Starke Ausbaupläne, schwache Aktie: Bei IREN läuft gerade beides auseinander. Das Unternehmen plant in Südaustralien einen Rechenzentrumscampus mit bis zu 800 MW Leistung, einen der größten bislang angekündigten Standorte im asiatisch-pazifischen Raum. Trotzdem verlor die Aktie binnen einer Woche 15,91 Prozent und schloss am Freitag bei 47,24 Euro.
Australien wird zum nächsten Pfeiler
IREN hat eine Vereinbarung zum Netzanschluss für den geplanten Campus in Bundey unterzeichnet. Sie sichert vier 330-kV-Abgänge an einem Umspannwerk und soll Kapazität für bis zu 800 MW ermöglichen, ohne dass Netzaufrüstungen nötig werden.
Damit meldet IREN sein erstes australisches Rechenzentrum an. Der Standort soll ab 2028 erstmals mit Strom versorgt werden, mehr als 200 dauerhafte Arbeitsplätze schaffen und rund 500 Jobs während der Bauphase bringen.
Der Standort passt zur KI-Strategie des Unternehmens. Südaustraliens Stromnetz soll bis 2027 rechnerisch vollständig aus erneuerbarer Energie versorgt werden. Über Unterseekabel ist die Region an wichtige Nachfragezentren wie Singapur, Indonesien, Südkorea und Japan angebunden.
Peter Malinauskas, Premier von Südaustralien, sprach von einer bedeutenden Investition für den Bundesstaat. Der geplante Bundey-Campus könne langfristige Fachkräftejobs schaffen und die Rolle der Region als Technologiezentrum für den asiatisch-pazifischen Markt stärken.
Analysten ziehen Kursziele hoch
Die Reaktion der Wall Street fällt auffällig positiv aus. Mehrere Häuser erhöhten nach der Ankündigung ihre Kursziele oder bestätigten ihre bullische Einschätzung.
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- B. Riley Securities erhöhte das Kursziel von 88 auf 96 Dollar und blieb bei „Buy“.
- Macquarie bestätigte „Outperform“ mit einem Kursziel von 90 Dollar.
- Canaccord hob das Ziel von 70 auf 79 Dollar an und bestätigte ebenfalls „Buy“.
B. Riley verweist vor allem auf IRENs australische Wurzeln. Das Unternehmen verfüge über lokales Know-how und könne in einer Region früh handeln, in der KI-Rechenleistung schneller nachgefragt wird, als Infrastruktur entsteht.
Nach Daten von S&P Global liegt das durchschnittliche Kursziel von 15 Analysten bei 81,07 Dollar, das Konsensrating lautet „Buy“. Der aktuelle Kursrückgang zeigt damit eine klare Lücke zwischen Marktbewertung und Analystenerwartungen.
KI-Wachstum trifft Bewertungsdruck
Mit Nordamerika, Europa und Australien spannt IREN seine Entwicklungspipeline nun über drei Kontinente und rund 5 GW. Der Bundey-Standort ergänzt die großen KI-Ausbauprojekte in Nordamerika, darunter Vorhaben mit Bezug zu Microsoft und Nvidia.
Die Aktie bleibt dennoch schwer zu greifen. Seit Jahresbeginn steht noch ein Plus von 29,53 Prozent, aber der jüngste Rückschlag zeigt, wie schnell bei KI-Infrastrukturwerten Gewinne wieder abgegeben werden.
Der Markt verlangt mehr als große Kapazitätspläne. Die GPU-Finanzierung und die Übernahme von Mirantis gelten als Bausteine für den Schwenk in Richtung KI-Cloud, während eigene Standorte, gesicherte Stromkapazitäten und günstige Finanzierung als Wettbewerbsvorteile gelten.
Bis zur geplanten ersten Stromversorgung in Bundey ab 2028 liegt der Beweis in der Umsetzung: Kundenverträge, Baufortschritt und die Umwandlung der Pipeline in wiederkehrende Erlöse werden den Abstand zwischen Analystenzielen und Aktienkurs verkleinern müssen.
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