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Iran-Deal bewegt globale Märkte

Trumps Ankündigung eines Waffenstillstands mit Iran lässt Ölpreise fallen und Aktienkurse steigen, doch Teheran dämpft die Euphorie.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Ölpreis fällt auf Zwei-Monats-Tief
  • EZB hebt erstmals seit Jahren Zinsen an
  • SpaceX feiert größten Börsengang der Geschichte
  • Fed und BoJ tagen in der kommenden Woche

Ein Wochenende könnte reichen. Präsident Donald Trump erklärte am Donnerstag, die USA und Iran hätten sich auf eine Einigung geeinigt, die die seit Monaten gesperrte Straße von Hormus wieder öffnen würde. Die Reaktion an den Weltbörsen war sofort spürbar — und sie zeigt, wie sehr der Iran-Krieg die globalen Finanzmärkte seit seinem Ausbruch Ende Februar im Griff hält.

Hoffnung auf Frieden, Skepsis bei Analysten

Trumps Ankündigung klang eindeutig. „Wir haben gerade einen großartigen Waffenstillstand mit Iran erreicht“, sagte er vor Reportern, und sprach später sogar davon, den Krieg „heute beendet“ zu haben. Doch Teheran bremste die Euphorie umgehend. Das iranische Außenministerium bestätigte zwar, dass wesentliche Teile eines möglichen Abkommens nahezu abgeschlossen seien — dementierte aber zugleich, dass bereits ein Vertrag unterzeichnet worden sei. Laut Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei sorgen „widersprüchliche Positionen“ der USA weiter für Störungen im Prozess.

Analysten reagierten entsprechend vorsichtig. „Es klingt, als wäre man nah dran, aber die Ziellinie ist noch nicht überschritten“, sagte Michael Wan, Währungsanalyst bei Mitsubishi UFJ Financial Group. Ray Attrill von der National Australia Bank sah es ähnlich: „Das wirkt diesmal vielleicht etwas greifbarer als bisher. Aber wenn Iran etwas Positives signalisiert, könnten sich die Chancen für einen Deal schnell dramatisch verschieben.“

Ölpreise und Inflation — die eigentliche Kernfrage

Der Ölpreis war und bleibt der eigentliche Gradmesser. Brent-Rohöl fiel am Freitag auf knapp 88 US-Dollar pro Barrel — ein Zwei-Monats-Tief. Seit dem Ausbruch des Iran-Krieges, der die Straße von Hormus faktisch abriegelte, sind die Energiepreise weltweit massiv gestiegen. Die Folge: eine globale Inflationswelle, die Zentralbanken unter Druck setzt.

Die Europäische Zentralbank zog am Donnerstag als erste große Notenbank die Konsequenzen und hob die Zinsen zum ersten Mal seit fast drei Jahren an. EZB-Ratsmitglied und Bundesbank-Präsident Joachim Nagel machte klar, dass es dabei nicht zwingend bleiben muss: „Wir halten alle Optionen offen und sind bereit, erneut zu reagieren, sollte es nötig sein.“ Der Angebotsschock aus dem Nahen Osten sei „stark und anhaltend“, so Nagel, weshalb man ihn nicht einfach ignorieren könne. Ein weiterer Zinsschritt im Juli gilt zwar nicht als Basisszenario, ist aber keineswegs vom Tisch.

Auch in den USA zeigt die Inflation ihre Zähne. Die Erzeugerpreise stiegen im Mai stärker als erwartet und verbuchten den größten Jahresanstieg seit dreieinhalb Jahren — getrieben vor allem durch Energiekosten. Der Kern-PPI, der direkt in die bevorzugte Fed-Messgröße PCE einfließt, fiel mit 4,9 Prozent allerdings deutlich niedriger aus als die erwarteten 5,4 Prozent. Das beruhigte die Märkte ein wenig und verschob die Erwartungen für eine US-Leitzinserhöhung leicht nach hinten — in Richtung Dezember.

