Der iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF zeigt am Montag erste Stabilisierungszeichen. Der Fonds schließt bei 16,49 Euro, nach einem turbulenten Monat für die Chipbranche. Über 30 Tage steht ein Minus von 13,84 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn bleibt mit 72,52 Prozent aber ein kräftiges Plus.
Der Kontrast ist bezeichnend für die aktuelle Lage der Branche. Auf der einen Seite liefern einzelne Chipwerte operative Rekordergebnisse. Auf der anderen Seite wächst die Sorge über die Finanzierbarkeit gigantischer KI-Investitionen.
Rekordzahlen aus dem zweiten Glied
onsemi legt für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 1,604 Milliarden Dollar vor. Das entspricht einem Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen nennt sein KI-Rechenzentrumsgeschäft als am schnellsten wachsenden Bereich. Der Umsatz in diesem Segment soll sich im Jahresverlauf 2026 mehr als verdoppeln.
Noch deutlicher fällt der Sprung bei Teradyne aus. Der Testsystem-Hersteller meldet am 3. August sein zweites Rekordquartal in Folge. Der Umsatz springt auf 1,33 Milliarden Dollar, ein Plus von 104 Prozent im Jahresvergleich. Treiber ist die massive Nachfrage nach Testsystemen für Hochleistungs-KI-Chips und Speicherbausteine.
Diese Zahlen zeigen etwas Wichtiges: Nicht nur die großen Prozessorhersteller tragen die Branche aktuell. Auch Zulieferer und Testsystem-Anbieter aus dem ETF-Portfolio liefern fundamentale Stütze.
Der Staat steigt tiefer ein
Am Montag verkündet das US-Handelsministerium eine frische Investition von 874 Millionen Dollar in sieben Halbleiter-Startups. Die Mittel fließen im Rahmen des Chips and Science Act, der Staat sichert sich dafür Minderheitsbeteiligungen. Das Ziel: heimische Forschung und Entwicklung stärken.
Der Schritt reiht sich in einen größeren Trend ein. Die US-Regierung hat ihr Technologie-Portfolio 2026 bereits auf 30 Unternehmen ausgeweitet, darunter eine 10-Prozent-Beteiligung an Intel. Die Lieferkette soll so widerstandsfähiger werden.
Parallel bewegt sich auch die Analystenmeinung zu den Schwergewichten der Branche. Goldman Sachs nimmt Nvidia am 3. August neu in seine Conviction List auf – trotz offener Fragen zu einer gemeldeten 250-Milliarden-Dollar-Finanzierungsgarantie für ein gigantisches Rechenzentrumsprojekt mit OpenAI-Bezug. Nvidias jüngster Quartalsumsatz erreicht trotz dieser Bedenken einen Rekordwert von 81,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 85 Prozent zum Vorjahr.
Auch ASML genießt weiter starken Analystenrückhalt. Bank of America hält am 2. August an ihrer positiven Einschätzung fest und bewertet Sorgen über regionale Konkurrenz in der Lithografie als übertrieben. Am 5. August zahlt ASML zudem eine Dividende von 1,88 Euro je Aktie aus.
Die Kluft zum Rekordhoch
Die weltweiten Halbleiterumsätze erreichen im Mai 2026 mit 120,6 Milliarden Dollar einen historischen Monatshöchstwert. Der ETF selbst notiert aber weiter 23,41 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 21,52 Euro aus dem Juni. Diese Lücke fasst die Stimmungslage der Branche treffend zusammen: operative Rekorde stehen Finanzierungsängsten gegenüber.
Der Blick richtet sich nun auf AMD. Der Chiphersteller legt seine Quartalszahlen noch am heutigen Dienstag vor, nach einem schwachen Juli für den gesamten Sektor. Bleibt der ETF über seinem 100-Tage-Durchschnitt von 16,02 Euro, könnte das den Weg zurück zu alten Höchstständen ebnen.
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