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Iran-Krieg erschüttert Weltmärkte

Der fragile Waffenstillstand zwischen USA und Iran belastet die Weltwirtschaft, treibt die Inflation in den USA und Asien und setzt Währungsmärkte unter Druck.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Waffenstillstand nach Iran-Krieg steht unter Druck
  • US-Inflation erreicht höchsten monatlichen Anstieg seit 2022
  • Chinas Erzeugerpreise steigen erstmals seit Jahren
  • US-Dollar verliert als sicherer Hafen an Stärke

Der Nahostkonflikt hat sich innerhalb weniger Wochen zur größten wirtschaftlichen Schockwelle seit Jahren ausgewachsen. Der fragile Waffenstillstand zwischen den USA und Iran hält die globalen Märkte in Atem – und die Folgen reichen von amerikanischen Supermarktkassen bis in chinesische Fabrikhallen.

Waffenstillstand unter Druck

Der am Dienstag vereinbarte Waffenstillstand steht bereits unter erheblichem Druck. Israelische Angriffe auf den Libanon, bei denen am Donnerstag mehr als 300 Menschen ums Leben kamen, haben Iran als Verletzung des Abkommens gewertet. Am Freitag antwortete die Hisbollah mit dem Abfeuern einer Rakete auf Israel – Luftschutzsirenen heulten bis nach Tel Aviv.

US-Präsident Donald Trump reagierte ungehalten auf Truth Social und beschimpfte Iran dafür, Schiffe kaum durch die Straße von Hormus durchzulassen. „Das ist nicht die Vereinbarung, die wir haben!“, schrieb er. Vor dem Krieg passierte ein Fünftel des globalen Öl- und Gashandels den engen Meeresarm. Aktuell liegt das Verkehrsvolumen noch weit unter zehn Prozent des Normalwerts, jedes Schiff benötigt eine iranische Genehmigung.

In Islamabad treffen sich an diesem Wochenende US-Vizepräsident JD Vance und iranische Unterhändler zu Friedensgesprächen. Von deren Ausgang hängt viel ab – nicht nur geopolitisch.

Inflation auf breiter Front

Die wirtschaftlichen Kollateralschäden sind bereits spürbar. In den USA dürfte der Verbraucherpreisindex für März laut einer Reuters-Umfrage um 0,9 Prozent gestiegen sein – der größte monatliche Zuwachs seit Juni 2022, als die Preise infolge des Ukraine-Kriegs explodierten. Im Jahresvergleich wird ein Anstieg auf 3,3 Prozent erwartet, nach 2,4 Prozent im Februar.

Der Benzinpreis hat erstmals seit mehr als drei Jahren die Marke von vier Dollar pro Gallone überschritten. „Das sieht auf der obersten Ebene ziemlich hässlich aus“, sagt Brian Bethune, Wirtschaftsprofessor am Boston College. „Eine zweite Welle kommt noch – durch Kraftstoffzuschläge, die sich auf andere Güter und vor allem auf Lebensmittel auswirken werden.“

Gleichzeitig belasten weiterhin Zölle die Preise für Bekleidung, Haushaltsgeräte und Fahrzeuge. Die Fed hält ihren Leitzins im Korridor von 3,50 bis 3,75 Prozent – aus den März-Protokollen geht hervor, dass eine wachsende Gruppe von Notenbankern sogar Zinserhöhungen für möglich hält. Gregory Daco, Chefökonom bei EY Parthenon, warnt: „Der nächste Schritt der Fed könnte eine Zinserhöhung sein.“

Chinas Fabriken, Seouls Zinsen

Die Auswirkungen des Konflikts machen auch vor Asien nicht halt. In China stiegen die Erzeugerpreise im März erstmals seit dreieinhalb Jahren – ein Plus von 0,5 Prozent im Jahresvergleich, nach 41 aufeinanderfolgenden Monaten mit rückläufigen Werten. In energieintensiven Branchen sind die Sprünge dramatisch: Der Nichteisenmetallsektor verzeichnete einen Preisanstieg von mehr als 36 Prozent.

Das Problem dabei: Diese Inflation ist importiert, nicht nachfragegetrieben. Unternehmen, die höhere Inputkosten nicht weitergeben können, sehen ihre Margen schrumpfen. Die Asiiatische Entwicklungsbank warnt, dass das Wachstum in der Entwicklungsregion Asien-Pazifik von 5,4 Prozent im Vorjahr auf 4,7 Prozent fallen könnte, sollten die Kampfhandlungen bis ins dritte Quartal anhalten. Die Inflation könnte im gleichen Szenario von 3,0 auf 5,6 Prozent klettern.

Südkorea wiederum hielt seinen Leitzins unverändert bei 2,50 Prozent – die Notenbank ist gefangen zwischen Inflationsdruck durch teurere Energie und Wachstumsrisiken. Der Dubaiöl-Referenzpreis hatte sich im März mehr als verdoppelt, was Präsident Lee Jae Myung zu einem Zusatzhaushalt von umgerechnet rund 17,7 Milliarden Dollar bewog.

Der Dollar wackelt

Interessanterweise ist der US-Dollar trotz des Inflationsschubs unter Druck geraten. Der Dollarindex verlor in dieser Woche 1,3 Prozent – der größte Wochenverlust seit Januar. Der Euro kletterte auf 1,1690 Dollar und durchbrach damit seinen 200-Tage-Durchschnitt. Australischer und neuseeländischer Dollar legten auf Wochenbasis fast drei Prozent zu.

Der Hintergrund: Während des Kriegshöhepunkts galt der Dollar als sicherer Hafen, nun werden diese Positionen aufgelöst. „Die Menschen kauften Dollar, als der Krieg am intensivsten war, und verkaufen ihn jetzt, weil das schlimmste Szenario weniger wahrscheinlich scheint“, erklärt Jason Wong, Stratege bei BNZ. Er fügt hinzu, dass sich das schnell ändern könnte, sollten die Friedensgespräche scheitern.

Der chinesische Yuan profitiert unterdessen überraschend stark. Trotz Chinas Status als weltgrößter Ölimporteur wertet die Währung auf und notiert auf dem stärksten Stand seit 2023. „China sieht in dieser globalen Unsicherheit zunehmend wie der Erwachsene im Raum aus“, sagt Lynn Song von ING.

Politische Risiken weltweit

Der Konflikt verändert auch das politische Klima. In den USA ist Trumps Zustimmungsrate auf einen Tiefpunkt gefallen – die Bevölkerung lehnt den Krieg mehrheitlich ab und ist frustriert über steigende Benzinpreise. Die Halbzeitwahlen im November rücken näher, die republikanische Mehrheit im Kongress steht auf dem Spiel.

In Ungarn, wo am Sonntag gewählt wird, könnte ein Sieg der oppositionellen Tisza-Partei Zugang zu eingefrorenen EU-Mitteln von 18 Milliarden Euro eröffnen – Goldman Sachs erwartet in diesem Fall eine deutliche Aufwertung ungarischer Vermögenswerte. In Brasilien, Israel und Kolumbien stehen ebenfalls Wahlen an, überall mit dem Nahost-Krieg als dunkle Kulisse.

Die Märkte balancieren momentan auf einem schmalen Grat zwischen Erleichterung und Nervosität. Ob die Waffenstillstandsgespräche in Islamabad Früchte tragen, entscheidet über die Richtung – nicht nur an den Devisen- und Rohstoffmärkten, sondern über die gesamte globale Konjunktur.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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