Während US-Präsident Donald Trump seine handelspolitische Agenda verschärft und internationale Märkte nervös auf weitere Zoll-Ankündigungen reagieren, liefert Italien überraschend positive Signale: Die Exporte in die Vereinigten Staaten sind 2025 um mehr als 7 Prozent gestiegen – und das trotz der im Juli verhängten 15-prozentigen Strafzölle auf die meisten EU-Waren.
Italienische Exportstärke überrascht Skeptiker
Die am Dienstag veröffentlichten Zahlen des italienischen Statistikamts ISTAT zeigen eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone. Mit einem Exportvolumen von 69,6 Milliarden Euro legten die Lieferungen in die USA um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Italien verzeichnete damit seinen größten Handelsüberschuss mit den USA in Höhe von 34,2 Milliarden Euro – trotz eines 36-prozentigen Anstiegs bei den Importen, der den Saldo gegenüber 2024 um 12 Prozent schmälerte.
Das Ergebnis widerlegt düstere Prognosen: Emanuele Orsini, Chef des italienischen Industrieverbands, hatte im Juli noch gewarnt, dass selbst ein 10-Prozent-Zoll italienische Exporte um 20 Milliarden Euro einbrechen und 118.000 Arbeitsplätze kosten könnte. Die Realität sieht anders aus. Seit Inkrafttreten der Zölle im August expandierten die Exporte im Durchschnitt weiter, auch wenn der monatliche Trend volatil blieb – im Dezember gingen die Lieferungen minimal um 0,4 Prozent zurück.
Trump-Administration zwischen Protektionismus und Pragmatismus
Die italienischen Zahlen illustrieren eine komplexe Gemengelage in der US-Handelspolitik. Die 15-prozentigen Zölle waren im Juli nach monatelangen Verhandlungen und Drohungen mit noch schärferen Maßnahmen verhängt worden – ein Deal, der die Finanzmärkte zeitweise in Aufruhr versetzte. Zusätzlich schwebt eine Anti-Dumping-Untersuchung des US-Handelsministeriums über italienischen Pastaherstellern.
Doch während Trump öffentlich mit weiteren Zöllen droht, signalisieren andere Entwicklungen einen pragmatischeren Kurs. Analysten bei Citi und anderen Banken erwarten, dass die Administration im Hinblick auf die Zwischenwahlen im Herbst ihre aggressive Rhetorik mäßigen könnte. „Wir denken, dass die ‚Animal Spirits‘ etwas zurückkehren werden“, sagte Dan Tobon, Leiter der G10-Währungsstrategie bei Citi. Eine wachstumsorientierte und weniger politisch volatile Trump-Regierung vor den Midterms könnte positive Impulse setzen.
Dollar zeigt Anzeichen einer Erholung
Die Märkte beginnen sich auf eine mögliche Trendwende beim US-Dollar einzustellen, der seit dem sogenannten „Liberation Day“ um 6,7 Prozent gefallen ist und im Januar ein Vierjahrestief erreichte. Nach vier Monaten Abwärtstrend sehen Analysten nun Faktoren, die dem Greenback wieder Auftrieb verleihen könnten.
„Wir sind Dollar-Bullen in einer Welt voller Dollar-Bären“, konstatiert Tobon. Verbesserte US-Wachstumsaussichten, anhaltendes ausländisches Interesse an amerikanischen Aktien und Anleihen sowie Erwartungen einer maßvolleren Trump-Politik könnten den Dollar bis mindestens zum dritten Quartal stärken – vor allem gegenüber Euro, kanadischem Dollar und Pfund Sterling.
Die Nominierung von Kevin Warsh zum Fed-Chef hat zusätzlich beruhigend gewirkt. Warsh gilt als konservative Stimme, die eine übermäßige Lockerung der Geldpolitik ablehnt und gegen weitere Anleihekäufe der Zentralbank ausspricht. Seine Reputation als „ruhige Hand“ hat Sorgen über einen Kontrollverlust der Fed gedämpft – ein Faktor, der den Dollar zuvor belastet hatte.
