Die Phase der reinen Ankündigungen im Markt für Rechenzentren geht ihrem Ende entgegen. Jahrelang honorierten Investoren jedes Megawatt an reservierter Netzleistung mit kräftigen Kursaufschlägen.
Inzwischen verlangt die Börse handfeste Belege für die Inbetriebnahme moderner Hardware. Co-CEO Daniel Roberts brachte diesen Stimmungswechsel nach Investorentreffen auf den Punkt: Anleger wollen fertiggestellte KI-Infrastruktur sehen, nicht bloß Absichtserklärungen.
Für mich markiert diese Haltung einen überfälligen Reifeprozess. Unternehmen müssen beweisen, dass Verträge auch in funktionierende Rechenleistung münden. Bei einer Notierung von 38,62 € spiegelt sich diese nüchterne Bewertung wider.
Steigende Preise stützen die Zuversicht
Gleichwohl sehen Branchenbeobachter erheblichen Spielraum. Am Montag stufte Analyst Richard Choe von JPMorgan das Papier von Underweight direkt auf Overweight hoch. Er hob das Kursziel dabei von $46 auf $65 an. Als wesentlichen Treiber identifizierte der Experte die spürbare Verteuerung der Infrastruktur: Die Erlöse für Neocloud-Verträge kletterten von $10 bis $15 pro Watt auf $15 bis $20 pro Watt und darüber hinaus.
Zudem zählt der Anbieter zu den wenigen vertikal integrierten Akteuren mit einer potenziellen Leistungskapazität von mehr als 5 Gigawatt. Dass die Kapazitäten für 2026 weitgehend vergeben sind, spricht für eine unverändert solide Kundennachfrage. Das Unternehmen peilt bis zum Jahresende vertraglich gebundene, annualisierte wiederkehrende Erlöse von $4 Milliarden an.
Meilensteine bei Microsoft und Texas
Dass der Konzern die geforderten Belege liefern kann, zeigte sich bei früheren Großprojekten. So wurde der Standort Horizon 1 erfolgreich an Microsoft übergeben und abgenommen. Im selben Zug erlangte das Unternehmen den Status als NVIDIA Exemplar Cloud auf NVIDIA GB300 NVL72. Solche technischen Zertifizierungen wiegen schwerer als jede Absichtserklärung.
Parallel schreitet der Ausbau in Texas voran. Am Hub Sweetwater 1 ging die Umspannstation mit einer Kapazität von 1.400 Megawatt ans Netz. Eine Rechenzentrumsleistung von 300 Megawatt soll dort im vierten Quartal 2027 bereitstehen. Vor gut einer Woche erfolgte zudem die bedingte Aufnahme in das Batch-Zero-Verfahren des Netzbetreibers ERCOT als Grundlast.
Der kostspielige Umbau des Geschäftsmodells
Die Transformation hinterlässt in den Geschäftszahlen tiefe Spuren. Der Ausbau der Cloud-Sparte erfordert hohe Vorleistungen und belastet das Ergebnis spürbar. Im Geschäftsjahr 2026 kletterten die Erlöse im Bereich AI Cloud Services zwar auf $128,8 Millionen. Dennoch dominierte das Bitcoin-Mining mit einem Umsatz von $578,2 Millionen das Gesamtvolumen von $707,0 Millionen.
Unterm Strich stand vor über einem Monat ein Nettoverlust von $702,6 Millionen zu Buche. Dieser Fehlbetrag resultierte maßgeblich aus nicht zahlungswirksamen Wertberichtigungen in Höhe von $638,8 Millionen. Solche Belastungen verdeutlichen das erhebliche Risiko eines abrupten Schwenks vom Krypto-Mining zum Hochleistungsrechnen.
Fazit: Die Messlatte liegt hoch
Mit einem Zuwachs von 2,1% über sieben Tage zeigt sich die Notierung vorerst stabilisiert. Die Zuversicht führender Analysehäuser stützt das Sentiment. Dennoch dürfte der Bewertungsspielraum künftig an harten Fakten gemessen werden: Gelingt der zeitgerechte Aufbau der Rechenzentren in Texas, überwiegen die Chancen aus den steigenden Watt-Preisen. Verzögert sich die Bereitstellung, droht der Markt die ehrgeizigen Umsatzziele rasch zu hinterfragen.
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