Erst ein Absturz um fast 18 Prozent binnen eines Monats. Dann eine Erholung an nur zwei Tagen. Der iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF hat eine der turbulentesten Wochen seiner Geschichte hinter sich.
Am Freitag schloss der Fonds bei 16,27 Euro, ein Plus von 0,27 Prozent. Auf Wochensicht bleibt trotzdem ein Minus von 5,77 Prozent. Über 30 Tage steht sogar ein Verlust von 17,90 Prozent zu Buche.
Ein brutaler Ausverkauf
Die Woche begann mit einem Kollaps quer durch die Chipbranche. Intel verlor fast 6 Prozent, AMD sackte um 8 Prozent ab. Bei den Speicherchip-Herstellern traf es Micron und Seagate mit Verlusten von über 8 Prozent, Western Digital knickte um fast 7 Prozent ein. Sandisk verlor sogar 14 Prozent.
Asien blieb nicht verschont. SK Hynix brach um 14,65 Prozent ein, Samsung Electronics verlor mehr als 13 Prozent. Auch KI-nahe Titel wie Samsung SDI und LG Innotek gerieten unter starken Verkaufsdruck.
Der Schaden summierte sich schnell. Mehr als eine Billion Dollar Marktkapitalisierung verschwanden bei den wertvollsten Chip-Konzernen der Welt. Nvidia allein verlor 238 Milliarden Dollar seit dem vorherigen Wochenschluss.
Die Kehrtwende kommt von den Hyperscalern
Am Donnerstag drehte die Stimmung abrupt. Sandisk sprang um 26 Prozent nach oben. Der Auslöser: Amazon und Microsoft erhöhten ihre Investitionspläne, um steigende Speicherchip-Kosten abzudecken.
Amazons Zahlen überzeugten gleich doppelt. Das AWS-Cloud-Geschäft wuchs stark, gleichzeitig hob der Konzern seine Investitionsplanung für 2026 von 200 auf 220 Milliarden Dollar an. Genau diese Kombination beruhigte Anleger, die zuvor eine Zurückhaltung bei KI-Infrastruktur befürchtet hatten.
Microsoft lieferte den nächsten Schub. Der Halbleiterindex PHLX sprang um 8,2 Prozent und beendete damit eine fünftägige Verlustserie. Applied Materials legte um 15 Prozent zu, Micron sogar um 18,4 Prozent.
Warum der ETF die Schwankungen voll mitnimmt
Der Fonds bildet ein breites Portfolio aus Chip-Designern, Ausrüstern und Foundries ab. Große Positionen in AMD, Intel und Micron sorgten dafür, dass er sowohl den Absturz bei Speicherchip- und KI-Sorgen als auch die anschließende Erholung nahezu eins zu eins mitmachte.
Nicht alle Beobachter lesen die Kursbewegung als fundamentales Warnsignal. Michael Field von Morningstar ordnet den Rückgang als stimmungsgetrieben ein, nicht als Ausdruck schwacher Geschäftszahlen. Seiner Einschätzung nach bleibt bei vielen KI-Aktien Aufwärtspotenzial, allerdings verlangten Wachstumswerte viel Vertrauen der Anleger in weit in der Zukunft liegende Cashflows.
Ohsung Kwon von Wells Fargo mahnt ebenfalls zur Vorsicht vor Überreaktionen. Sein Argument: Kaum eine Branche folgt den tatsächlichen Gewinnen so eng wie die Halbleiterindustrie. Nach dem Ausverkauf preist der Markt ein Gewinnwachstum von 28 Prozent ein, während die aktuelle Wachstumsrate bei rund 70 Prozent liegt.
Der Blick richtet sich auf Sandisk
Der Fonds notiert weiterhin 12,35 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 18,57 Euro. Zum Juni-Hoch von 21,52 Euro fehlen noch mehr als 24 Prozent.
Die nächste Wegmarke steht bereits fest: Sandisk legt am 5. August Quartalszahlen vor. Investoren erwarten davon weitere Hinweise darauf, ob die Nachfrage nach Speicherchips tatsächlich so robust bleibt, wie es die jüngste Kehrtwende suggeriert.
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