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ITM Power Aktie: Rekordumsatz bringt keine schwarzen Zahlen

Für 2027 stellt ITM Power mehr Umsatz und geringere, aber weiterhin negative bereinigte EBITDA-Ergebnisse in Aussicht.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Geschäftsjahr 2026 mit 43,6 Millionen £ Umsatz
  • Bereinigtes EBITDA blieb mit 20,2 Millionen £ negativ
  • Vertraglicher Auftragsbestand: 144 Millionen £
  • Peel Hunt senkte das Kursziel auf 88 Pence

Die am Mittwoch gemeldete Unverfallbarkeit bereits zugesagter Optionen für die Führung von ITM Power verändert den Anlagefall aus meiner Sicht nicht entscheidend. Wichtiger ist, ob das Unternehmen seine Aufträge in Umsatz umsetzt und die Verluste reduziert. Daran sollte sich die Bewertung orientieren – nicht an der nächsten Meldung über Vergütungsprogramme. Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen Fortschritte, aber noch keinen operativen Durchbruch.

Vergütung ist kein Fortschrittsnachweis

Die Mitteilung vom Mittwoch betraf insgesamt 431.157 zuvor gewährte Optionen für CEO Dennis Schulz und CTO Simon Bourne. Der Ausübungspreis beträgt 0,05 £ je Aktie. Damit geht es um bestehende Vergütungszusagen, nicht um einen neuen Auftrag oder eine Verbesserung der Ergebnisprognose.

Solche Meldungen verdienen Aufmerksamkeit. Ihre wirtschaftliche Bedeutung sollte allerdings nicht mit der Bedeutung operativer Nachrichten verwechselt werden. Für mich ist entscheidend, ob die Führung die angekündigte Geschäftsentwicklung tatsächlich erreicht. Die Unverfallbarkeit von Optionen allein liefert dafür keinen zusätzlichen Beleg.

Auch die am 22. Oktober gemeldeten Transaktionen von Schulz verlangen eine nüchterne Einordnung. Er übte Optionen aus und verkaufte einen Teil der Aktien zur Begleichung von Steuerverbindlichkeiten. Diese ausdrücklich genannte Zweckbindung spricht dagegen, den Verkauf ohne Weiteres als negatives Urteil des CEO über das Unternehmen zu interpretieren.

Umgekehrt wäre es ebenso verkürzt, aus Vergütungs- oder Beteiligungsmeldungen Zuversicht für das operative Geschäft abzuleiten. Anleger sollten zwischen persönlichen Transaktionen und der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens unterscheiden. Beides kann relevant sein, beantwortet aber unterschiedliche Fragen.

Der Auftragsbestand muss sich bewähren

Die am 19. Oktober veröffentlichten vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 enthalten den wichtigeren Maßstab: ITM Power erzielte einen Rekordumsatz von 43,6 Millionen £. Gleichzeitig entstand ein bereinigter EBITDA-Verlust von 20,2 Millionen £.

Das ist ein Fortschritt mit deutlicher Einschränkung. Ein Umsatzrekord zeigt geschäftliche Aktivität, ersetzt aber keine tragfähige Ertragsentwicklung. Solange das bereinigte operative Ergebnis negativ bleibt, sollte aus meiner Sicht die Qualität der Umsetzung stärker zählen als der Rekordcharakter des Umsatzes.

Der vertragliche Auftragsbestand belief sich auf 144 Millionen £. Nach Unternehmensangaben waren davon 83 % profitabel. Das ist eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung, aber noch kein Nachweis bereits realisierter Ergebnisse.

Genau hier liegt für mich der Kern des Anlagefalls: Der Bestand muss zu Umsatz werden und die Ergebnisentwicklung verbessern. Die Profitabilität der Aufträge ist dabei nicht mit der Profitabilität des gesamten Unternehmens gleichzusetzen. Diese Unterscheidung schützt vor einer zu optimistischen Lesart der Zahlen.

Laut Reuters senkte Peel Hunt am 22. Oktober das Kursziel von 92 auf 88 Pence. Das Analysehaus beschrieb das Geschäftsjahr 2027 eher als Jahr der Umsetzung und Auftragskonversion denn als Nachfragejahr.

Diese Einordnung überzeugt mich stärker als eine reine Debatte über das Kursziel. Peel Hunt hob den zeitlichen Ablauf von Wasserstoffprojekten als wesentliches Risiko hervor. Entscheidend ist damit nicht allein, dass Aufträge vorhanden sind, sondern auch, wann sie geschäftlich wirksam werden.

Die Prognose verlangt weiter Geduld

Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet ITM Power einen Umsatz von 50 bis 60 Millionen £. Das Unternehmen stellt damit weiteres Wachstum in Aussicht.

Bei der Ergebnisentwicklung bleibt die Perspektive vorsichtiger. Die Prognose sieht einen bereinigten EBITDA-Verlust zwischen 17 und 20 Millionen £ vor. Eine Rückkehr zu einem positiven bereinigten EBITDA stellt ITM Power damit nicht in Aussicht.

Auch die Liquidität verdient Beachtung. Zum Ende des Geschäftsjahres 2026 betrug der Kassenbestand 215,6 Millionen £, einschließlich einer Eigenkapitalzufuhr von Great British Energy über 40 Millionen £.

Diese Finanzierung stärkt den finanziellen Spielraum. Sie ist jedoch kein Ersatz für operative Verbesserungen.

Für das Geschäftsjahr 2027 prognostiziert ITM Power einen Kassenbestand von 170 bis 180 Millionen £. Gestern verzeichnete die Aktie eine Tagesveränderung von -10%.

Aus diesem Kursverlust allein lässt sich kein neues operatives Urteil ableiten. Mein Fazit bleibt dennoch zurückhaltend: Auftragsbestand und Liquidität geben ITM Power eine Grundlage. Überzeugender wird der Anlagefall erst, wenn daraus verlässlich mehr Umsatz und geringere Verluste entstehen.

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Diskussion zu ITM Power

Felix Baarz

Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Kapitalmarktexperten seit August 2026 Beiträge zu Analystenstimmen, Quartalszahlen und Übernahmen sowie Marktberichte zu DAX und europäischen Märkten.Quellen dieses Ressorts: Analystenstudien und Researchmitteilungen der Häuser, Quartals- und Geschäftsberichte, Angebotsunterlagen und Pflichtmitteilungen bei Übernahmen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.