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Symbolbild, KI-generiert

IREN Aktie: Miller bestätigt 80-Dollar-Ziel

Nach einem hohen Quartalsminus setzt IREN auf KI-Infrastruktur: Starkes Cloud-Wachstum trifft auf milliardenschwere Investitionspläne.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Aktie legt 7,5 Prozent zu
  • AI-Cloud-Erlöse mehr als verdoppelt
  • Mining-Aus für Dezember 2026 vorgesehen
  • Investitionen von 25 bis 30 Milliarden Dollar

Es gibt diese Momente an der Börse, in denen eine Zahl aus der Vergangenheit gegen ein Versprechen aus der Zukunft antritt. Bei IREN erleben wir das gerade in Echtzeit.

Vor einer Woche legte das Unternehmen Zahlen vor, die auf den ersten Blick erschreckten: ein Nettoverlust von 684 Millionen Dollar, größtenteils bedingt durch nicht-zahlungswirksame Abschreibungen beim Ausstieg aus dem ASIC-Mining. Der Umsatz von 137,2 Millionen Dollar verfehlte die Konsensschätzung von 157,14 Millionen Dollar deutlich. Die Aktie brach daraufhin um 12,8 Prozent ein.

Und jetzt? Steht sie gestern mit einem Plus von 7,5 Prozent da, schloss bei 34,17 Euro. Wer nur auf die Vergangenheit schaut, versteht diese Volatilität nicht. Wer auf die Zukunft schaut, schon.

Ein Analyst als Stimmungsmacher

Der Auslöser für den gestrigen Sprung war eine Einschätzung von Gregory Miller vom Analysehaus Citizens JMP, der heute sein Kursziel von 80 Dollar und die Einstufung „Market Outperform“ bekräftigte.

Seine Begründung: der wachsende Beitrag der AI-Cloud-Sparte und die fortschreitende Skalierung der Plattform in Richtung KI-Infrastruktur. Genau dieser Punkt ist der Kern der IREN-Geschichte – und er erklärt, warum Anleger trotz Rekordverlust nicht die Nerven verlieren.

Denn während die Gesamtzahlen enttäuschten, explodierte das AI-Cloud-Geschäft regelrecht: Die Erlöse dieser Sparte stiegen von 33,6 Millionen Dollar im Vorquartal auf 70,5 Millionen Dollar. Das ist mehr als eine Verdopplung binnen eines Quartals.

Für ein Unternehmen, das sich gerade vom Krypto-Miner zum KI-Infrastrukturanbieter wandelt, ist das die eigentliche Kennzahl, an der sich die Story entscheidet – nicht der Gesamtumsatz, der noch von auslaufenden Geschäftsfeldern belastet wird.

Der Strukturwandel als roter Faden

Genau hier liegt der größere Trend, den IREN exemplarisch verkörpert: die Umwidmung von Rechenzentren, die einst für das Mining von Kryptowährungen gebaut wurden, hin zu Infrastruktur für künstliche Intelligenz.

Bis Dezember 2026 will das Unternehmen seine Mining-Operationen vollständig stilllegen. An ihre Stelle tritt ein Geschäftsmodell, das auf langfristigen Verträgen mit Cloud-Kunden basiert – inklusive Vorauszahlungen, die einen erheblichen Teil der milliardenschweren GPU-Investitionen absichern.

Diese Transformation ist kapitalintensiv. Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet IREN mit Investitionsausgaben zwischen 25 und 30 Milliarden Dollar. Solche Summen wecken zwangsläufig Zweifel: Trägt das Geschäft diese Wetten überhaupt?

Die vertraglich gesicherte Jahresumsatzrate für die Kapazitäten des Geschäftsjahres 2026 liegt bei vier Milliarden Dollar, davon ist bereits eine Milliarde als operative Rate abgesichert. Das ist kein Beweis, aber ein Indiz dafür, dass die Nachfrage nach KI-Rechenleistung real und nicht nur eine Powerpoint-Folie ist.

Wo die Aktie gerade steht

Der Kursverlauf spiegelt diese Zerrissenheit zwischen Zukunftshoffnung und Gegenwartsrisiko exakt wider. Vom 52-Wochen-Hoch bei 68,61 Euro, erreicht Anfang November, ist die Aktie um die Hälfte entfernt. Gleichzeitig liegt sie 59 Prozent über ihrem Jahrestief von 21,51 Euro aus dem September.

Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 41 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass die grundsätzliche Neubewertung der Aktie als KI-Infrastrukturwert trotz aller Ausschläge intakt geblieben ist. Die annualisierte Volatilität von 128 Prozent zeigt aber auch: Wer hier investiert ist, muss diese Achterbahnfahrten aushalten können.

Was bleibt, ist die Frage, ob eine Branche, die gerade erst lernt, mit dem Strommangel und den gigantischen Kapitalanforderungen der KI-Revolution umzugehen, überhaupt schon reif für stabile Bewertungen ist. Bei IREN jedenfalls entscheidet aktuell nicht die Bilanz der Vergangenheit über den Kurs, sondern das Versprechen einer Zukunft, die noch geschrieben werden muss.

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Diskussion zu IREN

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.