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Iran-Krieg erschüttert Weltmärkte

Starke US-Arbeitsmarktdaten nehmen der Fed Spielraum für Zinssenkungen, während der Iran-Konflikt die Energiepreise hochtreibt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • US-Jobmarkt überrascht mit 172.000 neuen Stellen
  • Fed-Spielraum für Zinssenkungen schwindet
  • Hisbollah blockiert Friedenshoffnungen im Nahen Osten
  • Tech-Fonds boomen, Emerging Markets leiden

Der Iran-Konflikt ist längst mehr als ein geopolitisches Problem — er ist zum zentralen Taktgeber der globalen Wirtschaft geworden. Während die USA im Mai überraschend starke Arbeitsmarktdaten melden, reagieren Aktienmärkte, Währungen und Notenbanken weltweit auf ein und denselben Schock: steigende Energiepreise, ein gesperrter Seeweg und kein Ende des Krieges in Sicht.

Jobmarkt stark, Märkte trotzdem nervös

Die US-Wirtschaft schuf im Mai 172.000 neue Stellen — doppelt so viele wie Ökonomen erwartet hatten. Die Arbeitslosenquote verharrt bei 4,3 Prozent. Das klingt nach Stärke. An den Märkten kommt die Nachricht trotzdem schlecht an.

Der Grund: Starke Beschäftigungsdaten nehmen der US-Notenbank Fed jeden Spielraum für Zinssenkungen. S&P-500-Futures verloren nach Veröffentlichung der Zahlen rund 0,6 Prozent, Nasdaq-100-Futures sogar 1,3 Prozent. Finanzmarktteilnehmer rechnen laut dem CME FedWatch Tool damit, dass die Fed ihren Leitzins von 3,50 bis 3,75 Prozent bis weit in das Jahr 2027 unverändert lässt — oder sogar anhebt.

Der Arbeitsmarkt selbst befindet sich dabei in einem eigentümlichen Gleichgewicht. Unternehmen stellen kaum ein, entlassen aber auch kaum. Grund ist die anhaltende Unsicherheit — erst durch Trumps Zölle, jetzt durch den Krieg mit Iran. Fiskalpolitische Unterstützung durch Steuer- und Zollrückerstattungen hat geholfen, größere Entlassungswellen zu verhindern.

Hezbollah-Absage belastet Hoffnung auf Frieden

Parallel zu den Jobdaten verdüsterte sich die geopolitische Lage weiter. Hisbollah-Chef Naim Kassem wies das US-vermittelte Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und dem Libanon als „absurd, erniedrigend und beleidigend“ zurück. Solange Israel nicht vollständig aus dem Libanon abziehe, werde Hisbollah seine Angriffe nicht einstellen.

Das ist mehr als eine regionale Komplikation. Der Iran, der eng mit Hisbollah verbunden ist, hatte einen Waffenstillstand im Libanon zur Bedingung für Friedensgespräche mit Washington gemacht. Die Absage Kassems droht diese Verhandlungen vollends zu blockieren. US-Präsident Trump soll dabei mit Israels Premier Netanjahu über den Umgang mit Hisbollah-Stellungen in Beirut im Clinch liegen — eine weitere Unbekannte in einer ohnehin unübersichtlichen Gemengelage.

Brent-Rohöl notiert weiterhin über 90 Dollar pro Barrel. Der entscheidende Grund: Die Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öltransports fließen, ist seit Monaten faktisch für den Tankerverkehr gesperrt.

Fed, KI und die Frage nach der Blase

Genau diese Energieschocks machen die Lage für die Notenbanken schwierig. Die Fed steht vor einem klassischen Dilemma: Inflation bekämpfen oder Wachstum schützen. Erschwerend kommt eine Warnung des Researchhauses BCA Research hinzu.

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Chefstratege Peter Berezin kritisiert Fed-Chef Kevin Warsh scharf. Warsh hatte argumentiert, Künstliche Intelligenz werde die Inflation langfristig senken und der Fed Spielraum für Zinssenkungen verschaffen. Berezin hält das für falsch — zumindest kurzfristig. „KI treibt derzeit die Preise für alles an, von Strom bis hin zu Speicherchips“, schreibt er. Ein boomender Aktienmarkt verstärke die Konsumlaune der Haushalte zusätzlich und heize die Teuerung weiter an. BCA’s Modell signalisiert zwar noch keine unmittelbar bevorstehende Baisse, sieht den Markt aber als überkauft — und warnt vor einer wachsenden Blasengefahr, solange die Fed zögert.

Fondsflüsse: Tech boomt, Emerging Markets leiden

Das Bild an den Kapitalmärkten ist gespalten. In der Woche bis zum 3. Juni flossen netto 21,44 Milliarden Dollar in globale Aktienfonds — der höchste Wert seit drei Wochen. Technologiefonds zogen dabei allein 9,02 Milliarden Dollar an, nachdem Dell und HP mit starken Quartalsergebnissen überrascht hatten. Der MSCI World Index kletterte auf ein Allzeithoch.

Emerging-Market-Fonds dagegen verzeichneten die sechste Woche in Folge Mittelabflüsse — netto 2,42 Milliarden Dollar. Länder wie Indien und Japan stehen besonders unter Druck: als große Energieimporteure trifft sie der Ölpreisschock direkt.

Indien und Großbritannien: Zwei Wege aus dem Schock

Indiens Wirtschaft wuchs im ersten Quartal 2026 um beeindruckende 7,8 Prozent — deutlich über der Reuters-Schätzung von 7,2 Prozent. Bauaktivität und Landwirtschaft lieferten starke Beiträge. Für das laufende Fiskaljahr rechnet die indische Zentralbank jedoch nur noch mit 6,6 Prozent Wachstum. Der Iran-Krieg kostet Indien als weltgrößtem Rohölimporteur nach den USA und China teuer: Die Rupie ist unter Druck, die Inflation zieht an.

In Großbritannien zeichnet sich eine ähnliche Erosion ab, aber schneller. Die Deutsche Bank erwartet, dass das britische BIP im April leicht geschrumpft ist, nach einem starken Jahresauftakt. Für das Gesamtjahr sehen die Analysten nur noch ein Prozent Wachstum. Der Energieschock drückt auf die Kaufkraft: Benzinabsätze brachen im April um 10,2 Prozent ein — der stärkste monatliche Rückgang seit November 2020. Der Bau-Einkaufsmanagerindex fiel auf 39,7 Punkte, den zweitschwächsten Wert seit der Pandemie.

Dollar und Yen: Extreme Positionen

Am Devisenmarkt hat der Konflikt klare Gewinner und Verlierer geschaffen. Der Dollar profitiert von starken US-Konjunkturdaten, Fed-Zinserwartungen und seiner Rolle als sicherer Hafen — und stieg zuletzt um rund 1,3 Prozent gegenüber einem Währungskorb. Der japanische Yen hingegen nähert sich der psychologisch wichtigen Marke von 160 Yen pro Dollar. Japans Finanzministerin Katayama warnte erneut vor „entschlossenem Handeln“ gegen übermäßige Volatilität.

Anleger halten dennoch die größten Yen-Wetten auf Abwertung seit Juli 2024 — rund 9 Milliarden Dollar. Ohne eine klare Kehrtwende bei Zinsen und Wachstum in Japan sehen Analysten wenig Anlass, diese Positionen aufzulösen.

Was bleibt, ist ein Markt im Wartezustand: starke US-Daten, eskalierender Naher Osten, eine zögernde Fed — und die offene Frage, ob der nächste Schock aus Teheran kommt oder aus dem Anleihemarkt.

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