Startseite » Earnings » IREN Aktie: 12,53-Prozent-Sturz nach Quartalsverlust

IREN Aktie: 12,53-Prozent-Sturz nach Quartalsverlust

IREN verzeichnete im vierten Quartal einen hohen Verlust, treibt jedoch das KI-Cloud-Geschäft voran und plant Milliardeninvestitionen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Quartalsverlust durch Abschreibungen geprägt
  • KI-Cloud-Umsatz nahezu verdoppelt
  • 25 bis 30 Milliarden Dollar Capex
  • Microsoft-Umsätze ab März 2027 erwartet

IREN hat mit seinen Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 für Aufruhr gesorgt: ein Nettoverlust von 684 Millionen Dollar, ein Umsatzrückgang von 27 Prozent auf 137,23 Millionen Dollar – und obendrauf ein Capex-Plan von 25 bis 30 Milliarden Dollar für das kommende Geschäftsjahr.

Der Markt reagierte am Freitag mit einem Kurssturz von 12,53 Prozent. Für mich ist das eine überzogene Reaktion, die den eigentlichen Umbau des Unternehmens unterschätzt.

Warum der Verlust weniger dramatisch ist, als er aussieht

Der Blick auf die Zahlen lohnt sich, bevor man urteilt. Von den 684 Millionen Dollar Nettoverlust entfallen rund 450 Millionen auf nicht zahlungswirksame Abschreibungen – Folge des Ausstiegs aus dem Bitcoin-Mining. Das ist ein Rechnungslegungseffekt, kein operatives Desaster.

Co-CEO Dan Roberts betont, die AI-Cloud-Sparte erwirtschafte ohne diese Abschreibungen eine Marge von rund 87 Prozent. Wer nur auf die rote Zahl unten auf dem Blatt starrt, übersieht, dass IREN gerade ein komplettes Geschäftsmodell abwickelt, während parallel ein neues hochgefahren wird.

Der AI-Cloud-Umsatz im vierten Quartal lag bei 70,5 Millionen Dollar – gegenüber 33,6 Millionen im Vorquartal fast eine Verdopplung. Aufs Geschäftsjahr gerechnet wuchs dieses Segment von 16,4 auf 128,8 Millionen Dollar, also etwa das Achtfache. Das ist die Dynamik, die für mich zählt, nicht der Quartalsverlust einer Übergangsphase.

Die Finanzierungsfrage ist der eigentliche Knackpunkt

Der wunde Punkt bleibt der gigantische Kapitalbedarf. 25 bis 30 Milliarden Dollar Capex sind eine Hausnummer, die selbst gestandene Tech-Konzerne ins Schwitzen bringt. Roberts hat am Montag jedoch nachgelegt: Der Betrag sei keine Eigenkapitalzahl. Kundenanzahlungen sollen rund die Hälfte der GPU-Investitionen abdecken, der Rest kommt über Kreditlinien.

IREN startet das neue Geschäftsjahr mit rund 14 Milliarden Dollar an Barmitteln und zugesagten Finanzierungen, ein neues Kreditpaket über 2,8 Milliarden Dollar mit Blue Owl und PIMCO kam bereits hinzu. Bislang wurden 19 Milliarden Dollar an Fremdkapital aufgenommen, lediglich 3 Milliarden über Eigenkapital – ein Verhältnis, das die Verwässerungsängste vieler Aktionäre zumindest dämpft.

Auf der Sollseite steht die Frage, wie schnell aus Zusagen echte Umsätze werden. IREN meldet 4 Milliarden Dollar an vertraglich fixiertem Jahresumsatz (ARR), doch operativ wirksam ist bislang nur etwa ein Viertel davon.

Der Microsoft-Deal um die sogenannten Horizon-Rechenzentren zeigt das Muster: Horizon 1 ist bereits ausgeliefert, die Stufen 2 bis 4 sollen erst im vierten Quartal 2026 folgen – mit Umsatzwirkung laut Unternehmensangaben erst ab März 2027. Wer hier schnelle Kurstreiber erwartet, dürfte enttäuscht werden. Die Story braucht Geduld.

Warum ich der Marktreaktion vom Montag mehr Gewicht gebe als der vom Freitag

Bemerkenswert finde ich, dass der Markt selbst gespalten reagierte: Nach dem Einbruch am Freitag zog die Aktie am Montag wieder um 3,8 Prozent an. Das liest sich für mich wie ein erster Fingerzeig darauf, dass die Erstreaktion überschossen war und die Anleger nach genauerem Blick auf die Finanzierungsstruktur beruhigt wurden.

Die Analysten von H.C. Wainwright und Cantor bestätigten ihre Kaufempfehlungen mit Kurszielen von 90 beziehungsweise 99 Dollar – deutlich über dem aktuellen Niveau. Der Analystenkonsens liegt bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 77,70 Dollar.

Bei aller Zuversicht bleibt die Aktie hochspekulativ: Eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von 125 Prozent spricht für sich, und der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von minus 53 Prozent zeigt, wie sehr die Bewertung inzwischen von Wachstumsfantasie auf Vorsicht umgeschlagen ist.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente für die Wachstumsstory, nicht gegen sie. Die Verschuldung ist hoch, aber durch Kundenanzahlungen und Kreditlinien breiter abgesichert als es der erste Schock vermuten ließ.

Der Weg vom vertraglichen ARR zum tatsächlichen Umsatz zieht sich bis weit ins Jahr 2027 – das ist der Preis für den Umbau vom Bitcoin-Miner zum KI-Infrastrukturanbieter. Wer diese Geduld mitbringt, dürfte in IREN einen der konsequenteren Pivots der Branche sehen. Wer schnelle Kursgewinne sucht, wird an der Volatilität dieser Aktie vermutlich wenig Freude haben.

Anzeige

IREN-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue IREN-Analyse vom 1. September liefert die Antwort:

Die neusten IREN-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für IREN-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 1. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

IREN: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu IREN

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

Mit seiner Expertise unterstützt er Anleger dabei, die Chancen des Kapitalmarkts systematisch und langfristig zu nutzen – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.