Intel hat am Freitag kräftig zugelegt — und damit eine Aufwärtsbewegung fortgesetzt, die bereits am Vortag eindrucksvoll begann. Ausgelöst von einem überraschenden Upgrade durch Bank of America hatte die Aktie am Donnerstag rund 9 Prozent gewonnen. Freitags kamen nochmals knapp über vier Prozent hinzu.
Geopolitik als Treiber
Das Umfeld spielte Intel in die Karten. Nachdem Präsident Trump angekündigt hatte, geplante Angriffe auf den Iran abzublasen, stürzten die Ölpreise ab — und die Stimmung an den US-Börsen drehte schlagartig. Der Nasdaq legte am Donnerstag um 2,5 Prozent zu, der Philadelphia Semiconductor Index sogar um 7,9 Prozent. Halbleiteraktien profitieren besonders, wenn geopolitische Spannungen nachlassen: weniger Lieferkettenrisiko, bessere Nachfrageperspektiven.
Konkurrenz rückt näher
Indes baut sich im CPU-Markt neuer Wettbewerb auf. Nvidia vermarktet aktiv seinen Vera-Prozessor — einen Arm-basierten 88-Kern-Chip, der eigens für KI-Workloads ausgelegt ist — an chinesische Cloud- und Rechenzentrumsanbieter. Einzelne Einheiten sollen deutlich über 20.000 Dollar kosten, ein vollständig bestücktes Rack käme auf rund zehn Millionen Dollar. Nvidia-Chef Jensen Huang hatte das CPU-Marktpotenzial auf 200 Milliarden Dollar beziffert — und China ausdrücklich eingeschlossen.
Bank of America hat die Marktschätzung für Server-CPUs bis 2030 auf über 170 Milliarden Dollar angehoben, nach zuvor 125 Milliarden. Analyst Vivek Arya sieht agentische KI als zentralen Nachfragetreiber — und betont, der Markt sei groß genug für mehrere Gewinner. Für Intel, das gemeinsam mit AMD den x86-Markt dominiert, ist das zunächst beruhigend. Kein Wunder, dass Anleger das Upgrade von Bank of America so positiv aufgenommen haben.
Kurzfristig werden zwei Termine Klarheit über die Wettbewerbslage schaffen: Am 24. Juni hält Nvidia seine Hauptversammlung ab, auf der Fragen zur China-Strategie und zum Vera-Rollout erwartet werden. Zeitgleich kündigt Qualcomm an seinem AI Day eigene KI-CPU-Neuheiten an. Für Intel-Investoren zeigt diese Terminlage, wie eng der Markt in den kommenden Wochen beobachtet wird.
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