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Iran-Krise spaltet Rohstoffmärkte: Öl-Rally trifft Silber-Ausverkauf

Geopolitische Spannungen treiben Ölpreise, während Gold und Silber unter Zinsängsten und Dollarstärke leiden. Kupfer und Kaffee folgen eigenen Trends.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Öl-Rally durch Hormus-Blockade
  • JPMorgan senkt Gold-Kursziel drastisch
  • Silber fällt unter 58 Dollar
  • Kupfer profitiert von Chile-Krise

Ein und derselbe Konflikt, fünf völlig gegensätzliche Reaktionen: Während sich die Lage rund um die Straße von Hormus zuspitzt, schießt Öl nach oben und Edelmetalle brechen gleichzeitig ein. Kaffee und Kupfer scheren derweil komplett aus dem geopolitischen Muster aus und folgen ihrer eigenen Logik. Der Rohstoffsektor zeigt an diesem Mittwoch, wie unterschiedlich einzelne Assets auf dieselbe Nachrichtenlage reagieren können.

Gold: JPMorgan kappt Kursziel um ein Viertel

JPMorgan hat sein Kursziel für das vierte Quartal 2026 deutlich zurückgeschraubt. Statt der zuvor ausgerufenen 6.000 US-Dollar je Unze erwartet die Bank nun noch 4.500 Dollar. Als Gründe nennt sie eine softere Nachfrage aus wichtigen Käufersegmenten sowie eine gestiegene Sensitivität des Goldpreises gegenüber Realzinsen.

Zusätzlichen Gegenwind liefert das EU-Embargo gegen sudanesisches Gold, das die ohnehin angeschlagene Stimmung weiter belastet. Aktuell notiert Gold bei 4.044,10 US-Dollar und gab damit gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 4.059,30 Dollar um 0,37 Prozent nach. Auf Wochensicht steht ein Minus von 1,06 Prozent zu Buche.

Der Abstand zum Rekordhoch aus dem Januar ist mittlerweile beträchtlich: Gold liegt 28,13 Prozent unter seiner Bestmarke, nähert sich mit einem Puffer von nur 3,66 Prozent aber auch dem Jahrestief von Ende Oktober an. Der Relative-Stärke-Index von 40,4 signalisiert eine angeschlagene, aber noch nicht überverkaufte Marktlage.

Trotz der kurzfristigen Zielkorrektur bleibt JPMorgan strukturell bullisch gestimmt. Zentralbankkäufe und physische Nachfrage gelten weiterhin als tragende Säulen bis 2027. Der nächste wichtige Prüfstein ist die US-Notenbank: Ein schwacher Inflationswert könnte die Zinserwartungen für September dämpfen und dem Preis den Weg zurück in Richtung 4.200 bis 4.300 Dollar ebnen.

Silber Preis: Bärenattacke drückt auf 57,96 Dollar

Noch härter als Gold trifft es Silber. Das Edelmetall stürzte um 1,22 Prozent auf 57,96 US-Dollar ab und nähert sich damit einer kritischen Marke. Aus technischer Sicht gilt die Zone um 57 Dollar als letzte Verteidigungslinie – ein Bruch nach unten könnte den Weg bis auf etwa 50 Dollar öffnen.

Mehrere Faktoren wirken gleichzeitig belastend. Ein starker US-Dollar und die restriktive Zinspolitik drücken auf die Notierung, verschärft durch indische Importbeschränkungen, die zusätzlich auf das Sentiment schlagen. Fundamental bleibt der Markt trotzdem angespannt.

Das Silver Institute weist seit 2021 durchgehend ein Angebotsdefizit aus, 2026 bereits im sechsten Jahr in Folge mit rund 67 Millionen Unzen. Die Gold-Silber-Ratio bewegt sich zwischen 67 und 69 und lässt Silber im historischen Vergleich günstig erscheinen. Kurzfristig bleiben hohe Zinsen jedoch das größte Hindernis für eine Erholung.

Rohöl WTI: Hormus-Blockade katapultiert die US-Sorte nach oben

Während Edelmetalle leiden, profitiert Öl klar von der Eskalation. Brent kletterte am Mittwoch über 85 US-Dollar je Barrel und verbuchte damit die dritte Gewinnsitzung in Folge. Auslöser war eine neue US-Angriffswelle gegen den Iran, begleitet von einer wieder in Kraft gesetzten Seeblockade nahe der Straße von Hormus. Rohöl WTI zieht als engster Verwandter der Nordseesorte mit.

Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Trump kündigte an, die Militäroperationen fortzusetzen, und drohte, in der kommenden Woche iranische Kraftwerke und Brücken ins Visier zu nehmen, sollte Teheran nicht verhandeln. Bemerkenswert ist zugleich ein taktischer Rückzieher: Die geplante 20-prozentige Gebühr auf Fracht durch die Meerenge wurde verworfen, mit dem Argument, künftige Investitionen der Golfstaaten in die USA würden entgangene Einnahmen mehr als ausgleichen.

Am physischen Markt bleiben die Auswirkungen bislang begrenzt, da Iran betont, seine Exporte liefen normal weiter. Die Risikoprämie bleibt trotzdem hoch – einige Marktbeobachter halten einen Anstieg auf 100 Dollar je Barrel in der zweiten Julihälfte für möglich.

Kaffeepreis: Verzögerung zwischen Terminbörse und Supermarktregal

Beim Kaffeepreis zeigt sich derzeit eine kuriose Kluft zwischen Börse und Ladentheke. Nach der historischen Rally Anfang Juli, als Arabica an einem einzelnen Tag um 16,19 Prozent zulegte – der größte Tagesgewinn dieses Jahrhunderts – hat sich der Markt inzwischen etwas beruhigt, bewegt sich aber weiterhin auf erhöhtem Niveau.

