Intel zieht beim Thema KI-Inferenz das Tempo an. Mit SambaNova holt sich der Chipkonzern einen Spezialisten an die Seite, der verspricht, KI-Modelle schneller und günstiger laufen zu lassen. Doch der Deal sorgt nicht nur wegen der Technik für Aufmerksamkeit.
Kooperation mit SambaNova: Fokus auf Inferenz
Intel hat am Dienstag eine mehrjährige strategische Partnerschaft mit dem KI-Inferenz-Startup SambaNova Systems angekündigt. Geplant sind KI-Inferenz-Lösungen auf Basis von Intel-Xeon-Infrastruktur, ausgerichtet auf KI-native Unternehmen, Modellanbieter, Unternehmen und staatliche Organisationen weltweit.
Parallel stellte SambaNova seinen neuen SN50-Inferenzchip vor. Das Unternehmen behauptet, der Chip sei fünfmal schneller als konkurrierende Lösungen und ermögliche KI-Inferenz zu dreimal niedrigeren Kosten als GPUs. SoftBank wurde laut Bericht als erster Kunde genannt, der den SN50 in Rechenzentren in Japan einsetzen will.
Auch finanziell rückt Intel näher an SambaNova heran: Intel Capital beteiligt sich mit einem nicht genannten Betrag an einer 350-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde (Series E), die von Vista Equity Partners und Cambium Capital angeführt wird. Brisant am Rand: Laut Berichten hatte Intel zuvor über eine Übernahme von SambaNova für 1,6 Milliarden Dollar gesprochen – diese Gespräche scheiterten jedoch.
Governance im Blick: Rolle von CEO Lip-Bu Tan
Ein Punkt, der den Deal besonders sensibel macht, ist die Nähe von Intel-CEO Lip-Bu Tan zu SambaNova. Tan ist seit 2017 Chairman von SambaNova und war nach Berichten auch über seine Venture-Firma Walden International früh investiert.
Intel erklärte, Tan habe sich aus den Partnerschaftsgesprächen zurückgezogen. Die Gespräche seien unter der Leitung von Kevork Kechichian geführt worden, dem für das Data-Center-Geschäft zuständigen Executive Vice President. Ein Intel-Sprecher verwies zudem auf etablierte Governance-Prozesse, die Entscheidungen im Interesse des Konzerns sicherstellen sollen. Warum ist das wichtig? Weil bei strategischen Deals nicht nur die Technik zählt, sondern auch Vertrauen in saubere Entscheidungswege.
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Einordnung: Rückenwind – aber auch offene Baustellen
Die Nachricht fiel in eine ohnehin starke Stimmung im Halbleitersektor. Im Markt wurde das auch mit AMDs großer KI-Infrastruktur-Vereinbarung mit Meta in Verbindung gebracht. Bei Intel passt die SambaNova-Kooperation zudem in die breitere KI-Infrastruktur-Strategie: Laut Bericht ist Intel bei Server-CPUs kapazitätsseitig eingeschränkt und hat die Preise zuletzt um 10% bis 15% angehoben, weil die Kapazitäten für das Jahr weitgehend ausverkauft sein sollen.
Wichtig: Intel betonte, dass die Zusammenarbeit die eigene GPU-Roadmap nicht verändert. Stattdessen soll die Partnerschaft helfen, die „heterogenen“ Anforderungen im Inferenzmarkt abzudecken – also das Zusammenspiel verschiedener Hardware-Ansätze.
Abseits des Deals gab es zuletzt aber auch Fragezeichen bei der Produktplanung: Berichte vom vergangenen Freitag deuteten an, dass Intels Nova-Lake-S-Desktopprozessoren womöglich erst zur CES 2027 kommen könnten – im Gegensatz zu einer früheren Aussage des CEO, wonach Nova Lake „Ende 2026“ anstehen sollte. Intel hat eine Verzögerung bislang nicht offiziell bestätigt.
Beim Kurs zeigte sich heute nur wenig Bewegung: Die Aktie notiert bei 39,30 Euro und liegt damit leicht über dem gestrigen Schlusskurs.
Am 4. März dürfte Intel zusätzliche Aufmerksamkeit bekommen: Dann soll CFO David Zinsner auf der Morgan-Stanley-TMT-Konferenz sprechen – ein Termin, bei dem Anleger laut Bericht auch mehr Details zu finanziellen Auswirkungen der SambaNova-Partnerschaft und zur KI-Monetarisierung erwarten.
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