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Iran-Krieg lähmt Finanzmärkte

Der Waffenstillstand zwischen USA und Iran läuft aus, während die Börsen erstaunlich robust bleiben. KI-Investitionen treiben asiatische Märkte, doch die Energieversorgung bleibt ein kritisches Risiko.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Waffenstillstand zwischen USA und Iran vor dem Auslaufen
  • Börsen zeigen trotz Spannungen erstaunliche Resilienz
  • KI-Investitionen beflügeln asiatische Aktienmärkte
  • Energieversorgung durch Strait of Hormuz gefährdet

Der Iran-Krieg hat die Finanzmärkte weltweit fest im Griff. Mit dem Ablauf des zweiwöchigen Waffenstillstands zwischen den USA und Teheran – Donald Trump hatte ihn am 7. April verkündet – rückt die Frage nach Krieg oder Frieden in den Mittelpunkt jeder Anlageentscheidung. Die Unsicherheit ist allgegenwärtig, und sie hinterlässt Spuren von London bis Seoul.

Waffenstillstand am Scheideweg

Das Zeitfenster schließt sich. Noch am Dienstag könnten die USA und Iran in Pakistan zu einer zweiten Verhandlungsrunde zusammenkommen – oder es kommt zum Bruch. Das Signal aus Washington war eindeutig: Trump erklärte, die Seeblockade gegen Iran bleibe bestehen, bis ein Abkommen erzielt sei. Eine Verlängerung des Waffenstillstands hält er für „höchst unwahrscheinlich“.

Teheran seinerseits gibt widersprüchliche Signale. Der Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf schloss Verhandlungen „unter dem Schatten von Drohungen“ aus. Gleichzeitig berichtete das Wall Street Journal, Iran könnte doch ein Team nach Islamabad entsenden. Die Beschlagnahme eines iranischen Frachtschiffs durch US-Streitkräfte hat die Lage zusätzlich verschärft – Teheran drohte mit Vergeltung und hält den Strait of Hormuz weiterhin geschlossen.

An genau dieser Meerenge hängen rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung. Die Konsequenzen für die Energiemärkte sind erheblich: Der Chef der Internationalen Energieagentur warnte, der Konflikt löse die schwerste Energiekrise der Geschichte aus.

Märkte ignorieren den Lärm – vorerst

Erstaunlicherweise zeigen sich die Börsen erstaunlich widerstandsfähig. US-Futures legten am Dienstag leicht zu: Dow-Jones-Futures plus 0,2 Prozent, S&P-500-Futures ebenfalls plus 0,2 Prozent. Analysten von Vital Knowledge brachten es auf den Punkt: Investoren beginnen, den „täglichen Lärm“ auszublenden und den Blick auf das große Bild zu richten.

In Asien setzte diese Stimmung besonders deutliche Akzente. Südkoreas Kospi erreichte ein Rekordhoch – zum ersten Mal seit Kriegsbeginn. Taiwanesische Aktien, Softbank und der Speicherchiphersteller SK Hynix markierten ebenfalls neue Allzeithochs. Der Treiber: frische Milliarden für Künstliche Intelligenz. Amazon kündigte eine Investition von bis zu 25 Milliarden Dollar in das KI-Unternehmen Anthropic an – ein Signal, das KI-Werte weltweit beflügelte.

Öl dagegen gab nach, was als vorsichtiger Optimismus zu werten ist, dass die Gespräche in Islamabad doch noch stattfinden könnten.

Währungen zwischen Risiko und Flucht

Am Devisenmarkt spiegelt sich das Zögern der Anleger direkt wider. Der Dollar-Index notierte bei rund 98,24 – ein leichtes Plus nach dem Rückgang vom Montag. HSBC-Devisenstratege Paul Mackel brachte die Marktlogik prägnant auf den Punkt: „Solange Gespräche stattfinden, sollte der Dollar unter Druck stehen. Das Gegenteil gilt ebenso.“

Der Euro stand bei 1,1782 Dollar, belastet durch gestiegene Erdgaspreise. Die Abhängigkeit der Eurozone von Energieimporten macht die Gemeinschaftswährung besonders anfällig für Schocks aus dem Nahen Osten. Gaspreise hatten Mitte März bei 68,20 Dollar je Einheit ihren Höhepunkt erreicht und sind seitdem auf rund 39 Dollar zurückgefallen – der Euro konnte sich entsprechend erholen.