Aktuell notiert der Kaffeepreis bei 329,90 US-Dollar, ein Plus von 0,89 Prozent gegenüber dem gestrigen Schluss. Auf Monatssicht steht ein Anstieg von 25,46 Prozent zu Buche, auf Jahressicht liegt der Preis dennoch 7,67 Prozent unter dem Niveau von Jahresbeginn. Der RSI von 58,0 deutet auf moderaten Aufwärtsdruck hin, ohne dass der Markt bereits überkauft wäre.

Für Verbraucher bleibt die Lage trügerisch. Röstereien kaufen ihren Rohkaffee nicht tagesaktuell, sondern sichern sich über Lieferverträge oft viele Monate im Voraus ab. Wer Anfang 2025 zu Hochpreisen eingekauft hat, röstet heute noch mit diesem teuren Rohstoff – bis eine Preisänderung am Weltmarkt vollständig beim Verbraucher ankommt, vergehen erfahrungsgemäß sechs bis zwölf Monate.

Fundamental bleibt der Markt angespannt. Brasiliens Ernte für 2026/27 war zum 1. Juli erst zu 52 Prozent abgeschlossen, gegenüber 60 Prozent im Vorjahr. Ein möglicher Super-El-Niño könnte zudem die kommende Blütephase gefährden.

Kupfermarkt: Bullenmodus trotz schwächelnder chilenischer Minen

Kupfer bleibt der bemerkenswert robuste Ausreißer im aktuellen Rohstoffbild. Der Preis notiert bei 6,37 US-Dollar und damit nahezu unverändert zum Vortag, hat aber innerhalb einer Woche um 4,14 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn steht sogar ein Plus von 11,81 Prozent zu Buche.

Treiber ist eine Angebotsverknappung in Chile, wo eine Kombination aus Wasserknappheit, sinkenden Erzgehalten, ungeplanten Wartungsarbeiten und Arbeitskonflikten die Produktion belastet. Das Land steht für rund die Hälfte der weltweiten Kupferexporte, das Metall trägt mehr als 10 Prozent zum chilenischen Bruttoinlandsprodukt bei – jeder Produktionsrückgang wirkt sich damit unmittelbar auf das globale Angebot aus.

Die chilenische Statistikbehörde INE meldete für Mai einen Produktionsrückgang von 12,9 Prozent auf 423.623 Tonnen. Parallel sank die weltweite Minenproduktion von Januar bis April um 1,4 Prozent, während der Hüttenausstoß um 7,7 Prozent zunahm – mehr Schmelzkapazität trifft also auf ein engeres Erzangebot.

Interessant ist zudem eine mögliche Systemänderung: Der Bergbaukonzern Antofagasta hat chinesischen Schmelzen vorgeschlagen, Lieferverträge künftig an Spotindizes statt an feste Jahreswerte zu koppeln. Setzt sich das durch, bricht ein Preissystem auf, das die Branche seit den 1980er-Jahren prägt. Vom Nahost-Konflikt zeigt sich Kupfer bislang unbeeindruckt und reagiert stärker auf seine eigenen Fundamentaldaten.

Sektordynamik: Fünf Rohstoffe, fünf getrennte Wege

Die aktuelle Konstellation zeigt, wie unterschiedlich Rohstoffe auf denselben Auslöser reagieren. Der Iran-Konflikt treibt Öl nach oben, drückt aber gleichzeitig Gold nach unten – ein Muster, das sich seit Wochen wiederholt: steigende Energiepreise nähren Inflationssorgen, diese wiederum Zinserwartungen, und höhere Realzinsen erhöhen die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls.

Die wichtigsten Treiber im Überblick:

  • Öl: Geopolitische Risikoprämie durch Hormus-Blockade und US-Angriffe
  • Gold: JPMorgan-Zielkürzung und Zinserwartungen belasten trotz struktureller Stützen
  • Silber: Dollarstärke und Importbeschränkungen verschärfen den Ausverkauf
  • Kaffee: Wetterkapriolen in Brasilien und Lieferverzögerungen zum Einzelhandel
  • Kupfer: Reine Angebotsknappheit aus Chile, weitgehend losgelöst von der Geopolitik

Silber leidet dabei überproportional stärker als Gold, weil zur Zinsbelastung noch eine schwache Industriekonjunktur hinzukommt. Kupfer hingegen beweist, dass angebotsseitige Knappheit robuster gegen geopolitische Turbulenzen ist als die zinssensitiven Edelmetalle. Kaffee folgt derweil einer nahezu eigenständigen Logik, die kaum Berührungspunkte mit dem breiteren Makro-Geschehen hat.

Rohstoffmärkte zwischen Kriegsangst und Zinslogik

Drei Fixpunkte dürften die kommenden Handelstage prägen. Sollte sich die Lage an der Straße von Hormus weiter zuspitzen oder gar die angedrohten Angriffe auf iranische Kraftwerke Realität werden, dürfte Öl seinen Aufwärtstrend fortsetzen – mit Zweitrundeneffekten auf Inflationserwartungen und damit auf Gold und Silber.

Die nächsten Signale der US-Notenbank dürften maßgeblich darüber entscheiden, ob sich die Edelmetalle stabilisieren oder ihre Talfahrt fortsetzen. Bei Kupfer bleibt die chilenische Minenproduktion der entscheidende Faktor, während beim Kaffeepreis die Wetterentwicklung in Brasiliens Anbauregionen und ein mögliches El-Niño-Ereignis über die kommende Ernte entscheiden. Fünf Rohstoffe, fünf Geschichten – und keine einheitliche Richtung in Sicht.

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