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IREN Aktie: 2,4-Milliarden-Finanzierung mit Blue Owl

IREN meldet hohe Abschreibungen und Verluste, finanziert jedoch neue NVIDIA-Kapazitäten und verfügt über Microsoft-Verträge sowie eine Projektpipeline.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • 702,6 Millionen Dollar Nettoverlust
  • 638,8 Millionen Dollar Wertminderung verbucht
  • 2,4 Milliarden Dollar Fremdfinanzierung abgeschlossen
  • Microsoft nimmt erste Horizon-Lieferung ab

IREN hat ein Geschäftsjahr abgeliefert, das auf den ersten Blick nach Krise aussieht: 702,6 Millionen Dollar Nettoverlust, eine nicht zahlungswirksame Wertminderung von 638,8 Millionen Dollar und ein Umsatz, der zu 81,8 Prozent noch immer aus Bitcoin-Mining stammt.

Der Markt hat reagiert wie erwartet – am Freitag brach die Aktie um 12 Prozent ein, binnen sieben Tagen ging es 14 Prozent nach unten. Und doch bin ich überzeugt: Wer nur auf diese Zahlen starrt, verpasst die eigentliche Geschichte.

Der Strukturbruch ist teuer, aber real

Die Wertminderung ist kein Buchhaltungstrick, sondern die Quittung für den Umbau vom Krypto-Miner zum KI-Infrastrukturanbieter. IREN schreibt alte Mining-Hardware ab, um Kapazitäten für NVIDIA-Chips freizumachen. Dass dieser Prozess schmerzt, zeigt der Nettoverlust deutlich. Für mich ist das kein Alarmsignal, sondern der Preis eines Geschäftsmodellwechsels, den viele etablierte Miner scheuen.

Entscheidender als der Blick zurück ist die annualisierte Umsatzrate: Sie lag zum 26. August bei 1 Milliarde Dollar, während bereits 4 Milliarden Dollar an Verträgen für das laufende Jahr fixiert sind. Das ist eine gewaltige Lücke zwischen Ist und Soll – aber genau diese Lücke ist die Wette, auf die Anleger hier setzen.

Microsoft hat die erste 50-Megawatt-Auslieferung (Horizon 1) im August abgenommen, die Horizons 2 bis 4 sollen bis zum vierten Quartal 2026 folgen. Wenn das gelingt, wandelt sich die Ertragsstruktur binnen weniger Quartale fundamental.

Die Finanzierungsseite spricht für Ambition, nicht für Verzweiflung

Am Wochenende hat IREN eine 2,4-Milliarden-Dollar-Fremdfinanzierung mit Blue Owl Capital abgeschlossen – aufgeteilt in einen besicherten Term Loan über 1,2 Milliarden Dollar und besicherte Notes über weitere 1,2 Milliarden Dollar. Das Geld fließt in NVIDIA-Blackwell-Ultra-GPUs für den Mackenzie-Campus in British Columbia.

Wer kurz vor der Pleite steht, bekommt solche Konditionen von einem Vermögensverwalter mit 319 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen nicht. Dass IREN nach eigenen Angaben eine Pipeline von über 5 Gigawatt an potenziellen Projekten vorweisen kann, untermauert für mich die These, dass hier langfristig gedacht wird, nicht kurzfristig geflickt.

Die Preisdifferenz im Vertragsgeschäft ist bemerkenswert: IREN verhandelt Deals im Bereich von 20 bis 25 Millionen Dollar pro Megawatt und Jahr, während Microsoft selbst offenbar zu rund 9,7 Millionen Dollar pro Megawatt einkauft. Diese Spanne zeigt, wie unterschiedlich die Marktmacht einzelner Player verteilt ist – und dass IREN nicht in jeder Verhandlung die stärkere Position hat.

Was der Kurs gerade wirklich erzählt

Mit einem Schlusskurs von 30,80 Euro am Freitag notiert die Aktie 55 Prozent unter ihrem Hoch von 68,61 Euro, das erst Anfang November erreicht wurde. Gleichzeitig liegt sie noch 62 Prozent über ihrem Tief vom 28. August.

Diese Bandbreite spiegelt eine Aktie wider, die der Markt nicht bewerten kann, sondern nur raten – die annualisierte Volatilität von 125 Prozent bestätigt das. Ein RSI von 40 zeigt zudem, dass die Verkaufswelle noch nicht zwingend überzogen ist, aber auch keine akute Panik mehr herrscht.

Für mich überwiegt unterm Strich die Konsequenz gegenüber der Verunsicherung. Ein Unternehmen, das gleichzeitig eine milliardenschwere Fremdfinanzierung von einem seriösen Geldgeber erhält, einen Großkunden wie Microsoft vertraglich bindet und eine klare Kapazitätspipeline vorweist, betreibt keinen Blindflug.

Die Wertminderung und der Verlust sind die sichtbaren Kosten eines Übergangs, der sich erst in den kommenden Quartalen an der tatsächlichen Umsetzung von Horizon 2 bis 4 beweisen muss.

Bis dahin bleibt IREN ein Papier mit enormem Ausschlagpotenzial in beide Richtungen – die Frage ist nicht, ob der Umbau ambitioniert ist, sondern ob das Management ihn in der Geschwindigkeit liefert, die die Verträge versprechen.

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Diskussion zu IREN

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.