Der iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF USD Acc büßt heute 3,9 Prozent ein und fällt auf 16,08 Euro. Auslöser ist diesmal nicht allein die Schwäche der PC-Nachfrage, sondern eine neue Sorge: Rechnen sich die gigantischen KI-Investitionen der Tech-Konzerne überhaupt?
Amazons Cashflow-Zahlen verschärfen die Debatte
Die Nachrichtenagentur AP berichtete, Amazon habe binnen eines Jahres 94,8 Milliarden Dollar in Sachanlagen gesteckt, vor allem in KI-Technologie. Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate lag bei minus 42,4 Milliarden Dollar.
Laut AP wächst damit die Sorge, ob die massiven KI-Infrastrukturausgaben der Tech-Branche ausreichende Erträge abwerfen – und ob hohe Zinsen den Ausbau der Rechenzentren bremsen könnten. Das trifft Chiphersteller direkt, da sie zu den größten Profiteuren des Datenzentrumsbooms zählen.
Reuters berichtete zusätzlich von einem branchenweiten Ausverkauf bei Halbleiterwerten, der neben Intel auch Nvidia, Broadcom, AMD, Arm, Qualcomm, Micron und TSMC erfasste. Der schwache Ausblick von Intel samt Warnung vor anhaltender PC-Marktschwäche bis mindestens zur ersten Jahreshälfte 2027 hatte bereits in dieser Woche für Druck gesorgt.
Nun kommt mit den Amazon-Zahlen eine zweite Belastungslinie hinzu: die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der AI-Investitionswelle selbst, die bislang als Wachstumstreiber für die gesamte Chipbranche galt.
Charttechnik zeigt deutliche Abkühlung
Der ETF notiert mit dem heutigen Minus klar unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 17,53 Euro, ein Abstand von 8,3 Prozent. Das signalisiert eine spürbare Eintrübung der kurzfristigen Dynamik nach den starken Vormonaten. Der Relative-Stärke-Index von 38,9 deutet zudem auf nachlassenden Kaufdruck hin, ohne bereits überverkauftes Terrain zu markieren.
Gleichzeitig bleibt der Fonds seit Jahresbeginn klar im Plus – ein Hinweis darauf, dass die aktuelle Korrektur vor allem eine Konsolidierung nach einer außergewöhnlich starken Rally ist, nicht der Beginn eines Trendbruchs.
Strukturelles Risiko statt Einzelereignis
Anders als bei früheren Rücksetzern, die sich klar auf einzelne Unternehmensmeldungen – etwa Intels Quartalsausblick oder die Explosionsfolgen in dessen israelischem Werk – zurückführen ließen, trifft die Branche nun eine grundsätzlichere Frage.
Medienberichten zufolge wächst unter Investoren die Skepsis, ob die enormen Investitionssummen von Hyperscalern wie Amazon tatsächlich in entsprechende Erträge münden.
Für einen breit diversifizierten Halbleiter-ETF wie diesen bedeutet das: Die Entwicklung hängt zunehmend nicht mehr nur an der Nachfrage nach Chips selbst, sondern an der Zahlungsbereitschaft der größten Abnehmer, ihre KI-Ausgaben fortzusetzen.
Sollten sich die Zweifel an der Rentabilität verfestigen, dürfte das die Volatilität in der Branche – aktuell bei 40 Prozent auf Jahresbasis – weiter hochhalten.
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