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Iran-Krieg bedroht Weltwirtschaft

Der IWF korrigiert seine Wachstumsprognosen deutlich nach unten und warnt vor den gravierenden wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs für die Weltwirtschaft.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • IWF prognostiziert drei düstere globale Wachstumsszenarien
  • Ölpreise über 100 Dollar treiben die Inflation an
  • Schwellenländer leiden besonders stark unter dem Konflikt
  • Zentralbanken stellen Zinssenkungen vorerst zurück

Der Iran-Krieg hält die Weltfinanzwirtschaft in Atem. Öl über 100 Dollar, Inflation auf dem Vormarsch, Zinssenkungen vom Tisch — und der IWF warnt vor dem schlimmsten Szenario seit der Corona-Pandemie. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob der Konflikt Spuren hinterlässt, sondern wie tief sie reichen werden.

IWF malt drei Szenarien — keines ist beruhigend

Der Internationale Währungsfonds hat am Dienstag seine Wachstumsprognosen deutlich nach unten korrigiert. Im optimistischen Basisszenario — das einen kurzen, eingedämmten Konflikt voraussetzt — erwartet der IWF für 2026 ein globales Wachstum von 3,1 Prozent, 0,2 Prozentpunkte weniger als noch im Januar. Öl käme dabei im Jahresschnitt auf rund 82 Dollar pro Barrel.

Doch das pessimistischere Szenario ist nicht weniger realistisch. Bei einem längeren Konflikt mit Ölpreisen dauerhaft um 100 Dollar schrumpft das globale Wachstum auf 2,5 Prozent. Das schlimmste Szenario — ein eskalierender Krieg mit Preisen von 110 bis 125 Dollar bis 2027 — würde die Welt an den Rand einer Rezession bringen. „Das wäre ein knappes Rennen mit einer globalen Rezession“, schreibt der IWF. Nur viermal seit 1980 lag das Wachstum darunter.

IWF-Chefökonom Pierre-Olivier Gourinchas bringt es auf den Punkt: „Was im Golf passiert, ist potenziell viel, viel größer“ als die Auswirkungen von Trumps Zöllen im Vorjahr.

Energiepreise als Brandbeschleuniger der Inflation

Die Rohstoffpreise sind das Herzstück des Problems. Seit den US-israelischen Luftangriffe auf Iran Ende Februar sind die Ölpreise um mehr als 35 Prozent gestiegen — zuletzt auf über 100 Dollar pro Barrel, nachdem das US-Militär eine Seeblockade iranischer Häfen verhängte. Die Auswirkungen sind bereits in den Daten sichtbar: Der US-Erzeugerpreisindex stieg im März um 4,0 Prozent im Jahresvergleich — der stärkste Anstieg seit Februar 2023. Benzinpreise legten dabei um 15,7 Prozent zu, Kerosin sogar um 30,7 Prozent.

Gleichzeitig blockiert der Krieg rund 20 Prozent der globalen Öl- und Flüssigerdgas-Lieferungen durch die Straße von Hormuz. Die Folgen für die Inflation sind kaum zu überschätzen.

Besonders für Großbritannien, das stark auf Erdgas angewiesen ist, sind die Risiken akut. Megan Greene, Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank of England, betont, die Inflationsrisiken seien für sie „vorrangig“. Fünf Jahre lang lag die britische Inflation über dem Zielwert — und die Schockwellen aus dem Ukraine-Krieg 2022 hätten sich noch nicht vollständig gelegt, bevor der Iran-Krieg begann. Greene schließt weitere Zinserhöhungen ausdrücklich nicht aus: „Wir können nicht warten, bis wir definitive Daten über Zweitrundeneffekte haben. Dann wären wir bereits zu spät.“

Märkte zeigen sich erstaunlich widerstandsfähig — vorerst

Während Notenbanker und IWF mahnen, reagiert die Wall Street mit bemerkenswerter Gelassenheit. Der S&P 500 steht heute in etwa dort, wo er am Tag vor Kriegsbeginn stand — trotz 40 Prozent höherer Ölpreise, gestiegener Anleiherenditen und nahezu vollständig gestrichener Zinssenkungserwartungen.

Der Markt setzt auf einen baldigen Waffenstillstand. Ein zweiwöchiges Abkommen letzte Woche nährte den Optimismus. Die Terminkurve für Rohöl spiegelt diesen Glauben wider: Während der Frontmonat-Kontrakt bei rund 95 Dollar notiert, liegt der Dezember-Kontrakt bereits bei 77 Dollar — die Anleger preisen also fallende Preise zum Jahresende ein.

„Der Markt betrachtet das als temporäre Risiken, die in absehbarer Zeit überwunden werden“, erklärt Peter Tuz von Chase Investment Counsel. Stützend wirkt auch, dass die Gewinnerwartungen für S&P-500-Unternehmen seit Kriegsbeginn sogar gestiegen sind: Analysten rechnen nun mit einem Gewinnwachstum von 19 Prozent für 2026, gegenüber 15 Prozent vor dem Krieg.

Kritiker warnen vor Selbstgefälligkeit. „Es gibt viel Selbstzufriedenheit, dass sich das schnell lösen kann. Eingepreist ist, dass es einen Ausweg gibt“, sagt Brad Conger von Hirtle Callaghan. „Ich denke, wir stehen deutlich schlechter da als am 27. Februar — und sind beim gleichen Kurs.“

Emerging Markets tragen die Hauptlast

Die Schwellenländer leiden am stärksten. Der IWF senkte seine Wachstumsprognose für aufstrebende Volkswirtschaften auf 3,9 Prozent — ein Rückgang um 0,3 Prozentpunkte gegenüber Januar. Besonders hart trifft es den Nahen Osten: Die Region Naher Osten und Nordafrika soll 2026 nur noch um 1,1 Prozent wachsen — 2,8 Punkte weniger als noch zu Jahresbeginn prognostiziert. Bahrain, Irak, Kuwait und Katar dürften schrumpfen. Iran selbst wird ein Einbruch von 6,1 Prozent erwartet.

Chinas Wachstumsprognose wurde leicht auf 4,4 Prozent gesenkt, während Indien als seltener Lichtblick gilt: Das Land wächst 2026 voraussichtlich um 6,5 Prozent — gestützt durch ein Zollabkommen mit den USA und starkes Momentum aus dem Vorjahr.

Zentralbanken zwischen Inflation und Wachstum

Für die Notenbanken weltweit ist die Lage ein Drahtseilakt. Die Fed hat Zinssenkungen faktisch auf Eis gelegt — der Terminmarkt preist für Dezember gerade einmal 6 Basispunkte ein. Noch vor Kriegsbeginn waren zwei Zinssenkungen erwartet worden. Manche Fed-Mitglieder diskutieren bereits offen über mögliche Anhebungen.

Der IWF räumt ein, dass Zentralbanken einen kurzlebigen Energiepreisanstieg „durchblicken“ und die Zinsen stabil halten könnten — aber nur, solange die Inflationserwartungen verankert bleiben. Genau das ist die Unbekannte, die über allem schwebt.

Ob die Hoffnung auf eine schnelle Konfliktlösung berechtigt ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen — spätestens dann, wenn die Quartalszahlen der Unternehmen die hochgesteckten Gewinnerwartungen auf den Prüfstand stellen.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

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