Starke Zahlen, schwacher Kurs. Bei Intuitive Surgical klafft gerade beides auseinander wie selten zuvor. Während der Medizinroboter-Hersteller im zweiten Quartal die Erwartungen übertraf, rutscht die Aktie von einem Tief zum nächsten.
Am Dienstag schloss das Papier bei 306,80 Euro, ein Minus von 1,03 Prozent. Erst am Montag hatte die Aktie mit 299,60 Euro ein neues 52-Wochen-Tief markiert. Binnen sieben Handelstagen verlor sie 9,54 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 37,28 Prozent zu Buche.
Analysten sehen nur eine vorübergehende Delle
Trotz der Talfahrt springen mehrere Investmentbanken der Aktie zur Seite. BMO Capital bestätigte am Montag sein „Outperform“-Rating und beließ das Kursziel bei 518 US-Dollar. Die Analysten adressieren damit direkt jenen Punkt, der Anleger zuletzt verschreckt hat: Das Wachstum bei da-Vinci-Eingriffen in den USA hat sich im zweiten Quartal auf rund 12 Prozent verlangsamt.
BMO bezeichnet diese Abkühlung als vorübergehend. Als Grund nennen die Analysten veränderte Versicherungsdeckungen und auslaufende Subventionen bei einzelnen Kostenträgern. Ein grundsätzlicher Nachfrageeinbruch bei roboterassistierter Chirurgie sei das nicht.
Da Vinci 5 treibt die Installationen
Unabhängig von der Debatte um Prozedurwachstum liefert das Neugeschäft mit Systemen weiter solide Zahlen. Im letzten Quartal installierte Intuitive Surgical 468 da-Vinci-Systeme, nach 395 im Vorjahreszeitraum. Davon entfielen 246 Einheiten bereits auf die neue Plattform da Vinci 5.
Die weltweite installierte Basis wuchs damit auf 11.710 Systeme, ein Plus von 12 Prozent zum Vorjahr. Das ist die eigentliche Stärke des Geschäftsmodells: Rund 85 Prozent des Umsatzes stammen inzwischen aus wiederkehrenden Einnahmen. Instrumente, Zubehör und Servicevereinbarungen rund um die wachsende Systemflotte sichern diesen Anteil ab.
Die Zahlen schlugen die Erwartungen
Der Umsatz im zweiten Quartal kletterte um 19 Prozent auf 2,89 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,80 US-Dollar und übertraf die Analystenschätzung von 2,51 US-Dollar deutlich. Beide Werte lagen über den Erwartungen des Marktes.
Der Vorstand beließ die Prognose für das Prozedurwachstum 2026 bei 13,5 bis 15,5 Prozent. Genau darin liegt für manche Analysten der eigentliche Auslöser des Kursrutsches: Der Markt hatte offenbar auf eine Anhebung dieser Spanne gehofft. Ausbleibende gute Nachrichten wirkten in diesem Umfeld fast wie schlechte.
Charttechnik nähert sich überverkauftem Terrain
Der 14-Tage-RSI liegt aktuell bei 33,2 und rückt damit in Richtung überverkaufter Zone. Zum 52-Wochen-Hoch von 516,50 Euro aus Anfang Januar fehlen mittlerweile 40,60 Prozent. Diese Kombination aus solider Fundamentaldaten und technischer Erschöpfung ist es, die BMO und andere Häuser als Einstiegschance werten.
Am Markt richtet sich der Blick nun auf die Marke von 300 Euro als mögliche Unterstützungszone. Parallel treibt Intuitive Surgical den globalen Ausbau seiner Ion- und da-Vinci-5-Plattformen voran. Für Letztere sind über 100 geplante Updates vorgesehen, die Chirurgen bei der Bedienung unterstützen und klinische Ergebnisse verbessern sollen.
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