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ITM Power Aktie: Fördermillionen gegen Auftragslücke

ITM Power erhält 86,5 Millionen Pfund für Chronos-Fertigung, doch das Auftragstempo entscheidet über den Aktienkurs.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Finanzierung für Chronos-Produktion steht
  • Auftragsbestand auf 152 Millionen Pfund
  • Entscheidungen zu Cromarty und Stablegrid
  • Aktie notiert unter 50-Tage-Durchschnitt

46,5 Millionen Pfund Fördergeld vom britischen Energieministerium, dazu 40 Millionen Pfund Eigenkapital von Great British Energy. ITM Power hat sein Finanzierungsproblem gelöst. Die Aktie notiert trotzdem 21,82 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1,68 Euro — aktuell bei 1,32 Euro.

Die eigentliche Frage lautet nicht mehr, ob das Geld kommt. Sie lautet, ob neue Aufträge schnell genug hereinkommen, um die eigenen Umsatzversprechen zu erfüllen.

Die Ausgangslage: Kapital gesichert, Zahlen zwiespältig

Mit den frischen Mitteln baut ITM Power in Sheffield eine eigene Fertigungslinie für den neuen Chronos-Elektrolyseur-Stack. Das Unternehmen nutzt dafür die bestehende Trident-Produktionsplattform, um das Umsetzungsrisiko zu senken. Am Ende soll die Anlage mit fortschrittlicher Automatisierung und Reinraum-Fertigung eine Kapazität von bis zu 1 Gigawatt pro Jahr erreichen.

Auf der operativen Seite zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Halbjahresumsatz kletterte auf ein Rekordniveau von 18 Millionen Pfund, getrieben von Anlagenverkäufen. Der Bruttoverlust schrumpfte von 10,2 Millionen auf 6,5 Millionen Pfund. Trotzdem bleibt ITM Power ein Verlustunternehmen: Der erwartete EBITDA-Verlust für das Geschäftsjahr 2026 liegt weiterhin bei 27 bis 29 Millionen Pfund — trotz der angehobenen Umsatzprognose.

Die entscheidende Kennzahl: Reicht das Auftragstempo?

Der Auftragsbestand ist auf 152 Millionen Pfund angewachsen. Der Anteil profitabler Aufträge stieg von 60 Prozent im April 2025 auf inzwischen 71 Prozent. Das klingt nach solider Basis.

Die verbesserte Qualität beantwortet aber nicht die zentrale Frage: Kommen neue Buchungen schnell genug herein, um das Wachstum zu rechtfertigen, das der Markt seit Februar einpreist? Genau daran wird sich entscheiden, ob die Rally weitergeht oder weiter abbröckelt.

Bullisches Szenario: Finanzierung steht, Pipeline wächst

Mit der Chronos-Finanzierung fällt eines der größten Ausführungsrisiken weg. ITM Power diversifiziert zudem über einmalige Anlagenverkäufe hinaus in mehrere parallele Projektlinien.

An der schottischen Küste bringt die Partnerschaft mit Protium zusätzliches Volumen. Erstes Vorhaben ist das Cromarty-Wasserstoffprojekt in den schottischen Highlands, eine 15-Megawatt-Elektrolyseur-Anlage. Die finale Investitionsentscheidung wird für Dezember 2026 erwartet.

In Deutschland arbeitet ITM mit der Stablegrid Group an zwei Energieinfrastruktur-Projekten mit zusammen 710 Megawatt Elektrolyseur-Kapazität. Auch hier steht eine erste Investitionsentscheidung noch in diesem Jahr an. Fallen beide Entscheidungen positiv aus, bekäme der Auftragsbestand ein zweites Wachstumsbein neben den laufenden Altverträgen.

Die Investmentbank Berenberg hat ihre Haltung bereits angepasst und das Kursziel von 110 auf 200 britische Pence angehoben — ein Signal wachsenden Vertrauens, dass die operative Umsetzung mit der Wachstumsstory mithalten kann.

Bärisches Szenario: Verlangsamte Pipeline, alte Lasten

Das Risiko ist real. Ein Teil der Altverträge mit niedriger Marge wird auch dieses Jahr noch abgearbeitet und drückt die Gesamtmarge. Sowohl Cromarty als auch Stablegrid warten noch auf ihre finalen Investitionsentscheidungen — keine der beiden Zahlen ist bereits gebuchter Umsatz.

Jede Verzögerung über die anvisierten Termine hinaus schiebt die Umsatzrealisierung weiter in die Zukunft. Auch der Chronos-Hochlauf selbst ist nicht risikofrei: kundenspezifische Automatisierungstechnik und ein reibungsloser Produktionsstart sind nie garantiert.

Dazu kommt ein härterer Wettbewerb. Der grüne Wasserstoffmarkt bleibt volatil und stark umkämpft, größere Player wie Plug Power schnappen sich bereits Aufträge. Charttechnisch hat sich die Kursdynamik spürbar verschlechtert, obwohl sich die Fundamentaldaten verbessert haben — eine Diskrepanz, die bärisch eingestellte Investoren als Zeichen dafür lesen, dass der Markt das Ausführungsrisiko stärker gewichtet, als es der Auftragsbestand nahelegt.

Ausblick: Bewährungsprobe an zwei Terminen

Seit dem Februar-Tief bei 0,65 Euro hat sich die Aktie mehr als verdoppelt, notiert aber noch immer 48,91 Prozent unter ihrem Mai-Hoch von 2,58 Euro. Solange der 200-Tage-Durchschnitt bei rund 1,08 Euro als Unterstützung hält, bleibt der mittelfristige Aufwärtstrend seit Februar intakt.

Läuft der Chronos-Hochlauf ohne Kostenüberschreitungen und fällt die Cromarty-Entscheidung positiv aus, dürfte das die bullische Erzählung dieses Jahres bestätigen. Verschieben sich Cromarty oder Stablegrid dagegen, oder drücken die margenschwachen Altverträge weiter auf die Zahlen, droht ein erneuter Test tieferer Unterstützungszonen nahe dem Februar-Tief.

Die nächsten konkreten Marker sind die finale Investitionsentscheidung zu Cromarty, die das Management für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet, sowie die parallele Stablegrid-Entscheidung im selben Zeitfenster. Erst diese beiden Termine werden zeigen, ob der Auftragsbestand von ITM Power tatsächlich beschleunigt — oder lediglich in höherwertige, aber weiterhin unkonvertierte Zusagen umgeschichtet wird.

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