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Symbolbild, KI-generiert

Iran-Eskalation erschüttert Märkte

Neue Angriffe im Golf belasten die Märkte, während höhere Ölpreise und Broadcoms Ausblick die Erwartungen an die Fed verändern.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Raketenangriffe erhöhen Sorgen um Hormus
  • Brent notiert bei 95,25 US-Dollar
  • Fed-Zinserhöhungswahrscheinlichkeit steigt auf 67 Prozent
  • Broadcom enttäuscht mit Umsatzprognose

Zwischen Raketenangriffen im Golf und Spekulationen über eine Fed-Zinserhöhung suchen Anleger derzeit vergeblich nach klarer Orientierung. Der Iran-Konflikt treibt die Ölpreise, während gleichzeitig Zinssorgen und ein enttäuschender Ausblick von Chip-Riese Broadcom die Stimmung belasten. Die Gemengelage könnte kaum widersprüchlicher sein.

Neue Angriffe befeuern Sorge um die Straße von Hormus

In der Nacht zu Donnerstag griff Iran laut dem staatlichen Sender Press TV mit Raketen und Drohnen US-Stützpunkte in Kuwait an. Die kuwaitischen Streitkräfte bestätigten, ihre Luftabwehr habe „feindliche Ziele“ abgefangen – zur Herkunft äußerten sie sich zunächst nicht. Es ist die schärfste Eskalation seit Ende Juli, nachdem eine kurze Gesprächspause zwischen Washington und Teheran ohne greifbares Ergebnis blieb.

Die USA hatten zuvor Ziele nahe der Straße von Hormus getroffen, worauf die Revolutionsgarden mit Vergeltungsschlägen reagierten. Präsident Donald Trump versuchte, die Lage herunterzuspielen: Die erneuerten Angriffe auf Iran würden „nicht lange dauern“, so seine Botschaft an die Märkte. Gleichzeitig verwiesen US-Beamte auf eine Erholung der Energieflüsse durch die Straße von Hormus – jene Meerenge, durch die vor Kriegsbeginn ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs verschifft wurde. Aktuelle Schiffsdaten zeichnen jedoch ein anderes Bild: Der Verkehr durch die Route liegt weiterhin nur bei einem Bruchteil des Vorkriegsniveaus, während Teheran betont, die Passage bleibe gesperrt.

Ölpreis pendelt zwischen Eskalation und Entspannung

Genau diese Unsicherheit spiegelt sich im Rohölmarkt wider. Nach einer dreitägigen Rally, die Brent und WTI auf Fünf-Wochen-Hochs trieb, gaben die Preise am Donnerstag zunächst leicht nach – Brent fiel um 0,4 Prozent auf 95,25 US-Dollar, WTI um 0,2 Prozent auf 90,80 US-Dollar. Die jüngsten Angriffe auf Kuwait ließen die Verluste jedoch wieder schrumpfen. Washington hält weiterhin seine Marineblockade gegen Iran aufrecht, was die Lage zusätzlich verschärft.

Für die Finanzmärkte ist Öl der zentrale Übertragungskanal des Konflikts. Bleibt die Straße von Hormus blockiert, könnte ein weiterer Preisschub die Inflation anheizen und den Notenbanken das Leben schwer machen. Eine echte Entspannung im Golf hingegen würde genau den gegenteiligen Effekt haben – und den Zentralbanken mehr Spielraum für Zinssenkungen verschaffen.

Fed-Zinsentscheid rückt in den Fokus

Genau hier setzt die zweite große Sorge der Anleger an: die Geldpolitik der US-Notenbank. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte in diesem Monat binnen einer Woche von 37 auf rund 67 Prozent gesprungen. Auslöser waren neben den steigenden Ölpreisen auch die hawkishen Äußerungen von Fed-Chair Kevin Warsh.

New Yorks Fed-Präsident John Williams versuchte gegenzusteuern und erklärte gegenüber CNBC, die steigenden langfristigen Anleiherenditen seien vor allem Ausdruck einer robusten Wirtschaft – getragen von massiven Investitionen in künstliche Intelligenz, Rechenzentren und Technologie – und weniger ein Alarmsignal für die Inflation. Fed-Governor Christopher Waller sollte sich am Donnerstag bei einer Reuters-NEXT-Veranstaltung äußern; im Juli hatte er bereits signalisiert, dass kurzfristig höhere Zinsen nötig sein könnten.

