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IREN vor Quartalszahlen: Wie tragfähig ist die KI-Cloud-Wette?

IREN präsentiert am 27. August Geschäftszahlen 2026. Analysten sehen in der Kontraktierungsquote den Schlüssel für die weitere Kursentwicklung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Mirantis-Übernahme erfolgreich abgeschlossen
  • Microsoft erhält erste Rechenzentrums-Phase
  • KI-Verträge bringen 2,8 Milliarden Dollar
  • Jahresbericht erscheint am 27. August

Ausgangslage

IREN hat die Übernahme von Mirantis abgeschlossen, deren Software nun in die Cloud- und GPU-Plattform des Unternehmens einfließt. Die Aktie legte seither um 3,1 Prozent zu und notiert bei 35,22 Euro.

Der eigentliche Katalysator liegt jedoch voraus: Am Donnerstag, den 27. August, legt IREN seine Ergebnisse für das am 30. Juni 2026 abgelaufene Geschäftsjahr vor. Die Telefonkonferenz beginnt um 17:00 Uhr Eastern Time. Für Anleger ist das der Termin, an dem sich zeigen muss, ob der Umbau vom Bitcoin-Miner zum KI-Infrastrukturanbieter operativ trägt.

Rückenwind kommt aus der Branche: Starke Ergebnisse von Wettbewerbern wie CoreWeave und Nebius nähren die Hoffnung, dass auch IREN von der ungebrochenen Nachfrage nach KI-Rechenkapazität profitiert. Zudem bestätigte das Unternehmen kürzlich, den ersten Bauabschnitt seines Rechenzentrums „Horizon 1“ mit 50 Megawatt Leistung an Microsoft übergeben zu haben – ein Meilenstein im Rahmen des milliardenschweren Vertrags mit dem Softwarekonzern.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Punkt für den Kurs ist nicht die Vergangenheit, sondern die Kontraktierungsquote. IREN hatte sein Ziel für den jährlich wiederkehrenden Umsatz aus dem KI-Cloud-Geschäft für 2026 bereits auf über 4 Milliarden US-Dollar angehoben, gestützt auf neue Kundenverträge im Volumen von 2,8 Milliarden US-Dollar.

Laut einer Einordnung der Futurum Group verfügt IREN über eine Gesamtkapazität von 5 Gigawatt, von denen bislang aber nur 350 Megawatt tatsächlich für KI-Workloads kontrahiert sind.

Die entscheidende Frage lautet also: Wie schnell und zu welchen Konditionen lässt sich die verbleibende Kapazität in feste Verträge überführen? Nur wenn das Tempo hoch bleibt, rechtfertigt die aktuelle Bewertung von 12,83 Milliarden Euro Marktkapitalisierung die ambitionierten Wachstumsziele.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die Effizienz des Geschäftsmodells. Die Futurum Group bezifferte den kontrahierten Umsatz pro Megawatt bei IREN auf rund 40 Millionen US-Dollar – deutlich vor Wettbewerbern wie Galaxy Digital Holdings mit etwa 29 Millionen und CoreWeave mit rund 28 Millionen US-Dollar.

Der geschätzte Gesamtauftragsbestand von 14 Milliarden US-Dollar, inklusive der Großverträge mit Microsoft und Nvidia, untermauert diese Position. Bestätigt IREN am Donnerstag, dass die Auslastung der neu ans Netz gehenden Kapazität zügig voranschreitet, und liefert die Mirantis-Integration bereits erste operative Synergien, könnte die Aktie ihren jüngsten Erholungstrend fortsetzen.

Der Bernstein-Analyst Gautam Chhugani hatte Ende Juli mit einem Kursziel von 100 US-Dollar eine deutlich optimistischere Bewertung signalisiert als der aktuelle Kurs sie widerspiegelt – allerdings liegt diese Einschätzung inzwischen fast einen Monat zurück und sollte nicht als aktuelle Meinung gewertet werden.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Kluft zwischen Ankündigung und Umsetzung. Ein Gesamtportfolio von 5 Gigawatt, von dem erst 350 Megawatt kontrahiert sind, bedeutet auch: Der überwiegende Teil der Kapazität generiert noch keinen gesicherten Cashflow.

Sollte IREN am Donnerstag enttäuschende Fortschritte bei der Vermarktung neuer Kapazität vermelden oder Verzögerungen beim Ausbau auf die für 2026 und 2027 angepeilten 480 Megawatt beziehungsweise 1,2 Gigawatt einräumen, dürfte der Markt das hart abstrafen. Hinzu kommt die technische Lage: Der Kurs notiert rund 49 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 68,61 Euro und liegt sowohl unter dem 50-Tage- als auch dem 200-Tage-Durchschnitt.

Die annualisierte Volatilität von 135 Prozent zeigt, wie nervös der Markt die Aktie derzeit einpreist – jede Enttäuschung dürfte überproportional durchschlagen.

Ausblick

Solange IREN seine Kontraktierungsquote schrittweise erhöht und die Übergabe weiterer Kapazitätsstufen an Großkunden wie Microsoft plangemäß verläuft, bleibt das Aufwärtsszenario intakt – auch wenn der Weg zur vollen Auslastung der 5-Gigawatt-Basis Jahre dauern wird.

Kippt hingegen der Eindruck, dass sich Vertragsabschlüsse verlangsamen oder der Ausbau hinter den für 2027 gesetzten Zielen zurückbleibt, dürfte die Skepsis der vergangenen Monate zurückkehren.

Der nächste konkrete Prüfstein ist unausweichlich: die Zahlen zum Geschäftsjahr 2026 am Donnerstag, den 27. August, mit dem Call um 17:00 Uhr Eastern Time. Erst dann zeigt sich, ob die Rekordbewertung pro Megawatt Bestand hat oder ob der Markt seine Erwartungen an die tatsächliche Auslastung anpassen muss.

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Diskussion zu IREN

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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