Fed-Dilemma: Warsh‘ Balance-Sheet-Pläne treffen auf Realität
Warsh steht allerdings vor erheblichen Herausforderungen bei seinem erklärten Ziel, die Fed-Bilanz zu verkleinern. Mit aktuell 6,7 Billionen Dollar liegt sie zwar deutlich unter dem Höchststand von 9 Billionen im Frühjahr 2022, doch weitere Kürzungen erweisen sich als kompliziert.
Das Problem: Das aktuelle Geldsystem der Fed erfordert hohe Liquiditätsreserven im Bankensystem. Eine drastische Bilanzverkürzung würde die Kontrolle über die Zinssätze erschweren und könnte zu erheblicher Volatilität an den Geldmärkten führen – „eine Kur, die schlimmer als die Krankheit sein könnte“, warnen Ökonomen Stephen Cecchetti und Kermit Schoenholtz.
Warsh kritisiert seit langem, dass die aufgeblähte Fed-Bilanz die Finanzmärkte verzerrt und Wall-Street-Interessen begünstigt. Er argumentiert, eine Verkleinerung würde Liquidität in die Realwirtschaft lenken und niedrigere Zinsen ermöglichen. Analysten von J.P. Morgan und Morgan Stanley bezweifeln jedoch, dass eine Rückkehr zur quantitativen Straffung (QT) realistisch ist – sie würde höhere Kreditkosten signalisieren und die Bereitschaft der Fed untergraben, die Bilanz künftig als geldpolitisches Instrument einzusetzen.
Globale Perspektiven: Von London bis Tokio
Die weltweiten Arbeitsmärkte zeigen unterschiedliche Dynamiken. In Großbritannien ist die Arbeitslosenquote auf 5,2 Prozent geklettert – den höchsten Stand seit Januar 2021. Das Lohnwachstum moderiert sich, was Argumente für weitere Zinssenkungen der Bank of England liefert. Analysten erwarten Schritte bereits im März und Juni, wobei die Arbeitslosenquote bis Jahresende Richtung 5,5 Prozent driften könnte.
In Japan zeigte das BIP im vierten Quartal nur ein mageres Plus von 0,2 Prozent annualisiert – weit unter den erwarteten 1,6 Prozent. Dennoch hat der Yen zuletzt an Stärke gewonnen und am Dienstag die Verluste vom Montag wettgemacht. Premierministerin Sanae Takaichis expansive Fiskalpolitik nach ihrem Wahlsieg Anfang Februar sorgt für gemischte Signale: Während Anleiherenditen gesunken sind und Portfolioflüsse zurückkehren, warnen Skeptiker vor verfrühter Euphorie.
Italien hat derweil auch mit der Schweiz und Großbritannien substanzielle Handelsüberschüsse von jeweils über 19 Milliarden Euro erzielt. Global verzeichnete das Land 2025 einen Überschuss von 50,7 Milliarden Euro – ein Anstieg gegenüber 48,3 Milliarden im Vorjahr.
Ausblick: Robustheit trifft auf Unsicherheit
Die überraschende Stärke italienischer Exporte trotz Trump-Zöllen wirft Fragen über die tatsächlichen Auswirkungen protektionistischer Maßnahmen auf. Während der Handelskonflikt schwelt und weitere Zolldrohungen im Raum stehen, zeigen etablierte Exportnationen wie Italien bislang Anpassungsfähigkeit.
Für die kommenden Wochen richten sich die Blicke auf Fed-Protokolle vom Januar-Meeting am Mittwoch sowie US-BIP-Daten am Freitag. Diese könnten Klarheit über den künftigen geldpolitischen Kurs bringen. Märkte preisen derzeit etwa 59 Basispunkte Zinssenkungen für den Rest des Jahres ein – wobei Juni als wahrscheinlichster Termin gilt.
Die zentrale Frage bleibt: Kann Trump seine aggressive Handelsrhetorik mit wirtschaftlicher Vernunft in Einklang bringen, während Zwischenwahlen näher rücken? Italien hat gezeigt, dass selbst unter widrigen Bedingungen Wachstum möglich ist. Ob diese Resilienz anhält, wird maßgeblich von Washingtons nächsten Schritten abhängen.
