Agentic AI verändert die Nachfragedynamik für Server-Prozessoren — und Intel steht mittendrin. Am 23. April legt der Konzern seine Q1-Zahlen vor. Die Erwartungen sind gestiegen, die Bewertung auch.
Susquehanna hebt Kursziel auf 80 Dollar
Analyst Christopher Rolland von Susquehanna erhöhte das Kursziel von 65 auf 80 Dollar — bereits die zweite Anhebung innerhalb weniger Tage. Das Rating bleibt bei „Neutral“, doch die Begründung ist bemerkenswert: Server-CPU-Nachfrage übertreffe frühere Erwartungen deutlich. Rolland nennt agentic AI als Haupttreiber und spricht von einem echten Inflektionspunkt für die Prozessornachfrage.
Intel selbst räumt ein, die aktuelle Nachfrage nicht vollständig bedienen zu können. Die schlimmsten Engpässe erwartet das Unternehmen in Q1 2026 — Entspannung soll ab Q2 einsetzen. Das würde Intel eine überdurchschnittliche saisonale Performance im weiteren Jahresverlauf ermöglichen.
Parallel dazu hat KeyCorp das Kursziel auf 70 Dollar angehoben und das Papier mit „Overweight“ bewertet. Morningstar bleibt dagegen skeptisch: Der Konzern handle laut deren Schätzung mit einem Aufschlag von 345 Prozent auf den fairen Wert von 23 Dollar — bei „sehr hoher“ Unsicherheit.
PC-Geschäft bremst, Rechenzentren treiben
Das Bild ist zweigespalten. Intels Datencenter- und KI-Segment erzielte im vierten Quartal 2025 einen Umsatz von 4,74 Milliarden Dollar — ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das PC-Segment brach dagegen um 7 Prozent auf 8,19 Milliarden Dollar ein.
Susquehanna erwartet für Q1 leichte positive Überraschungen aus dem Server-Bereich. Das PC-Geschäft bleibt ein Gegenwind. Sollten Speicherengpässe anhalten, könnten die PC-Produktionszahlen der Auftragshersteller im Jahresverlauf zweistellig fallen.
Terafab und die strukturelle Wette
Jenseits des kurzfristigen Ausblicks gibt es einen weiteren Kurstreiber: Intels Beteiligung an der Terafab-Initiative — einer Kooperation mit Tesla, SpaceX und xAI zum Aufbau einer Chip-Design-Anlage. Das Projekt gilt als erste bedeutende Kundschaft für Intels 18A-Fertigungsprozess. Kein Wunder, dass die Aktie allein im April stark zugelegt hat.
Die Kursentwicklung spricht für sich: Seit Jahresbeginn hat die Intel-Aktie rund 57 Prozent gewonnen, auf Zwölfmonatssicht sogar gut 200 Prozent. Mit einem Forward-KGV von rund 130 ist die Bewertung ambitioniert — Susquehannas neues Kursziel bestätigt im Wesentlichen das aktuelle Niveau, ohne nennenswerten weiteren Aufwärtsspielraum zu signalisieren.
Am 23. April nach US-Börsenschluss wird sich zeigen, ob die Nachfragedynamik bei Server-CPUs tatsächlich in den Zahlen ankommt — und ob das aktuelle Bewertungsniveau eine solide Grundlage hat oder auf Erwartungen gebaut ist, die der Konzern erst noch erfüllen muss.
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