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Iran-Krieg erschüttert Märkte

Der militärische Konflikt im Nahen Osten treibt die Ölpreise auf 100 Dollar und drückt Aktienindizes. Eine diplomatische Deadline am 6. April entscheidet über die weitere Marktentwicklung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Ölpreis kratzt an der 100-Dollar-Marke
  • Aktienindizes notieren deutlich im Minus
  • Diplomatische Deadline am 6. April entscheidend
  • Konjunkturdaten als nächster Stresstest erwartet

Der Nahe Osten hält die Weltmärkte in Atem. Seit den US-israelischen Militärschlägen auf den Iran Ende Februar brodelt ein Konflikt, der Ölpreise in die Höhe treibt, Aktienbörsen unter Druck setzt und Diplomaten rund um den Globus in Alarmbereitschaft versetzt. Und die kommende Woche könnte entscheidend sein.

Deadline, Drohung und ein Witz auf Kosten der Geografie

Präsident Donald Trump hat die Frist für Verhandlungen mit Teheran erneut verlängert. Bis zum 6. April sollen keine Angriffe auf Irans Strom- und Wasserversorgungsinfrastruktur erfolgen – vorausgesetzt, es werden Fortschritte bei der Wiedereröffnung der Straße von Hormus erzielt, die Trump bei einer Investorenkonferenz in Miami launig als „Strait of Trump“ bezeichnete. Ein Scherz mit ernstem Hintergrund: Bleibt die Meerenge blockiert, droht eine weitere Eskalation mit unabsehbaren Folgen für die globale Energieversorgung.

Die Diplomatie hat zuletzt Fahrt aufgenommen. Trumps Iran-Beauftragter Steve Witkoff erklärte, erste Schiffe passierten bereits die Straße, und Gespräche mit iranischen Vertretern seien für diese Woche geplant. Im Zentrum steht ein 15-Punkte-Plan, der unter anderem den vollständigen Stopp der Urananreicherung und die Abgabe von fast 10.000 Kilogramm angereichertem Material fordert. „Wir können kein zweites Nordkorea im Nahen Osten zulassen“, machte Witkoff die amerikanischen roten Linien unmissverständlich klar.

Dass Iran diese Forderungen weitgehend ablehnen dürfte, gilt als erwartet. Strategieexperten aus einem hochrangigen Briefing der Investmentbank Jefferies warnen: Die Wege zur Deeskalation sind schmal. Ein dauerhafter Friedensvertrag bleibt unrealistisch. Realistischer erscheint ein begrenztes Arrangement zur Wiedereröffnung kritischer Seewege – und selbst das ist keine Selbstverständlichkeit.

Öl bei 100 Dollar, Aktien auf Talfahrt

Die Folgen für die Märkte sind bereits spürbar. Der US-Rohölpreis hat sich seit Jahresbeginn um mehr als 70 Prozent verteuert und kratzt an der Marke von 100 Dollar je Barrel. Der durchschnittliche Benzinpreis in den USA liegt bei etwa vier Dollar pro Gallone. Das belastet Konsumausgaben und schürt Inflationsängste.

Der S&P 500 fiel in der vergangenen Woche zum fünften Mal in Folge und notiert seit den Militärschlägen rund sieben Prozent im Minus. Nasdaq und Dow Jones bestätigten offiziell ihre Korrekturphase – beide Indizes liegen mindestens zehn Prozent unter ihren Allzeithochs. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf über 4,4 Prozent, den höchsten Stand seit dem vergangenen Sommer. Steigende Zinsen drücken auf Bewertungen, belasten Hypotheken und stellen die Tragfähigkeit der US-Staatsschulden in Frage.

„Die Märkte bleiben nachrichtengetrieben“, sagt Jim Baird vom Vermögensverwalter Plante Moran. Jedes Zeichen einer Annäherung würde Investoren aufatmen lassen – jedes Signal einer Verlängerung des Konflikts hingegen die Stimmung weiter eintrüben.

Eskalation am Boden

Währenddessen steigt der militärische Druck. Zehn US-Soldaten wurden bei einem iranischen Angriff auf die Prince-Sultan-Luftwaffenbasis in Saudi-Arabien verwundet, zwei davon schwer. Neben dem Gebäude, in dem die Soldaten stationiert waren, traf ein Raketeneinschlag auch mehrere US-Tankflugzeuge. Es war bereits der zweite Treffer auf die Basis seit Kriegsbeginn.

Trump nutzte den Kontext, um gleichzeitig auf Diplomatie zu setzen: In Miami warb er bei einem Investitionsgipfel offen für eine Normalisierung zwischen Saudi-Arabien und Israel im Rahmen der Abraham-Abkommen. Er argumentierte, die Schwächung des Iran schaffe historische Chancen für einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Region. Riad dementiert offiziell eine Ausweitung seiner Kriegsbeteiligung – doch die Angriffe auf die Raffinerie Ras Tanura und das Ölfeld Shaybah haben den Staatsfonds des Königreichs, den Public Investment Fund mit einem Volumen von einer Billion Dollar, in eine heikle Lage gebracht.

Konjunkturdaten als nächster Stresstest

In dieser angespannten Gemengelage liefert die nächste Woche weiteres Datenmaterial. Am 3. April erscheint der US-Arbeitsmarktbericht für März – allerdings an einem Tag, an dem die Börsen wegen des Karfreitags geschlossen sind. Erwartet wird ein Beschäftigungsplus von 55.000 Stellen bei einer Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent.

Die Messlatte liegt niedrig: Der Februarbericht hatte mit einem Rückgang von 92.000 Stellen negativ überrascht. Zwei der letzten drei Monatsberichte wiesen negative Beschäftigungszahlen auf. Investoren schauen daher gespannt auf jeden positiven Wert. Die US-Notenbank Fed befindet sich in einem schwierigen Dilemma – steigende Energiepreise und Inflation lassen kaum Spielraum für weitere Zinssenkungen, während eine schwächelnde Konjunktur eigentlich geldpolitische Lockerung verlangte. Die Märkte preisen derzeit keine weiteren Zinssenkungen für 2026 ein; Terminmärkte sehen sogar eine leichte Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung.

Europäischer Gegenwind

Auch Europa kämpft mit den Folgen. Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu erteilte am Freitag breiten Energiesubventionen eine klare Absage – trotz eines etwas besser als erwartet ausgefallenen Haushaltsdefizits von 5,1 Prozent des BIP. „Es gibt keinen Spielraum, wenn man ein Defizit von 5,1 Prozent fährt“, sagte Lecornu. Stattdessen sollen gezielte, monatlich erneuerte Hilfen für besonders betroffene Sektoren wie Transport, Landwirtschaft und Fischerei gelten.

Der Vergleich mit den kostspieligen Energiepreisbremsen nach dem Ukrainekrieg 2022 schwingt dabei implizit mit – ein Fehler, den Paris diesmal nicht wiederholen will.

Was diese Woche zählt

Die kommenden Tage liefern Antworten auf die entscheidende Frage: Führt das diplomatische Fenster zu einer greifbaren Entspannung, oder verpufft es wie vorangegangene Signale? Der 6. April markiert nicht nur eine militärische Deadline, sondern auch einen psychologischen Wendepunkt für die Märkte. Bis dahin bleibt der US-Dollar bevorzugter sicherer Hafen, Rohöl unter Aufwärtsdruck – und die Nerven der Investoren auf die Probe gestellt.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.