Ein Führungswechsel bei der US-Notenbank, hartnäckige Inflation und ein eskalierender Preiskampf der ETF-Anbieter. Der iShares MSCI World ETF navigiert derzeit durch ein äußerst komplexes Umfeld. Das spiegelt sich im Kurs wider. Am Freitag rutschte der Fonds um 1,39 Prozent auf 199,92 US-Dollar ab und entfernte sich damit von seinem erst am Vortag markierten 52-Wochen-Hoch.
Zinsängste belasten Tech-Schwergewichte
Die US-Verbraucherpreise stiegen im April um 0,6 Prozent. Auf Jahressicht kletterte die Teuerungsrate damit auf 3,8 Prozent. Ein wesentlicher Treiber war ein Ölpreisschock infolge des Iran-Konflikts. Die Federal Reserve beließ den Leitzins daraufhin auf dem aktuellen Niveau.
Der 15. Mai markierte das Ende der Amtszeit von Jerome Powell als Fed-Vorsitzender. Sein vom Bankenausschuss bestätigter Nachfolger Kevin Warsh gilt als geldpolitischer Falke. Terminmärkte preisen Zinssenkungen für 2026 mittlerweile komplett aus. Händler kalkulieren stattdessen mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 30 Prozent für eine weitere Zinserhöhung bis Jahresende.
Das trifft das Portfolio des Welt-ETFs empfindlich. Technologieaktien machen fast 29 Prozent des Fonds aus. Die größten Positionen wie Nvidia, Apple und Microsoft sind stark wachstumsorientiert. Höhere Zinsen drücken direkt auf die Bewertungsmodelle dieser Technologieriesen.
Neue Zölle und ein harter Preiskampf
Ein weiteres Risiko baut sich im Gesundheitssektor auf, der rund ein Zehntel des Portfolios stellt. Ab Ende Juli plant die US-Regierung ein gestaffeltes Zollsystem für importierte, patentierte Medikamente. Auf Produkte aus der EU, Japan oder der Schweiz wird eine Abgabe von 15 Prozent fällig. Unternehmen ohne US-Preisabkommen drohen sogar Aufschläge von 100 Prozent.
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Parallel dazu verschärft sich der Wettbewerb der Fondsanbieter. Konkurrent Invesco senkte die Kostenquote für sein MSCI-World-Produkt kürzlich auf 0,05 Prozent. Der iShares-ETF ist mit 0,24 Prozent deutlich teurer. BlackRock verteidigt diesen Aufschlag mit einer extrem geringen Abweichung vom Referenzindex.
Index-Umbau steht bevor
Ende Mai greifen weitere strukturelle Veränderungen. MSCI nimmt im Rahmen seiner halbjährlichen Überprüfung neue Unternehmen wie Medline A und MasTec in den Weltindex auf. Am 1. Juni folgt eine angepasste Methodik zur Berechnung des Streubesitzes, die Umschichtungen erzwingt.
Ein potenzieller Börsengang von SpaceX im Juni könnte die globalen Benchmarks zusätzlich aufmischen. Bei einer anvisierten Bewertung von bis zu zwei Billionen US-Dollar würde das Raumfahrtunternehmen massive Indexkäufe auslösen. Der iShares MSCI World ETF muss diese Umbrüche nun mit einem extrem hohen RSI-Wert von 94,6 verarbeiten. Dieser Indikator signalisiert einen stark überkauften Zustand und lässt dem Kurs kurzfristig wenig Spielraum für Enttäuschungen.
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