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Iran-Krieg lähmt Weltwirtschaft

Der Iran-Konflikt stürzt Verbrauchervertrauen auf Rekordtief und zerstört klassische Marktkorrelationen. Zentralbanken stehen vor der schwierigen Abwägung zwischen Inflation und Wachstum.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • US-Verbrauchervertrauen auf historischem Tief
  • Gold und Aktien korrelieren ungewöhnlich stark
  • EZB und Fed vor Zinsentscheidungen
  • Straße von Hormus bleibt kritischer Faktor

Der Iran-Krieg hat die globalen Finanzmärkte in eine neue, schwer navigierbare Realität katapultiert. Klassische Korrelationen zwischen Anlageformen gelten nicht mehr, Verbrauchervertrauen bricht weltweit ein — und Zentralbanken auf vier Kontinenten stehen vor derselben unlösbaren Frage: Wie lange lässt sich die Energiepreisschocks einfach ignorieren?

Verbraucher unter Druck: Von Washington bis London

Nirgendwo zeigt sich die wirtschaftliche Last des Konflikts deutlicher als beim einfachen Konsumenten. In den USA ist das Verbrauchervertrauen im April auf ein Rekordtief von 49,8 Punkten gefallen — der niedrigste Wert in der Geschichte des University-of-Michigan-Index. Zum Vergleich: Im März lag er noch bei 53,3. Weder der verlängerte Waffenstillstand noch diplomatische Fortschritte konnten die Stimmung heben.

Der Grund ist simpel: Der nationale Benzin-Durchschnittspreis liegt seit Wochen über vier Dollar pro Gallone, Diesel deutlich über fünf Dollar. Die Inflationserwartungen der amerikanischen Haushalte für das nächste Jahr sprangen von 3,8 auf 4,7 Prozent — Niveaus, die zuletzt vor der Corona-Pandemie nicht gesehen wurden. „Die Auswirkungen werden vor allem bei Haushalten mit niedrigen und mittleren Einkommen spürbar, da ein größerer Anteil ihres Budgets auf Benzin entfällt“, erklärt Grace Zwemmer, US-Ökonomin bei Oxford Economics.

In Großbritannien war das Bild zunächst trügerisch positiv. Britische Autofahrer stürmten nach Kriegsbeginn am 28. Februar die Tankstellen, was den Einzelhandelsumsatz im März um 0,7 Prozent nach oben trieb — deutlich mehr als von Ökonomen erwartet. Doch Kraftstoff-Hamsterkäufe kaschieren das eigentliche Problem. Das GfK-Verbrauchervertrauen fiel auf den tiefsten Stand seit Oktober 2023. Einzelhändler wie Primark berichten, dass der April nach dem ermutigenden März bereits wieder schwächer läuft.

Kapitalmärkte ohne Kompass

Für Investoren ist die Lage noch verwirrender. Die traditionellen Marktkorrelationen haben sich seit Kriegsbeginn aufgelöst — und damit das klassische Instrumentarium zur Risikosteuerung.

Gold, sonst der verlässliche Sicherer Hafen in Krisenzeiten, hat diese Funktion aufgegeben. Es handelt derzeit ungewöhnlich eng mit Aktien zusammen und liegt noch immer zehn Prozent unter dem Vorkriegsniveau. Bitcoin und der S&P 500 bewegen sich dagegen fast im Gleichschritt — mit einer Korrelation von 0,96 gegenüber einem langjährigen Durchschnitt von 0,4. Die Diversifikationslogik für Kryptowährungen bricht damit zusammen.

Besonders auffällig: Der Dollar hat eine fast perfekte inverse Beziehung zu Aktien entwickelt, mit einer Korrelation von -0,94. Gleichzeitig hat die erwartete Zinsdivergenz zwischen EZB und Fed den Euro kaum gestützt — obwohl Europa Zinserhöhungen einpreist und die USA eher Senkungen. „Außerordentliche Ereignisse haben ungewöhnliche Effekte auf Finanzmärkte und verändern häufig traditionelle Beziehungen zwischen Finanzgrößen“, konstatiert UniCredit nüchtern.

