, auf der anderen Seite Kursverluste über breite Front. Nel ASA, ITM Power, Ballard Power, AFC Energy und FuelCell Energy demonstrieren, wie unterschiedlich weit die einzelnen Player auf dem Weg zur Profitabilität schon gekommen sind.

Nel ASA: Führungssuche trifft auf mageren Auftragseingang

Der norwegische Elektrolyseur-Hersteller bleibt operativ ein Sanierungsfall. Der zweite Quartalsbericht zeigte einen Umsatzrückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 153 Millionen norwegische Kronen, während der Auftragsbestand bei 1,2 Milliarden Kronen und die Kassenreserve bei 1,3 Milliarden Kronen lag. Ein Teil des negativen EBITDA von 155 Millionen Kronen resultierte aus einer Einmalzahlung im Zuge der beigelegten Iwatani-Streitigkeit – bereinigt um diesen Posten wäre die operative Entwicklung stabiler ausgefallen, als es die Schlagzeile vermuten lässt.

Die Hoffnung ruht auf einer neuen druckbeaufschlagten Alkali-Plattform, die Stellfläche und Investitionskosten deutlich senken soll und mit 135 Millionen Euro aus EU-Fördermitteln unterlegt ist. Bis Ende 2026 sollen 500 Megawatt Fertigungskapazität stehen, 2027 dann eine Verdopplung auf ein Gigawatt. Am Aktienmarkt kommt davon bislang wenig an: Der Titel schloss am Freitag bei 0,1944 Euro, ein Minus von 1,12 Prozent auf Tagesbasis und von 8,52 Prozent binnen 30 Tagen. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein leichtes Plus von 2,97 Prozent zu Buche. Die laufende Suche nach einem neuen Firmenchef sorgt zusätzlich für Unsicherheit, und die Analystenmeinungen sind eindeutig ablehnend: Keiner der abdeckenden Häuser rät derzeit zum Kauf.

ITM Power: Chronos-Linie wird zum Förderprojekt des Jahres

Kaum ein Wasserstoff-Titel profitiert derzeit so sichtbar von staatlicher Unterstützung wie ITM Power. Das britische Wirtschaftsministerium hat einen Zuschuss über 46,5 Millionen Pfund final bewilligt, ergänzt um eine Eigenkapitalspritze von 40 Millionen Pfund durch Great British Energy. Beide Summen fließen in die neue Chronos-Fertigungslinie in Sheffield, die auf bestehendem Trident-Know-how aufbaut. Insgesamt sind bis zu 120 Millionen Pfund Investitionsvolumen über drei Jahre eingeplant, kommerzieller Betrieb wird für 2028 angepeilt.

Firmenchef Dennis Schulz wertete die Förderzusage als Bestätigung der eigenen Strategie und sieht ITM Power damit im Zentrum der britischen Wasserstoffwirtschaft positioniert. Die operativen Kennzahlen untermauern das: Ein Rekord-Halbjahresumsatz von 18 Millionen Pfund traf auf einen verringerten Bruttoverlust und eine komfortable Kassenposition von 197,8 Millionen Pfund. Der Auftragsbestand wuchs auf 152 Millionen Pfund, mit einem Anteil profitabler Verträge von 71 Prozent. Trotz dieser guten Nachrichten geriet die Aktie zuletzt unter Druck: Am Freitag ging es um 1,15 Prozent auf 1,20 Euro nach unten, auf Monatssicht steht ein Rückgang von 18,63 Prozent zu Buche. Seit Jahresanfang bleibt mit 66,00 Prozent dennoch ein deutliches Plus, und die Analystengemeinde bewertet den Titel mehrheitlich mit Kaufempfehlungen.

Ballard Power: Umsatzverfehlung überschattet von GeoPura-Deal

Ballard Power lieferte ein zwiespältiges zweites Quartal ab. Der Umsatz blieb mit 21 Millionen US-Dollar unter der Analystenschätzung von 25,72 Millionen Dollar zurück, gleichzeitig verbesserte sich die Bruttomarge deutlich von minus 8 auf plus 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragseingang von 64 Millionen Dollar stärkte den Backlog auf 157 Millionen Dollar, während die Kassenreserve zum Quartalsende bei 502 Millionen Dollar lag.

Die eigentliche Nachricht der Woche war jedoch die geplante Übernahme von GeoPura für 275 Millionen Pfund Vorabvergütung. Firmenchef Marty Neese bezeichnete den Schritt als transformative Weichenstellung, die Ballard vom reinen Ausrüstungshersteller zu einem Anbieter wiederkehrender, servicebasierter Umsätze im wachsenden Off-Grid-Generatorenmarkt machen soll – mit dem erklärten Ziel, bis Ende 2027 profitabel zu werden. Der Aktienkurs quittierte die gemischten Nachrichten mit deutlichen Abschlägen: Am Freitag verlor der Titel 5,03 Prozent auf 2,30 Euro, auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 8,94 Prozent, auf Monatssicht auf 26,22 Prozent. Der Wert notiert damit weit unter seinem 52-Wochen-Hoch, seit Jahresbeginn bleibt aber noch ein Plus von 5,21 Prozent.

