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Iran-Deal erschüttert Finanzmärkte

Ein möglicher Waffenstillstand zwischen USA und Iran belastet den Dollar und könnte die Ölpreise senken. Notenbanken weltweit beobachten die Entwicklung mit Blick auf die Inflation.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Dollar-Index fällt deutlich
  • Straße von Hormus im Fokus
  • Fed debattiert über Zinserhöhung
  • Neuseeland hält Leitzins stabil

Ein möglicher Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran bewegt dieser Tage mehr als nur geopolitische Schachbretter. Die Nachricht über ein sich abzeichnendes Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus sendet Schockwellen durch Währungsmärkte, Rohstoffpreise und Notenbankentscheidungen – von Wellington bis Washington.

Der Dollar unter Druck

Der US-Dollar steht zum Ende dieser Handelswoche auf der Verliererseite. Berichte über eine mögliche Einigung zwischen Washington und Teheran ließen die Nachfrage nach der sicheren Reservewährung spürbar nachlassen. Der Dollar-Index notiert rund 0,3 Prozent im Minus für die Woche – damit droht der Greenback, eine zweiwöchige Gewinnserie zu beenden.

Der Euro kletterte auf 1,1653 Dollar, das Pfund hält sich bei 1,3445 Dollar, und der Yen festigte sich auf 159,27 – damit rückt er vom psychologisch bedeutsamen Niveau von 160 Yen je Dollar ab, das in der Vergangenheit Interventionen der japanischen Behörden ausgelöst hatte. Massimiliano Castelli von UBS Asset Management bringt es auf den Punkt: Sobald die Krise im Nahen Osten überstanden sei, dürfte der Dollar strukturell schwach bleiben – viele Anleger wollten ihre Abhängigkeit von US-Dollar-Anlagen grundsätzlich reduzieren.

Das Abkommen und seine offenen Fragen

Was genau auf dem Verhandlungstisch liegt, ist noch nicht spruchreif. Dem Vernehmen nach würde das „Memorandum of Understanding“ den aktuellen Waffenstillstand um 60 Tage verlängern und den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder freigeben – während die schwierigeren Fragen rund um Irans Atomprogramm auf später verschoben werden.

Für Trump ist das ein Drahtseilakt. Einerseits drücken hohe Benzinpreise auf seine Zustimmungswerte, die ohnehin neue Tiefstände erreicht haben. Die Midterms im November nahen, und Republikanische Wahlstrategen sehen Energiepreise als zentrales Thema. Andererseits wittern Trump-treue Hardliner wie die Senatoren Lindsey Graham, Roger Wicker und Ted Cruz Verrat: Sie fordern, den Job zu Ende zu bringen und Irans Nuklearpfad dauerhaft zu versperren.

„Trumps rhetorische Kehrtwenden der letzten Woche deuten auf einen Präsidenten hin, der versucht, einen breiten Krieg auf engem Raum einzuparken“, formuliert Laura Blumenfeld von der Johns Hopkins University treffend. Und Jon Alterman vom CSIS ergänzt: Gerade weil Trump offensichtlich auf einen schnellen Abschluss dränge, gräben sich die Iraner ein.

Inflation als gemeinsamer Nenner

Der Krieg im Nahen Osten ist nicht nur ein geopolitisches Problem – er ist ein Inflationsproblem. In den USA stieg der PCE-Preisindex im April auf 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das höchste Tempo seit drei Jahren. Energiepreise infolge des Konflikts sind ein wesentlicher Treiber. Der Kernindex, der volatile Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert, liegt bei 3,3 Prozent – das schnellste Tempo seit 2023.

Die Folgen für den US-Immobilienmarkt sind bereits greifbar: Die Hypothekenzinsen für 30-jährige Festkredite sprangen von knapp 6 Prozent Ende Februar auf über 6,5 Prozent. Die Neubauverkäufe brachen im April um 6,2 Prozent ein und lagen 11,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Lagerbestände steigen, Bauherren bremsen.

Fed zwischen Abwarten und Handeln

Innerhalb der US-Notenbank wächst die Nervosität. New Yorks Fed-Präsident John Williams sieht die Geldpolitik derzeit „am richtigen Ort“ – leicht restriktiv, abwartend. Er rechnet mit einem PCE-Wert von nahe 4 Prozent in den kommenden Monaten, erwartet aber eine Entspannung, sobald Zolleffekte abklingen und der Energieschock nachlässt.

Deutlich ungeduldiger gibt sich St. Louis-Präsident Alberto Musalem. Wenn die Inflation nicht innerhalb der nächsten ein bis zwei Quartale wieder sinke, sei eine Zinserhöhung denkbar. „Die Risiken haben sich klar auf die Inflationsseite verschoben“, sagte er auf einer Konferenz in Reykjavik. Finanzmärkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent für eine Anhebung des Leitzinses – aktuell 3,50 bis 3,75 Prozent – bis Ende 2026 ein.

Ein Sonderthema ist das bevorzugte Inflationsmaß des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh: der trimmed mean der Dallas Fed, der im April bei 2,3 Prozent lag. Ökonomen warnen allerdings, dass dieses Maß die tatsächlichen Preissteigerungen derzeit systematisch unterschätzt – weil Trumps Zölle ungewöhnlich viele Güterpreise gleichzeitig nach oben trieben und die statistische Bereinigungsmethode dadurch verzerrt wird.

Neuseeland zieht eigene Schlüsse

Auch anderswo sorgen die globalen Preissteigerungen für geldpolitischen Handlungsdruck. Die neuseeländische Zentralbank RBNZ hielt ihren Leitzins diese Woche zwar bei 2,25 Prozent – doch nur weil Gouverneurin Anna Breman bei einer 3-zu-3-Abstimmung im Ausschuss ihr Stichrecht nutzte. Klar ist: Es war eine Entscheidung auf Zeit.

MPC-Mitglied Hayley Gourley, die für eine sofortige Anhebung gestimmt hatte, machte deutlich, dass externe Schocks – explizit nannte sie den Nahostkonflikt und den Inflationsanstieg bei Handelspartnern – sich über steigende Unternehmenskosten auf die heimischen Preise übertragen. Bis zur nächsten Sitzung im Juli, so Gourley, werde sich zeigen, wie schnell und wie stark die RBNZ handeln müsse.

Ausblick: Alles hängt am Hormus

Das verbindende Element all dieser Entwicklungen bleibt die Straße von Hormus. Ein Abkommen, das den Schiffsverkehr wieder normalisiert, würde Ölpreise drücken, Inflationsdruck mindern und Notenbanken weltweit Spielraum verschaffen. Doch die offenen Fragen – Sanktionserleichterungen für den Iran, der Umgang mit dessen angereichertem Uran, die Langzeitstabilität des Waffenstillstands – zeigen, wie fragil dieser Moment noch ist. Trumps Versicherung, nur einen „großartigen Deal“ zu akzeptieren, klingt dabei weniger nach Verhandlungsstärke als nach dem Versuch, alle Fronten gleichzeitig zu bedienen.

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

Mit seiner Expertise unterstützt er Anleger dabei, die Chancen des Kapitalmarkts systematisch und langfristig zu nutzen – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.