Zentralbanken weltweit in Alarmbereitschaft

Die nächste Woche wird zeigen, wie weit die geldpolitische Reaktion noch gehen kann. Die US-Notenbank Fed trifft sich zur ersten Sitzung unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Eine Zinsänderung wird diesmal nicht erwartet, doch Märkte und Analysten werden jeden Satz seiner Pressekonferenz sezieren — insbesondere, ob er einen anderen Ton anschlägt als sein Vorgänger.

Parallel dazu tagt die Bank of Japan. Marktbeobachter erwarten dort eine lang angekündigte Anhebung um 25 Basispunkte auf 1,0 Prozent — der höchste Stand seit 1995. Japans Kern-Inflation verharrte im Mai bei 1,4 Prozent und liegt damit unter dem Zwei-Prozent-Ziel der BOJ, könnte aber durch die gestiegenen Energieimportkosten in den kommenden Monaten zulegen. Die Sitzung findet unter ungewöhnlichen Umständen statt: Gouverneur Kazuo Ueda ist hospitalisiert und wird fehlen — das erste Mal seit mindestens 1998, dass ein BOJ-Chef eine planmäßige Sitzung verpasst.

Die Bank of England dürfte ihrerseits die Zinsen unverändert lassen, obwohl die Inflationserwartungen der britischen Bevölkerung laut einer aktuellen BoE-Umfrage deutlich gestiegen sind. Für das kommende Jahr rechnen die Befragten im Median mit 4,0 Prozent Inflation, nach 3,2 Prozent in der Februar-Erhebung.

Märkte feiern — mit einem Auge auf Hormus

Die Finanzmärkte haben Trumps Ankündigung dennoch mit Erleichterung aufgenommen. Asiatische Aktienindizes sprangen am Freitag kräftig an: Südkoreas KOSPI legte fast 8 Prozent zu, Japans Nikkei stieg um rund 3,6 Prozent. Europäische Futures signalisierten Eröffnungsgewinne von fast 2 Prozent. An der Wall Street hatten die drei großen Indizes am Vorabend ihre stärksten Tagesgewinne seit dem temporären Waffenstillstand vom 8. April verbucht.

Parallel belebte das mit Spannung erwartete Börsendebüt von SpaceX die Stimmung zusätzlich. Elon Musks Raketenunternehmen ging zu 135 US-Dollar pro Aktie an die Börse, sammelte rund 75 Milliarden US-Dollar ein und bewertete das Unternehmen mit knapp 1,77 Billionen US-Dollar — der größte Börsengang in der Geschichte der Kapitalmärkte.

Am Devisenmarkt stabilisierte sich der US-Dollar nach den Verlusten vom Vortag. Der Dollar-Index notierte nahezu unverändert bei 99,68. Der Euro hielt sich knapp über 1,158 Dollar, gestützt vom EZB-Zinsschritt. Der Yen bleibt hingegen unter Druck: Bei rund 160 Yen je Dollar beobachten Händler die Kursentwicklung genau — ein Niveau, bei dem japanische Devisenmarktinterventionen erfahrungsgemäß wahrscheinlicher werden.

Ausblick: Das Wochenende entscheidet

Die nächsten Tage könnten wegweisend sein. Kommt eine Unterzeichnung in Europa zustande, dürften Ölpreise weiter fallen, Inflationserwartungen sinken und der Druck auf Zentralbanken nachlassen. Scheitert der Deal erneut — was zuletzt mehrfach der Fall war — drohen neue Marktturbulenzen. Gleichzeitig kommen beim G7-Gipfel in Evian-les-Bains wichtige geopolitische Gespräche hinzu, bei denen Trump, Ukraine und die Golfstaaten am Tisch sitzen.

Die Märkte haben ihre Wette bereits platziert. Ob sie recht behalten, wissen wir spätestens am Montag.

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