Der Yen verharrt bei knapp 159 je Dollar und nähert sich damit der psychologisch wichtigen 160er-Marke, die Analysten als Schwelle für mögliche Interventionen der Bank of Japan sehen. Die BoJ dürfte nächste Woche ohnehin die Zinsen unverändert lassen – der Krieg macht verlässliche Wirtschaftsprognosen schlicht unmöglich.

Ungewöhnlich positiv überraschte der Neuseeland-Dollar mit einem Plus von 0,3 Prozent. Hintergrund: Die Jahresinflationsrate blieb im ersten Quartal bei 3,1 Prozent – über dem Zielband der Zentralbank, was weitere Zinserhöhungen wahrscheinlicher macht.

Warsh, Powell und die Fed-Unabhängigkeit

Neben dem Nahost-Konflikt richtet sich die Aufmerksamkeit der Märkte auf Washington, genauer: auf den Senatssaal. Kevin Warsh, Trumps Kandidat für den Vorsitz der US-Notenbank Federal Reserve, tritt am Dienstag vor den Bestätigungsausschuss. In seinen vorbereiteten Aussagen betont Warsh, er sei „entschlossen, die Unabhängigkeit der Geldpolitik zu wahren“ – ein Statement, das sowohl Trump als auch den Märkten gefallen dürfte.

Die Analysten von ING formulierten die Herausforderung treffend: Warsh muss „die Gratwanderung meistern“ – für niedrigere Zinsen zu argumentieren, ohne die Inflationsbekämpfung der Fed zu untergraben. HSBC-Stratege Mackel erwartet, dass Warsh sich nicht allzu taubenhaft geben wird. Die Anhörung dürfte Hinweise liefern, wie unabhängig die Fed unter seiner Führung tatsächlich agieren wird.

Südkorea: Chips boomen, Krieg bedroht Aufschwung

Für Südkorea ist die Lage besonders heikel. Einerseits dürfte die Volkswirtschaft im ersten Quartal 2026 deutlich gewachsen sein – Ökonomen erwarten laut einer Reuters-Umfrage ein Plus von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Treiber: Halbleiterexporte sprangen im März um satte 151,4 Prozent auf einen Rekordwert von 32,83 Milliarden Dollar.

Andererseits importiert Südkorea rund 70 Prozent seines Öls aus dem Persischen Golf. Höhere Energiepreise könnten das Wachstum im zweiten Quartal spürbar bremsen und die Inflation befeuern. Genau in dieses schwierige Umfeld tritt der neue Notenbankgouverneur Shin Hyun Song sein Amt an – mit dem ehrgeizigen Ziel, den Won zu einer international handelbaren Währung auszubauen. Rund-um-die-Uhr-Devisenhandel und ein Offshore-Abrechnungssystem sind geplant. Ob der Moment günstiger hätte sein können, darf bezweifelt werden: Der Won notiert auf einem 17-Jahres-Tief von rund 1.500 je Dollar.

Britischer Arbeitsmarkt spürt Kriegsfolgen

Auch in Großbritannien hinterlässt der Krieg Spuren. Britische Arbeitgeber wurden im März deutlich vorsichtiger: Die Zahl offener Stellen sank auf 711.000 – den niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren. Gleichzeitig kühlte das Lohnwachstum etwas ab, blieb mit 3,6 Prozent aber über den Erwartungen.

Für die Bank of England bedeutet das ein klassisches Dilemma: Die Energiepreise treiben die Inflation, während der Arbeitsmarkt Ermattungserscheinungen zeigt. Investoren preisen aktuell rund 36 Basispunkte an Zinserhöhungen bis Jahresende ein – mehr als noch am Montag. Die Inflationsdaten für März, die am Mittwoch erwartet werden, dürften das Bild weiter schärfen.

Die kommenden 48 Stunden werden entscheidend sein – für den Frieden im Nahen Osten, und damit für die Nerven der Investoren weltweit.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.