AFC Energy: Ammoniak-Cracking soll Wasserstoffpreise unterbieten

AFC Energy setzt weniger auf kurzfristige Kurstreiber als auf die Kommerzialisierung dezentraler Wasserstofferzeugung. Die Tochter Hyamtec treibt den Hy-5-Cracker voran, ein containerisiertes, tragbares Modul mit einer Kapazität von bis zu 500 Kilogramm pro Tag, das ab 2026 als „Plug-and-Play“-Lösung verfügbar sein soll. Der angepeilte Wasserstoffpreis von 10 Pfund je Kilogramm liegt deutlich unter aktuellen britischen Marktpreisen, die je nach Region zwischen 40 und 110 Pfund liegen.

Firmenchef John Wilson zeigt sich zuversichtlich, dass 2026 zum Jahr der Vertragsabschlüsse wird – und das ohne Abhängigkeit von staatlichen Subventionen. Kommerzielle Fortschritte gibt es bereits mit einer Entwicklungspartnerschaft mit Komatsu im Volumen von rund 2 Millionen Dollar sowie mit einem nicht namentlich genannten S&P-500-Partner, dessen erste Projektphase abgeschlossen ist. Finanziell bleibt die Lage angespannt: Nach einer Kapitalerhöhung über 27,5 Millionen Pfund im vergangenen Sommer schrumpfte die Barreserve bis Ende Januar auf 20,4 Millionen Pfund, begleitet von Stellenabbau. Am Aktienmarkt spiegelt sich der Anlegerzweifel deutlich wider: Der Kurs brach am Freitag um 7,99 Prozent auf 0,1152 Euro ein, binnen einer Woche summiert sich der Verlust auf 8,72 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 2,70 Prozent zu Buche.

FuelCell Energy: KI-Fantasie trifft auf gespaltenes Analystenlager

Kaum ein Titel im Sektor polarisiert derzeit so stark wie FuelCell Energy. Getrieben von der Nachfrage aus Rechenzentren hat die Aktie seit Jahresbeginn um 169,59 Prozent zugelegt, auf Zwölfmonatssicht sogar um 354,13 Prozent. Operativ zeigte das jüngste Quartal zwar einen Umsatzrückgang von 5 Prozent sowie eine hohe nicht zahlungswirksame Wertminderung, doch fast 90 Prozent der stark ausgeweiteten Vertriebspipeline von 4 Gigawatt sind mittlerweile mit KI- und Rechenzentrumsprojekten verknüpft, gestützt durch das neue 12,5-Megawatt-„Energy Block“-Produkt.

Auf der Finanzierungsseite sicherte sich das Unternehmen ein Paket der US-Exportbank über 49 Millionen Dollar zur Unterstützung von Exporten nach Südkorea sowie eine öffentliche Aktienplatzierung über 200 Millionen Dollar. Die Analystenmeinungen bleiben gespalten: Während manche Häuser eine Kaufempfehlung mit Kursziel um 22,83 Dollar ausgeben, stufen andere den Titel nur als „Halten“ ein. UBS-Analyst Manav Gupta hob sein Rating auf Kaufen an und erhöhte das Kursziel von 22 auf 27 Dollar – ein implizites Aufwärtspotenzial von 42 Prozent. Am Freitag geriet der Kurs dennoch deutlich unter Druck und fiel um 8,23 Prozent auf 18,79 Euro, während er auf Wochensicht mit minus 0,58 Prozent vergleichsweise stabil blieb.

Sektordynamik im Überblick

  • ITM Power und FuelCell Energy profitieren von handfesten Rückenwinden – staatliche Förderung im einen, KI-Nachfrage im anderen Fall – und bauen ihre Auftragsbücher trotz roter Zahlen aus
  • Ballard Power befindet sich im Übergang: Die GeoPura-Übernahme soll den Wandel vom Ausrüster zum Servicedienstleister einläuten
  • Nel ASA und AFC Energy stecken noch tiefer in der Turnaround-Phase, mit schrumpfenden Barreserven und Abhängigkeit von neuen Produktlinien
  • Alle fünf Unternehmen bleiben unprofitabel und finanzieren ihr Wachstum über Fördermittel, Exportkredite oder Kapitalerhöhungen
  • Die Analystenmeinungen laufen weit auseinander – von Nels klarem Verkaufsvotum bis zu ITMs Kaufempfehlung

Die Kursverluste der vergangenen Handelstage bei Ballard, AFC Energy und FuelCell zeigen, wie nervös der Markt auf gemischte Nachrichten reagiert, selbst wenn strategische Fortschritte dahinterstehen.

Wasserstoff-Branche zwischen Fördergeld und Vertrauensfrage

Die kommenden Monate dürften zeigen, ob sich ITM Powers Chronos-Investition und FuelCells KI-Pipeline tatsächlich in feste, umsatzwirksame Verträge übersetzen lassen. Ballards GeoPura-Übernahme braucht zunächst regulatorische Freigaben, bevor sich die neue Servicestrategie am Markt beweisen kann. Bei Nel ASA bleibt die Besetzung der Chefetage ebenso entscheidend wie der kommerzielle Rollout der neuen Alkali-Plattform, während AFC Energy zeigen muss, dass sich Komatsu- und weitere Partnerschaften in bindende Aufträge verwandeln lassen, ohne die Aktionäre weiter zu verwässern. Kassenreichweite, Auftragskonversion und das Tempo staatlicher oder strategischer Finanzierung dürften auch im weiteren Jahresverlauf die entscheidenden Stellschrauben für den gesamten Sektor bleiben.

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Diskussion zu Nel ASA

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.