BMO-Chefstratege Mark McCormick fasst es so zusammen: „Etwas Neues entsteht gerade“ — das Wachstumsfaktor erholt sich zwar, bleibt aber unter dem Niveau von Ende 2025, das Drawdown-Risiko steigt.

Zentralbanken zwischen Inflation und Wachstumssorgen

Vier der wichtigsten Zentralbanken der Welt treffen in der kommenden Woche ihre Zinsentscheidungen — und alle kämpfen mit denselben widersprüchlichen Signalen.

Die US-Notenbank Fed dürfte die Zinsen erwartungsgemäß unverändert lassen. Ein neues Element kommt jedoch hinzu: Das US-Justizministerium hat seine Ermittlungen gegen Fed-Chef Jerome Powell eingestellt, was den Weg für Trumps Wunschnachfolger Kevin Warsh freimacht. Warsh bevorzugt andere Inflationsmessgrößen als Powell, was Händler veranlasste, die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung bis Jahresende von 23 auf 38 Prozent nach oben zu revidieren.

Die Europäische Zentralbank steht vor einer anderen Abwägung. Öl bei rund 100 Dollar pro Barrel — immer noch 40 Prozent über Vorkriegsniveau — hält die Inflationsrisiken hoch. Der Euro-Raum schwächelt unterdessen: Die Geschäftsaktivität ist im April gesunken, die Dienstleistungsbranche ist besonders stark betroffen, und die Erzeugerpreise sind so schnell gestiegen wie seit 37 Monaten nicht mehr. Die EZB wird laut Markterwartungen im April die Zinsen bei zwei Prozent belassen, zwei Erhöhungen bis Jahresende aber einpreisen — mit einer ersten möglichen Bewegung im Juni.

In Japan ist die Lage besonders komplex. Die Kerninflation verlangsamt sich auf 1,8 Prozent — unter dem Zwei-Prozent-Ziel der Bank of Japan — dank staatlicher Kraftstoffsubventionen. Gleichzeitig sind die Frachtkosten für Seefracht um 42,1 Prozent gestiegen, ein direktes Ergebnis der Straße-von-Hormus-Blockade. Die BOJ wird voraussichtlich ebenfalls pausieren, signalisiert aber Bereitschaft zu weiteren Zinsschritten.

Europa trägt doppelte Last

Während Konsumenten und Zentralbanken mit den wirtschaftlichen Folgen kämpfen, hat die Europäische Union zudem die Hauptlast der Ukraine-Finanzierung übernommen. Ein 90-Milliarden-Euro-Kreditpaket wurde diese Woche finalisiert, nachdem die USA ihren Fokus auf den Nahen Osten verlagert haben. Doch Diplomaten warnen vor einer zusätzlichen Finanzierungslücke von 19 Milliarden Euro allein für das nächste Jahr.

Die geopolitische Doppelbelastung — Ukraine-Krieg und Iran-Konflikt gleichzeitig — setzt die EU unter erheblichen Druck. Aufkommende Energiepreisvolatilität und nationalistische Parteien in Frankreich und Deutschland erschweren den Konsens für weitere Milliardenverpflichtungen.

Ausblick: Wann kommt die Wende?

Die entscheidende Variable bleibt die Straße von Hormus. Solange diese maritime Drehscheibe, über die rund ein Fünftel des globalen Öl- und Gashandels fließt, nicht wieder frei passierbar ist, werden Energiepreise erhöht bleiben und die wirtschaftlichen Schäden sich vertiefen.

„Mehr Schmerz kommt, wenn höhere Transportkosten auf Lebensmittel, Haushaltsgeräte, Spielzeug und jede andere Ware weitergegeben werden, die per Schiff, Auto oder Flugzeug transportiert wird“, warnt Heather Long von Navy Federal Credit Union. „Die Stimmung wird sich erst verbessern, wenn die Straße von Hormus geöffnet ist und es ein dauerhaftes Ende des Konflikts gibt.“

Friedensdiplomatie läuft auf Hochtouren. Trump plant, Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner zu Gesprächen mit dem iranischen Außenminister zu schicken. Noch ist unklar, wann — und ob überhaupt.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.