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ITM Power Aktie: 40 Millionen Pfund vom Staat

Great British Energy steigt mit 40 Millionen Pfund bei ITM Power ein. Analysten sehen den Wert der Aktie sehr unterschiedlich.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Staatliche Beteiligung von über 10 Prozent
  • 40 Millionen Pfund frisches Kapital
  • Analysten uneins über Aktienbewertung
  • Branche leidet unter Kapitalabzug

Während die grüne Wasserstoffbranche ihre Ambitionen still zu Grabe trägt, bleibt ITM Power eine der wildesten Wetten der Londoner Börse auf genau diese Technologie. Die Chartlinie erzählt dabei eine unbequeme Geschichte: Ein Staat springt ein, wo private Investoren längst das Weite gesucht haben.

Eine Rally, die ins Stocken geraten ist

Die ITM-Power-Aktie notiert aktuell bei 1,34 Euro, ein Plus von 0,98 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss. Diese Ruhe täuscht über die jüngste Talfahrt hinweg. Binnen einer Woche verlor das Papier 5,57 Prozent, auf Monatssicht sogar 14,17 Prozent.

Zoomt man weiter heraus, kippt das Bild komplett. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 84,56 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 47,79 Prozent. Wenige Aktien schwanken so heftig zwischen Euphorie und Ernüchterung.

Vom Jahreshoch bei 2,58 Euro, erreicht am 29. Mai 2026, trennen die Aktie inzwischen 48,06 Prozent. Zum Zwölfmonatstief von 0,65 Euro aus dem Februar liegt dagegen ein Polster von 106,64 Prozent. Der Kurs liegt 21,14 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,70 Euro, bewegt sich nahe am 100-Tage-Schnitt von 1,34 Euro und übertrifft den 200-Tage-Durchschnitt von 1,08 Euro um fast ein Viertel. Ein RSI von 41,6 zeigt: Die Überhitzung ist verflogen, eine klare Verkaufspanik aber auch nicht. Bei einer annualisierten Volatilität von 106,17 Prozent schwankt dieser 932-Millionen-Euro-Konzern bei jeder Nachricht heftig.

Der Staat als letzter Gläubiger des Glaubens

Ungewöhnlich an ITM Power ist nicht die Volatilität selbst. Viele kleine Industriewerte schwanken so stark. Ungewöhnlich ist, wer hier das Risiko trägt.

Great British Energy hat im zweiten Quartal 2026 eine Beteiligung von etwas über 10 Prozent übernommen und dafür 40 Millionen Pfund frisches Kapital eingebracht. Zusammen mit einem separaten staatlichen Zuschuss soll dieses Geld eine automatisierte Fertigung für die nächste Elektrolyseur-Generation aufbauen. In einer Branche, in der privates Kapital zunehmend die Finger von verlustreichen Wasserstoffwetten lässt, ist ein britischer Staat als strategischer Aktionär mehr als übliche Subventionspolitik. Es ist ein politisches Vertrauensvotum in das Überleben von ITM Power.

An der Börse teilt nicht jeder diesen Glauben. Berenberg sieht den fairen Wert bei 200 Pence, Goldman Sachs rät zum Verkauf, und der Analystenkonsens landet im Mittel bei gerade einmal 131 Pence. Selten liegen die Einschätzungen einer einzigen Aktie derart weit auseinander — ein Verkaufsrating der einen Bank neben einem fast doppelt so hohen Kursziel der anderen.

Reicht ein einziger Regierungs-Scheck über 40 Millionen Pfund aus, um eine ganze Technologie am Leben zu halten? Die Antwort hängt davon ab, ob ITM Power aus politischem Wohlwollen und Fördergeld tatsächlich ein dauerhaft profitables Geschäft formen kann. Oder ob am Ende doch nur eine spekulative Wette auf eine Technologiekurve übrig bleibt, die sich immer weiter nach hinten verschiebt.

Ein Sektor im Rückzug

Der Kontext macht die Sache brisanter. In der gesamten Grünwasserstoff-Branche ist die Stimmung binnen eines Jahres deutlich kälter geworden. Nel, ITM Power, Plug Power und FuelCell Energy schreiben 2026 allesamt weiterhin rote Zahlen, gefangen in einem jungen Markt mit hohen Kapitalkosten und begrenzten Umsätzen.

Manche Wettbewerber haben schlicht aufgegeben. Der dänische Elektrolyseur-Hersteller Green Hydrogen Systems meldete im Juni 2025 Insolvenz an. Cummins kündigte Anfang 2026 an, die kommerzielle Elektrolyseur-Aktivität seiner Sparte Accelera einzustellen — nach einer Wertberichtigung von 458 Millionen Dollar.

Vor diesem Rückzug wirkt die staatliche Rückendeckung für ITM Power wie ein echtes Unterscheidungsmerkmal. Sie wirft aber auch die Frage auf, ob das Schicksal des Unternehmens inzwischen stärker an die britische Industriepolitik gekoppelt ist als an die tatsächliche Nachfrage nach grünem Wasserstoff. Wird die Regierung zum größten strategischen Geldgeber, entscheidet ihre Bereitschaft, weiter Schecks auszustellen, mindestens so sehr über die Zukunft wie das Auftragsbuch selbst.

Der Kursverlauf von ITM Power spiegelt die Stimmungsschwankungen der gesamten Branche fast eins zu eins: euphorische Rallys bei politischen Erfolgen, scharfe Rückschläge, sobald Umsetzungsrisiken zurückkehren. Bei einer Volatilität von über 100 Prozent und einem Kurs tief im Graben zwischen Jahreshoch und Jahrestief wird sich in den kommenden Monaten weniger an der Stimmung entscheiden als an einer konkreten Frage: Kann ITM Power aus staatlich finanzierter Fertigungskapazität tatsächlich kommerzielle Verträge machen? Diese Antwort würde mehr wiegen als jedes einzelne Kursziel einer Analystenbank.

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