Die Anleihemärkte gönnten sich nach den turbulenten Vortagen zumindest eine kurze Verschnaufpause. Die Renditen in den USA und Japan gaben leicht nach, nachdem eine Auktion 30-jähriger japanischer Staatsanleihen auf solide Nachfrage traf und die Rendite zehnjähriger JGBs von ihrem 30-Jahres-Hoch bei 3,015 Prozent zurückfiel. Enttäuschende ADP-Beschäftigungsdaten trugen ebenfalls zur Beruhigung bei – der eigentliche Test folgt jedoch erst am Freitag mit dem US-Arbeitsmarktbericht. Ein überraschend starker Report könnte die Zinssorgen neu entfachen, ein schwacher hingegen die Hoffnung auf eine mildere Fed-Politik nähren.

Broadcom bremst die KI-Euphorie

Während die geopolitischen und monetären Fragen die Gesamtstimmung prägten, sorgte ausgerechnet ein Einzelwert für zusätzlichen Gesprächsstoff: Broadcom. Der Chip-Konzern meldete für das vierte Fiskalquartal einen Umsatzausblick von rund 34,8 Milliarden US-Dollar – deutlich unter der Analystenschätzung von 35,05 Milliarden. Bemerkenswert dabei: Die prognostizierten KI-Chip-Umsätze von 21,7 Milliarden US-Dollar lagen sogar leicht über den Erwartungen von 21,33 Milliarden.

Ausgerechnet die starke KI-Sparte konnte die schwächere Gesamtprognose also nicht kompensieren. Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel zeitweise mehr als drei Prozent. Für Investoren ist das ein Signal, wie genau der Markt inzwischen zwischen echtem KI-Wachstum und dem übrigen Geschäft unterscheidet – ein Unternehmen, das jahrelang von der KI-Infrastrukturwelle profitierte, wird nun an strengeren Maßstäben gemessen.

Europas Börsen erholen sich vorsichtig

An den europäischen Aktienmärkten machte sich die nachlassende Anleihenverkaufswelle bemerkbar. Der STOXX 600 legte nach drei Verlusttagen um ein Prozent auf 646,15 Punkte zu, nachdem er zuvor ein Monatstief markiert hatte. Der DAX gewann 0,1 Prozent, während der CAC 40 leicht nachgab. Einzelne Werte stachen heraus: Die Aktie der Deutschen Telekom stieg um 1,7 Prozent, nachdem Berichte über einen Einstieg des aktivistischen Investors Elliott die Runde machten. Der französische Chipmaterial-Hersteller Soitec sprang sogar um zehn Prozent nach oben, gestützt von einer angehobenen Prognose wegen wachsender Nachfrage nach Wafern für optische Verbindungen in KI-Rechenzentren – ein weiterer Beleg dafür, dass der KI-Boom trotz der Broadcom-Enttäuschung ungebrochen weiterläuft.

Ausblick: Politik schafft zumindest etwas Verlässlichkeit

Immerhin an einer Front sorgte Washington für Klarheit. Präsident Trump unterschrieb am Mittwoch ein Übergangsbudget, das einen Regierungsstillstand vor den Zwischenwahlen abwendet und die Finanzierung der Bundesbehörden bis zum 11. Dezember sichert. Nach drei Shutdowns mit insgesamt 161 Tagen wollte offenbar keine der beiden Parteien im Wahlkampf zusätzliches Chaos riskieren. Gelöst sind die eigentlichen fiskalischen Probleme damit nicht – die Staatsverschuldung hat jüngst die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten, und im Dezember steht die mühsame Aushandlung der zwölf regulären Haushaltsgesetze bevor.

Für die Märkte bleibt damit vor allem eine Frage entscheidend: Wie sich der Iran-Konflikt in den kommenden Tagen entwickelt und ob der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag der Fed den nötigen Spielraum lässt. Bis dahin dürften Anleger nervös zwischen Ölpreis-Charts und Zinsprotokollen hin- und herblicken.

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Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

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