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Irankrieg erschüttert Weltmärkte

Friedenssignale im Irankrieg treiben Ölpreis und Aktienmärkte. Notenbanken stehen vor Zinsdilemma.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Ölpreis fällt nach Verhandlungsoptimismus
  • Wall Street erlebt deutliche Kursgewinne
  • Fed-Protokolle zeigen wachsenden Zinsdruck
  • Australiens Arbeitsmarkt überraschend schwach

Der Iran-Krieg ist zum bestimmenden Faktor der globalen Finanzmärkte geworden. Gestiegene Ölpreise, aufgeschreckte Notenbanken und verunsicherte Verbraucher — die Schockwellen des Konflikts reichen von Washington bis Sydney. Doch am Mittwoch gab es erstmals wieder Hoffnung: Friedenssignale aus den US-iranischen Verhandlungen sorgten für eine spürbare Erleichterungsrally.

Friedenshoffnung treibt Märkte an

Präsident Trump erklärte die Verhandlungen mit dem Iran für nahezu abgeschlossen — und die Märkte reagierten sofort. Der Ölpreis brach ein: Brent-Rohöl fiel um rund sechs Dollar auf 105,02 US-Dollar je Barrel, US-Rohöl rutschte auf 98,26 Dollar. Zwei chinesische Öltanker, die die Straße von Hormus passierten, lieferten ein weiteres, wenn auch vorsichtiges Signal der Entspannung.

An den Aktienmärkten zündete das eine kräftige Kursrally. Der Dow Jones kletterte um mehr als 645 Punkte auf 50.009 Punkte, der S&P 500 stieg um 1,08 Prozent, der Nasdaq um 1,55 Prozent. Auch in Europa legte der STOXX 600 um 1,46 Prozent zu. Die zehnjährige US-Staatsanleihe fiel auf 4,576 Prozent — nach einem 16-Monats-Hoch am Vortag.

Chipwerte trugen besonders zur Aufwärtsbewegung bei. Ein Halbleiterindex stieg um 4,5 Prozent. Nvidia meldete nach Börsenschluss Quartalsergebnisse, die die Erwartungen übertrafen, und kündigte ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 80 Milliarden Dollar an.

Fed zwischen Inflation und Wachstumsrisiko

Hinter der Erleichterung lauert ein schwieriges Dilemma für die US-Notenbank. Die Fed-Protokolle der April-Sitzung zeigen: Eine wachsende Mehrheit der Mitglieder hält eine Zinserhöhung für möglich, sollte die Inflation hartnäckig über dem Zwei-Prozent-Ziel bleiben. Vier Mitglieder stimmten gegen den unveränderten Beschluss — die höchste Zahl an Gegenstimmen seit 1992.

Terminmarkthändler preisen inzwischen eine rund 50-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bis Dezember ein. Vor Ausbruch des Iran-Krieges Ende Februar hatten die Märkte noch zwei Zinssenkungen erwartet. Ein Kurswechsel von historischem Ausmaß.

US-Finanzminister Scott Bessent sieht das gelassener. Er bezeichnete die erhöhten Renditen und die Inflation als „vorübergehend“ — ein Echo auf die berühmt gewordene Fehleinschätzung früherer Jahre. „Nichts erscheint mir vergänglicher als dieser Konflikt“, sagte Bessent. „Die Straße von Hormus wird wieder geöffnet sein, und die Energiepreise werden sich normalisieren.“ Ob diese Zuversicht berechtigt ist, bleibt die entscheidende Frage für Märkte und Notenbanken gleichermaßen.

Neuer Fed-Chef Kevin Warsh übernimmt am 16. und 17. Juni seinen ersten Vorsitz — mit einem Gremium, das tief gespalten ist und einem Präsidenten im Rücken, der explizit niedrigere Zinsen fordert.

Australien: Arbeitsmarkt kühlt ab

Während die USA mit heißer Inflation kämpfen, zeigen sich anderswo erste Risse im Arbeitsmarkt. In Australien fiel die Beschäftigung im April überraschend um 18.600 Stellen — Analysten hatten ein Plus von 15.000 erwartet. Die Arbeitslosenquote kletterte auf 4,5 Prozent, den höchsten Stand seit November 2021.

Verantwortlich für den Rückgang war vor allem ein Einbruch bei der weiblichen Beschäftigung — der erste seit August 2025, wie das Statistikamt erklärte. Der australische Dollar gab daraufhin nach, und die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Reserve Bank of Australia im Juni sank von 20 auf zehn Prozent.

Die RBA hat dieses Jahr bereits dreimal die Zinsen erhöht — auf aktuell 4,35 Prozent — und dabei alle Lockerungen des Vorjahres vollständig rückgängig gemacht. Die schwachen Arbeitsmarktdaten könnten nun den Druck nehmen, weiter zu straffen. Eine schwierige Gratwanderung: Die Inflation lag zuletzt bei 4,6 Prozent, weit außerhalb des Zielkorridors von zwei bis drei Prozent.

Japan profitiert — vorerst

Japan präsentiert sich als vergleichsweise robuster Ausreißer. Im April erzielte das Land einen Handelsüberschuss von 301,9 Milliarden Yen — deutlich besser als das von Analysten erwartete Defizit von 29,7 Milliarden Yen. Exporte stiegen um 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und übertrafen damit klar die Prognosen.

Ein schwacher Yen machte japanische Güter für Abnehmer in den USA und China attraktiver. Gleichzeitig stiegen die Importe von Halbleitern und Computertechnik kräftig — getrieben vom Boom der Rechenzentren im Land. Bemerkenswert: Japans Energieimporte aus dem Iran-Krisengebiet gingen im April zurück, während Ölkäufe aus den USA zunahmen — ein deutliches Zeichen für die Neuausrichtung der Lieferketten.

Konsum unter Druck

Die Auswirkungen hoher Energie- und Baukosten zeigen sich auch im US-Einzelhandel. Heimwerkerkette Lowe’s meldete zwar solide Quartalszahlen — Umsatz von 23,08 Milliarden Dollar und ein bereinigter Gewinn von 3,03 Dollar je Aktie übertrafen die Erwartungen — doch das Management warnte ausdrücklich vor steigenden Transport- und Inputkosten durch hohe Ölpreise.

CEO Marvin Ellison beschrieb eine „K-förmige Wirtschaft“: Wohlhabende Haushalte investieren in Renovierungen, einkommensschwächere Schichten halten das Geld zusammen. Der US-Immobilienmarkt stagniert auf historisch niedrigem Transaktionsniveau — eine strukturelle Bremse für Unternehmen wie Lowe’s.

Ausblick: Alles hängt am Iran

Die Verdichtung der globalen Lage lässt sich auf einen Punkt bringen: Wie schnell endet der Iran-Krieg? Von der Antwort hängt ab, ob Öl- und Anleiherenditen fallen, ob die Fed die Zinsen erhöhen muss oder nicht, ob Australien eine Rezession vermeidet und ob Japans Exportboom anhält.

Trumps Aussage, die Verhandlungen seien in der „Schlussphase“, hat Hoffnung geweckt. Die Märkte haben reagiert. Aber Hoffnung ist keine Strategie — und die Notenbanken weltweit wissen das besser als jeder andere.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.